Die Inflation erreicht die Schweiz - zumindest ein bisschen


22.08.22 11:17
BANTLEON AG

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der bisherige Erfolg der Schweiz, recht glimpflich durch den globalen Inflationsschub gekommen zu sein, ist in einem geringen Ausmaß reiner Zufall (Strompreise), geht zum größten Teil jedoch auf strukturelle Faktoren zurück (Wechselkurs, Konsumstruktur), so Jörg Angelé, Senior Economist bei der BANTLEON AG.

Aus diesem Grund würden die Experten der BANTLEON AG davon ausgehen, dass die Verbraucherpreise auch in Zukunft merklich langsamer steigen würden als in der Eurozone.

Allerdings müssten sich nach Einschätzung der Experten der BANTLEON AG auch die Schweizer Konsumenten mit dauerhaft höheren Inflationsraten anfreunden, als in der Vergangenheit. Eine Rückkehr der Nullinflationsphase der Jahre 2009 bis 2021 würden die Experten der BANTLEON AG für wenig wahrscheinlich halten. Auch die Schweiz könne sich globalen Phänomenen wie dem zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangel, strukturell höheren Rohstoff- und Energiekosten sowie steigenden Produktionskosten infolge der Deglobalisierung nicht entziehen. Die Teuerungsrate dürfte sich daher nach 2023 auf einem deutlich höheren Niveau einpendeln, als es in den vergangenen 13 Jahren der Fall gewesen sei. Die Experten der BANTLEON AG würden Werte von gut 1,0% für realistisch halten.

Für die schweizerische Nationalbank (SNB) bedeute das einerseits, dass sie die Leitzinsen angesichts der zunächst hohen Inflationsraten in den kommenden Monaten um weitere 75 Bp anheben dürfte (50 Bp im September, 25 Bp im Dezember). Weitere Zinsanhebungen über diese gewünschte Normalisierung hinaus müsse die SNB angesichts der relativ günstigen Inflationsaussichten zunächst jedoch nicht vornehmen, zumal sich die Konjunktur im Winterhalbjahr 2022/2023 auch in der Schweiz spürbar eintrüben werde.

Mittel- bis langfristig werde die Notenbank den Leitzinssatz nach Einschätzung der Experten der BANTLEON AG jedoch in Richtung des neutralen Leitzinses anheben, den sie bei etwa 1,5% verorten würden. Auch hierin spiegele sich wider, dass die Deflationszeiten vorbei seien. (Ausgabe vom 18.08.2022) (22.08.2022/alc/a/a)