Erweiterte Funktionen
Inverse Zinskurve - wirklich eine schlechte Nachricht?
29.11.22 12:00
Merck Finck
München (www.anleihencheck.de) - Es ist ein seltenes Ereignis, das viele Experten als schlechtes Omen werten: Erst zum zweiten Mal seit der deutschen Wiedervereinigung ist die Zinskurve bei Bundesanleihen invers, so Robin Beugels, Leiter Investment Management, bei Merck Finck - A Quintet Private Bank.
In der Vergangenheit sei dies häufig ein Vorbote eines wirtschaftlichen Abschwungs gewesen. Von einer inversen Zinskurve spreche man, wenn die Renditen länger laufender Anleihen, also etwa zehnjähriger Bundesanleihen, niedriger notieren würden als die Renditen kürzer laufender Anleihen, also beispielweise zweijähriger Bundesanleihen. Inverse Zinskurven würden signalisieren, dass Anleger trotz höherer kurzfristiger Zinsen vermehrt in länger laufende Anleihen investieren würden, weshalb die Nachfrage hier zunehme und die Preise entsprechend steigen und damit die Renditen sinken würden. Dieses Anlegerverhalten zeige, dass die Markteilnehmer mehrheitlich keine weiteren Zinssteigerungen erwarten würden, was in der Regel der Aussicht auf eine wirtschaftliche Rezession verbunden sei.
Aktuell scheine der Markt genau dieses Szenario einzupreisen. So lägen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen mit 1,92 Prozent um 0,2 Prozentpunkte unter den Renditen für zweijährige Bundesanleihen. Beugels gehe davon aus, dass sich diese Inversion sogar nochmals leicht ausweite. Denn er rechne per Ende nächsten Jahres mit einer Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 2,1 Prozent, während die EZB ihre Leitzinsen noch etwas weiter auf bis 3 Prozent hochfahren dürfte.
Vor der gegenwärtigen Situation habe die deutsche Zinskurve zuletzt im November 1990 invertiert. Damals für fast 2 Jahre und bis zu einer Differenz von 1,3 Prozentpunkten. 1990 bis 1992 sei die inverse Zinskurve Vorbote der Rezession gewesen, die Deutschland dann im Jahr 1993 erfahren habe.
Sei die invertierte Zinskurve damit zwangsläufig eine schlechte Nachricht? Nein, denn die inverse Zinskurve könne nicht nur als Vorbote einer Rezession gewertet werden, sondern auch als Anzeichen eines Wendepunktes bei der Inflation. In den USA habe man in den vergangenen Monaten genau das beobachtet. Hier habe die Zinskurve bereits Anfang Juli dieses Jahres invertiert. Damit hätten die Marktteilnehmer relativ präzise die vorläufige Wende der Inflationsentwicklung in den USA vorweggenommen. Diese habe nämlich im Juni mit 9 Prozent ihren bisherigen Höhepunkt erreicht und sei nun seit 4 Monaten rückläufig (zuletzt 7,7 Prozent).
Die inverse Zinskurve könnte also diesmal eher ein Grund zum Aufatmen sein, vor allem für die inflationsgeplagten Verbraucher und industriellen Großeinkäufer. Denn eine vorübergehende Rezession sei für Wirtschaft und Bürger allemal besser zu verkraften als eine weiter anhaltend hohe Inflation.
Doch was bedeute die inverse Zinskurve für Anleger? Mit Blick auf die von der Zinssituation angezeigten Rezessionsrisiken erscheine es ratsam, Risiken in Unternehmensanleihen, hauptsächlich Hochzinsanleihen, zu reduzieren. Denn aufgrund der sich abschwächenden Bonität einzelner Unternehmen und zu erwartenden Ratingherabstufungen sei hier eine vorsichtigere Positionierung zu empfehlen.
Eine weitere Möglichkeit wäre eine Investition in langlaufende, sichere Anleihen. Denn sofern im Falle einer Rezession die langfristigen Zinsen aufgrund der Flucht in sichere Häfen tendenziell etwas sinken würden, könnten sie einen teilweisen Ausgleich zu sich schwächer entwickelnden Anlageklassen darstellen. Grund dafür sei, dass langlaufende Anleihen im Vergleich zu kürzeren stärker im Kurs steigen würden, wenn die Renditen fallen würden. Als Faustregel gelte, je kürzer die Laufzeit der Anleihen, desto geringer sei die Kursbewegung bei sich änderndem Zinsniveau. (29.11.2022/alc/a/a)
In der Vergangenheit sei dies häufig ein Vorbote eines wirtschaftlichen Abschwungs gewesen. Von einer inversen Zinskurve spreche man, wenn die Renditen länger laufender Anleihen, also etwa zehnjähriger Bundesanleihen, niedriger notieren würden als die Renditen kürzer laufender Anleihen, also beispielweise zweijähriger Bundesanleihen. Inverse Zinskurven würden signalisieren, dass Anleger trotz höherer kurzfristiger Zinsen vermehrt in länger laufende Anleihen investieren würden, weshalb die Nachfrage hier zunehme und die Preise entsprechend steigen und damit die Renditen sinken würden. Dieses Anlegerverhalten zeige, dass die Markteilnehmer mehrheitlich keine weiteren Zinssteigerungen erwarten würden, was in der Regel der Aussicht auf eine wirtschaftliche Rezession verbunden sei.
Aktuell scheine der Markt genau dieses Szenario einzupreisen. So lägen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen mit 1,92 Prozent um 0,2 Prozentpunkte unter den Renditen für zweijährige Bundesanleihen. Beugels gehe davon aus, dass sich diese Inversion sogar nochmals leicht ausweite. Denn er rechne per Ende nächsten Jahres mit einer Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 2,1 Prozent, während die EZB ihre Leitzinsen noch etwas weiter auf bis 3 Prozent hochfahren dürfte.
Sei die invertierte Zinskurve damit zwangsläufig eine schlechte Nachricht? Nein, denn die inverse Zinskurve könne nicht nur als Vorbote einer Rezession gewertet werden, sondern auch als Anzeichen eines Wendepunktes bei der Inflation. In den USA habe man in den vergangenen Monaten genau das beobachtet. Hier habe die Zinskurve bereits Anfang Juli dieses Jahres invertiert. Damit hätten die Marktteilnehmer relativ präzise die vorläufige Wende der Inflationsentwicklung in den USA vorweggenommen. Diese habe nämlich im Juni mit 9 Prozent ihren bisherigen Höhepunkt erreicht und sei nun seit 4 Monaten rückläufig (zuletzt 7,7 Prozent).
Die inverse Zinskurve könnte also diesmal eher ein Grund zum Aufatmen sein, vor allem für die inflationsgeplagten Verbraucher und industriellen Großeinkäufer. Denn eine vorübergehende Rezession sei für Wirtschaft und Bürger allemal besser zu verkraften als eine weiter anhaltend hohe Inflation.
Doch was bedeute die inverse Zinskurve für Anleger? Mit Blick auf die von der Zinssituation angezeigten Rezessionsrisiken erscheine es ratsam, Risiken in Unternehmensanleihen, hauptsächlich Hochzinsanleihen, zu reduzieren. Denn aufgrund der sich abschwächenden Bonität einzelner Unternehmen und zu erwartenden Ratingherabstufungen sei hier eine vorsichtigere Positionierung zu empfehlen.
Eine weitere Möglichkeit wäre eine Investition in langlaufende, sichere Anleihen. Denn sofern im Falle einer Rezession die langfristigen Zinsen aufgrund der Flucht in sichere Häfen tendenziell etwas sinken würden, könnten sie einen teilweisen Ausgleich zu sich schwächer entwickelnden Anlageklassen darstellen. Grund dafür sei, dass langlaufende Anleihen im Vergleich zu kürzeren stärker im Kurs steigen würden, wenn die Renditen fallen würden. Als Faustregel gelte, je kürzer die Laufzeit der Anleihen, desto geringer sei die Kursbewegung bei sich änderndem Zinsniveau. (29.11.2022/alc/a/a)


