Inflationsängste zurück? Eurozone mit steigenden Erwartungen - EZB unter Druck


01.09.25 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Arbeitslosigkeit steigt: Nun ist es amtlich; erstmals seit Februar 2015 gibt es in Deutschland wieder mehr als drei Millionen Arbeitslose (3,025 Millionen), so die Analysten der NORD/LB in ihrer aktuellen Ausgabe von "NORD/LB am Morgen".

Mit einem absoluten Anstieg von 46.000 habe sich die Quote damit auf 6,4% (+0,1PP) erhöht. Als Ursache habe die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, die "wirtschaftliche Flaute der vergangenen Jahre" genannt.

Dabei würden die Reallöhne sogar zulegen: Mit dem neunten Quartalszuwachs in Folge hätten sich die Reallöhne der Deutschen in Q2/25 um durchschnittlich 1,9% erhöht. Trotzdem nehme die konjunkturelle Erholung nicht Fahrt auf. Was seien die Gründe? Jobsorgen würden die Konsumfreude dämpfen, hohe Sozialabgaben würden belasten. Dominik Groll (Experte am Kieler Institut für Weltwirtschaft) fasse es folgendermaßen zusammen: "Für die allermeisten Beschäftigten kommt hinzu, dass zu Jahresbeginn die Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stark gestiegen sind, sodass vom Plus bei den realen Bruttolöhnen netto in diesem Jahr kaum etwas übrigbleiben dürfte".

Branchenübergreifend habe es bei den nominalen Lohnzuwächsen dabei große Unterschiede gegeben. Hohe Steigerungen habe die Finanz- und Versicherungsdienstleister (+7,6%) sowie die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleister (+5,5%) verzeichnet. Im Sektor Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+2,7%) und Kunst, Unterhaltung und Erholung (ebenfalls +2,7%) sowie Verkehr und Lagerei (+1,7%) hätten sich die Zuwächse vergleichsweise niedrig entwickelt. In der Energieversorgung sei es sogar zu einem Rückgang von 0,2% gekommen.

Wie gehe es bei steigender Arbeitslosigkeit, anhaltender konjunktureller Flaute in Europas größter Volkswirtschaft und herausfordernden Reallohnentwicklungen weiter? Einer neuen Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge hätten die Verbraucher der Euro-Zone jedenfalls ihre Inflationserwartungen in diesem Umfeld auf mittlere Sicht sogar angehoben (2,5% auf Dreijahressicht). Auch das Statistische Bundesamt bestätige diese Entwicklung. Insbesondere bei Nahrungsmitteln mache sich die Teuerung bemerkbar. In NRW habe sich bspw. der Preis für Bohnenkaffee um 24,4%, für Apfelsaft um 14,2% und für Obst um durchschnittlich 9,6% erhöht.

Wochenausblick: Uns erwartet eine Woche mit vielen Handelsdaten, so die Analysten der NORD/LB. In der ersten Wochenhälfte dürften dabei besonders der Arbeitsmarktbericht und die Inflationsdaten der Eurozone interessieren. Bei den Preisdaten würden die Analysten der NORD/LB von einer geringen Wachstumsrate auf Monatsbasis ausgehen, während für den HVPI beim Jahreswert demnach die Preisniveaustabilität von 2,0% gelten sollte. Mittwoch stünden des Weiteren womöglich erfreuliche BIP-Zahlen aus Down Under an. US-seitig würden DI und DO die wichtigsten Einkaufsmanagerindices veröffentlicht. Außerdem stünden im Fokus der Washingtoner Geldpolitiker die Arbeitsmarktdaten, welche zuletzt erhebliche pers. Konsequenzen zur Folge gehabt hätten.

Am Staatsanleihen-Markt hätten die Anleger vor dem Wochenende leicht höhere Risikoprämien gefordert (und dies sowohl in den USA als auch in Europa). Das Inflationsgespenst scheine in der "alten Welt" noch nicht nachhaltig vertrieben zu sein. Überdies bleibt die Unsicherheit der politischen Zukunft unserer französischen Nachbarn und dessen Staatsschuldenhöhe, so die Analysten der NORD/LB. In den USA spiele die Musik indes bei der FED und den Spekulationen über zeitnahe Zinssenkungen. (01.09.2025/alc/a/a)