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Indien: Der Notenbank sind die Hände gebunden


23.01.18 16:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Indiens Aktienmarkt ist seit Jahren einer der Lieblinge internationaler Investoren, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Im Gegensatz zum Vorjahr habe er 2017 kräftig zugelegt, um über 30%. Dabei seien die volkswirtschaftlichen Nachrichten bestenfalls gemischt gewesen. Das Wirtschaftswachstum habe sich spürbar abgeschwächt, nachdem die Währungsreform und eine große Steuerreform Schockwellen durch die Volkswirtschaft gesandt hätten. Die Inflation habe angezogen und zuletzt über den Erwartungen gelegen, was der Notenbank derzeit die Hände für etwaige weitere Zinssenkungen binde. Die Regierung habe ihr Budgetziel deutlich verfehlt und habe im Dezember zusätzliche Mittel auf den Kapitalmärkten aufnehmen müssen.

Ihre Versprechungen bezüglich Wirtschaftswachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen habe sie bislang noch nicht einhalten können. Auf der Habenseite stünden aber wirtschaftliche Reformen (nicht nur im Steuersystem), die sich langfristig positiv auf Indiens Volkswirtschaft auswirken dürften und die auch zur jüngst erfolgten Heraufstufung der indischen Bonität beigetragen hätten. Die Regierung gehe jetzt auch die Gesundung des angeschlagenen Bankensystems an. Innenpolitisch sitze Premier Modi derzeit fest im Sattel und es spreche alles dafür, dass er bei den für 2019 angesetzten Wahlen im Amt bestätigt werde. Für Investoren seien das gute Aussichten, denn die Liberalisierungs- und Reformpolitik dürfte sich damit fortsetzen. Allerdings gebe es auch Schattenseiten.

Die Modi-Regierung habe bislang wenig getan, um die schon seit Jahrzehnten fortschreitende Erosion der demokratischen Institutionen in Indien zu stoppen. Im Gegenteil, sie befördere mit einer stark hindu-nationalistischen Rhetorik und Politik die Polarisierung und Radikalisierung der Gesellschaft. Die verfassungsrechtlich festgeschriebene säkulare Ausrichtung des Landes drohe ausgehöhlt zu werden, und gegenüber Pakistan setze man bislang eher auf Eskalation statt auf Verständigung. Da dies alles keine unmittelbaren Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne habe, spiele es für die meisten Investoren derzeit keine Rolle. Langfristig erwachse daraus aber ein Potenzial für zunehmende innen- und außenpolitische Risiken.

Die Experten von RCM sehen Indien dennoch weiterhin positiv und schätzen das Land trotz der höheren Aktienbewertungen unverändert als eines der langfristig aussichtsreichsten Schwellenländer ein. (Ausgabe Januar 2018) (23.01.2018/alc/a/a)