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Internationale Notenbanken bleiben am Ball


18.06.14 11:16
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Die geldpolitischen Zeichen stehen auf Expansion, so die Experten von AXA Investment Managers.

Die US-amerikanische Notenbank FED habe zuletzt trotz der guten Konjunkturentwicklung in den USA ihre expansive Haltung bekräftigt, die Bank of England (BoE) halte sich trotz des Aufschwungs der heimischen Wirtschaft ebenfalls mit Zinserhöhungen zurück und die Europäische Zentralbank (EZB) habe sogar ein weiteres umfangreiches Maßnahmenpaket im Kampf gegen die hartnäckig niedrige Inflation in der Eurozone angekündigt.

Die Volkswirte von AXA Investment Managers hätten daher die Prognosen für den US-Leitzins nach unten revidiert. "Wir erwarten nun 0,75 Prozent Ende 2015 und 1,75 Prozent Ende 2016 - statt 1,0 Prozent und 2,0 Prozent", schreibe AXA-Chefvolkswirt, Eric Chaney in der aktuellen Researchpublikation "Investmentstrategie". Ihre Prognosen für die Entwicklung der Renditen wichtiger Anleihen zum Jahresende hätten Chaney und sein Team ebenfalls nach unten angepasst - von 3,2 Prozent auf 2,9 Prozent für zehnjährige US-Staatsanleihen und von 1,9 Prozent auf 1,7 Prozent für deutsche Bundesanleihen gleicher Laufzeit.

Seit Janet Yellen das Zepter vom früheren Notenbankpräsidenten Ben Bernanke übernommen habe, agiere die FED expansiver denn je, erkläre Chaney: "Eines der größten Risiken dieser Strategie besteht darin, die Zinsen zu lange zu niedrig zu lassen. Bei einem Inflationsanstieg wäre man dann zu aggressiven Zinserhöhungen gezwungen und würde damit die Anleihemärkte destabilisieren." Allerdings rechne er damit, dass die FED ihre Haltung in den nächsten Monaten etwas korrigieren und sich der vorsichtigeren Politik der BoE annähern werde.

Dagegen stehe die EZB inzwischen stärker unter Druck, da sich die annualisierte Inflationsrate im Mai weiter abgeschwächt habe und nun nur noch bei 0,5 Prozent liege. "Wir rechnen jetzt damit, dass die Inflation erst im September ihren Tiefststand erreichen und im Jahresdurchschnitt 2014 mit 0,5 Prozent die Konsenserwartung von 0,8 Prozent deutlich unterschreiten wird", so Chaney. Vor diesem Hintergrund sei das zuletzt angekündigte Maßnahmenpaket der EZB aus der Senkung des Leitzinses, der erstmaligen Festsetzung eines negativen Zinssatzes für Einlagen, längerfristigen Refinanzierungsgeschäften und Vorbereitungen für ein Wertpapierankaufprogramm keine Überraschung.

Die expansive Geldpolitik habe auch Folgen für Anleger: Chaney und sein Team würden dabei bleiben, Anleihen gegenüber Aktien unterzugewichten. "Das aktuelle Umfeld ist für Aktien unseres Erachtens günstig", erläutere der Chefvolkswirt. "Erstens bleibt die Geldpolitik wegen des geringen Inflationsdrucks expansiv. Vor allem aber dürfte eine Erholung der Weltwirtschaft den Unternehmen in den nächsten Quartalen bessere Gewinnaussichten bescheren."

Für interessant halte Chaney insbesondere zyklische Titel und Aktien von Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung. In den vergangenen Monaten habe auf den Aktienmärkten eine Rotation in Large Caps und defensive Aktien stattgefunden, sodass sich diese besser als Zykliker und Small Caps entwickelt hätten. Diese Rotation dürfte im Zuge der Konjunkturerholung jedoch zu einem Ende kommen, so Chaney: "Wir empfehlen daher, an zyklischen und niedrig kapitalisierten Aktien festzuhalten. Unsere Favoriten sind Small Caps aus dem Euroraum, deren wachstumsbereinigte Bewertungskennzahlen besser als die der US-amerikanischen und britischen Pendants sind." (18.06.2014/alc/a/a)