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Inflation wirkt wie eine Art Steuer - Welche Möglichkeiten hat die Bank of England?
27.09.22 15:00
BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Verhält sich Großbritannien wie ein Schwellenland, wie es zuletzt in einigen Kommentaren hieß? Zunächst: Das Vereinigte Königreich ist kein Schwellenland, denn diese haben ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen sowie ein geringes Nettovermögen - in Großbritannien liegt beides im oberen Bereich, so Kaspar Hense, Senior Portfolio Manager bei BlueBay Asset Management.
Allerdings habe das Vereinigte Königreich ein riesiges und wachsendes Zwillingsdefizit, also gleichzeitig ein Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit. Ein marktfreundliches und international offenes Investitionsumfeld könne ein Land in die Lage versetzen, sich ein konstantes Leistungsbilanzdefizit zu leisten, indem es ausländische Investitionen anziehe. Das sei den USA und dem Vereinigten Königreich jahrzehntelang gelungen. Allerdings sei dazu fiskalische Umsicht erforderlich.
Daher seien Glaubwürdigkeit und Vertrauen in das Pfund sowie eine langfristig produktivitätssteigernde Finanzpolitik entscheidend dafür, dass die Märkte ein hohes Leistungsbilanzdefizit akzeptieren würden.
Derzeit sei ein umfangreiches Fiskalprogramm erforderlich, um eine durch hohe Energiekosten und steigende Hypothekenzinsen ausgelöste Rezession zu vermeiden. Es sollte auf die Schwachstellen der Wirtschaft ausgerichtet sein. Leider gehe das britische "Mini-Budget" diese Probleme nicht angemessen an.
Inflation wirke wie eine Art Steuer
Die Inflation sei auch nur eine andere Art von Steuer, wobei die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ceteris paribus - also unter sonst gleichen Umständen - sinke und die nominalen Steuereinnahmen steigen würden. Aber irgendjemand müsse die Kosten tragen. BlueBay Asset Management denke nicht, dass die Haushalte mit niedrigem Einkommen derzeit dazu in der Lage seien.
Die hohe Inflation treffe die unteren Einkommensklassen bereits überproportional. Eine schwächere Währung werde die Teuerung, insbesondere bei Gütern und Lebensmitteln, noch weiter anheizen. Es bestehe die große Gefahr, dass Steuersenkungen für Personen mit höherem Einkommen im Inland ohnehin keinen nennenswerten fiskalischen Multiplikator haben würden. Das bedeute: Die prognostizierte Produktivität werde voraussichtlich sinken, während die Bedenken hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs zunehmen würden.
Welche Möglichkeiten habe die Bank of England?
Die Frage sei nun: Müsse die Bank of England (BoE) jetzt mit einer deutlichen Zinserhöhung eingreifen oder gebe es andere Möglichkeiten, um das Pfund zu stützen und das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen?
Nach Ansicht von BlueBay Asset Management sei es etwas unwahrscheinlicher, dass die BoE das Vertrauen schnell wiederherstellen könne. Denn damit würde sie die Steuerpolitik konterkarieren und der Markt für flexible Hypotheken könnte zu zerbrechen drohen. BlueBay Asset Management gehe daher davon aus, dass die derzeitige Schwäche des Pfunds anhalte und die Diskussion um die richtige Steuer- und Geldpolitik in den kommenden Wochen weitergehen werde.
Devisenmarktinterventionen sollten aus Sicht von BlueBay Asset Management nicht eingesetzt werden. Die BoE verfüge nicht über eine ausreichende Importdeckung: Mit nur rund 100 Milliarden US-Dollar an Währungsreserven und einem Leistungsbilanzdefizit von 8 Prozent wäre dies eine Einladung an den Markt, die Zentralbank zu testen. Die einzige Option in einer umfassenden Vertrauenskrise wäre eine deutliche Anhebung der Zinssätze oder eine Änderung des Haushaltsplans, um sicherzustellen, dass der künftige Finanzierungspfad glaubwürdig erscheine. (27.09.2022/alc/a/a)
Allerdings habe das Vereinigte Königreich ein riesiges und wachsendes Zwillingsdefizit, also gleichzeitig ein Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit. Ein marktfreundliches und international offenes Investitionsumfeld könne ein Land in die Lage versetzen, sich ein konstantes Leistungsbilanzdefizit zu leisten, indem es ausländische Investitionen anziehe. Das sei den USA und dem Vereinigten Königreich jahrzehntelang gelungen. Allerdings sei dazu fiskalische Umsicht erforderlich.
Daher seien Glaubwürdigkeit und Vertrauen in das Pfund sowie eine langfristig produktivitätssteigernde Finanzpolitik entscheidend dafür, dass die Märkte ein hohes Leistungsbilanzdefizit akzeptieren würden.
Derzeit sei ein umfangreiches Fiskalprogramm erforderlich, um eine durch hohe Energiekosten und steigende Hypothekenzinsen ausgelöste Rezession zu vermeiden. Es sollte auf die Schwachstellen der Wirtschaft ausgerichtet sein. Leider gehe das britische "Mini-Budget" diese Probleme nicht angemessen an.
Inflation wirke wie eine Art Steuer
Die hohe Inflation treffe die unteren Einkommensklassen bereits überproportional. Eine schwächere Währung werde die Teuerung, insbesondere bei Gütern und Lebensmitteln, noch weiter anheizen. Es bestehe die große Gefahr, dass Steuersenkungen für Personen mit höherem Einkommen im Inland ohnehin keinen nennenswerten fiskalischen Multiplikator haben würden. Das bedeute: Die prognostizierte Produktivität werde voraussichtlich sinken, während die Bedenken hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs zunehmen würden.
Welche Möglichkeiten habe die Bank of England?
Die Frage sei nun: Müsse die Bank of England (BoE) jetzt mit einer deutlichen Zinserhöhung eingreifen oder gebe es andere Möglichkeiten, um das Pfund zu stützen und das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen?
Nach Ansicht von BlueBay Asset Management sei es etwas unwahrscheinlicher, dass die BoE das Vertrauen schnell wiederherstellen könne. Denn damit würde sie die Steuerpolitik konterkarieren und der Markt für flexible Hypotheken könnte zu zerbrechen drohen. BlueBay Asset Management gehe daher davon aus, dass die derzeitige Schwäche des Pfunds anhalte und die Diskussion um die richtige Steuer- und Geldpolitik in den kommenden Wochen weitergehen werde.
Devisenmarktinterventionen sollten aus Sicht von BlueBay Asset Management nicht eingesetzt werden. Die BoE verfüge nicht über eine ausreichende Importdeckung: Mit nur rund 100 Milliarden US-Dollar an Währungsreserven und einem Leistungsbilanzdefizit von 8 Prozent wäre dies eine Einladung an den Markt, die Zentralbank zu testen. Die einzige Option in einer umfassenden Vertrauenskrise wäre eine deutliche Anhebung der Zinssätze oder eine Änderung des Haushaltsplans, um sicherzustellen, dass der künftige Finanzierungspfad glaubwürdig erscheine. (27.09.2022/alc/a/a)
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