Inflation: Noch keine echte Entwarnung


17.04.23 12:45
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche herrschte an den Kapitalmärkten nachösterliche Ruhe, so die Analysten der DekaBank.

Die Turbulenzen im Bankensektor seien offenbar erst einmal vorüber. Vor diesem friedlichen wirtschaftlichen Hintergrund seien die Notierungen an den Aktienmärkten gestiegen. Und das, obwohl der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner neuesten Konjunkturprognose gewarnt habe, dass die Weltwirtschaft vor einer schwierigen Phase stehe. Die Inflationsbekämpfung führe zu höheren Zinsen und belaste damit das weltweite Wachstum. Mit einer Wachstumsprognose für 2023 von nur 2,8% habe der IWF alles andere als ein rosiges Bild für die Weltwirtschaft gemalt. Das Risiko weiterer Ungleichgewichten im Finanzsektor sei gestiegen.

Auch von der Inflationsbaustelle habe es keine echte Entwarnung gegeben. In den USA sei zwar die Inflationsrate weiter zurückgegangen. Mittlerweile habe sich jedoch herumgesprochen, dass dies im Wesentlichen durch die rückläufigen Energiepreise verursacht werde. Zwar seien die Energiepreise auch am Ausgangspunkt der Inflationsbewegung im vergangenen Jahr gestanden, aber mittlerweile habe sich hieraus ein breiterer Inflationsprozess entwickelt. Diese Welle von anhaltenden Preissteigerungen, etwa im Dienstleistungssektor, sei noch nicht gebrochen. Insofern überrasche es, dass an den Zinsmärkten für die US-Notenbank FED bereits Ende 2023 erste Leitzinssenkungen erwartet würden. Doch diese könne die FED höchstens dann liefern, wenn die US-Wirtschaft schnell in eine deutliche Rezession abrutsche. Mehrere andere Zentralbanken hätten geäußert, dass ihre Leitzinsen angesichts hartnäckiger Kerninflationsraten in den kommenden Monaten noch weiter ansteigen müssten. Bei solch unterschiedlichen Einschätzungen würden wohl entweder die Notenbanken oder viele Marktteilnehmer ihre Erwartungen hinsichtlich der Leitzinsentwicklung korrigieren müssen. (17.04.2023/alc/a/a)