Hohe Schuldnerqualität und Renditen sprechen für Corporate Hybrids


25.08.23 12:00
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Anlageklasse der Corporate Hybrids, Nachranganleihen von Nicht-Finanzunternehmen, ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen und besticht durch die hohe Kreditwürdigkeit der Schuldner, so Hagen Fuchs, Co-Manager des Swisscanto (LU) Bond Fund Responsible Corporate Hybrid (ISIN LU2511502226/ WKN A3DTDT) und Experte von Swisscanto.

Denn es seien überwiegend europäische Top-Unternehmen mit entsprechend guter Bonität im Investment-Grade Bereich, die Corporate Hybrids begeben würden. Als Beispiele seien hier VW, Total, Iberdrola, oder Vodafone zu nennen. Die Anleihen selbst würden aufgrund der Nachrangstruktur von den Ratingagenturen zwei Stufen tiefer geratet. Wichtig: Die Ausfallwahrscheinlichkeit von Nachrang- und Senior Unsecured Anleihen sei identisch. Prinzipiell würden Gläubiger im Nachrang im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz erst nach den besicherten und unbesicherten Verbindlichkeiten ausbezahlt.

Momentan notiere die Zusatzrendite von Corporate Hybrids gegenüber Senior Unsecured Anleihen bei 2,4 Prozent und liege damit über dem langfristigen Mittelwert. Entsprechend biete das Segment aktuell eine attraktive Prämie. Dank der deutlich höheren Renditen und geringen Ausfallrisiken bei den bonitätsstarken Unternehmen seien Corporate Hybrids eine sehr interessante Alternative. Übrigens auch gegenüber Hochzinsanleihen, deren Universum eine deutlich tiefere Emittenten-Qualität im Non-Investment Grade Bereich aufweise. Nach Währungsabsicherung in EUR hätten Corporate Hybrids seit 2011 eine annualisierte Performance von 4,3 Prozent erzielt, während globale Hochzinsanleihen und Unternehmensanleihen 3,8 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent erwirtschaftet hätten.

Innerhalb des Anlagesegments sehe Fuchs aktuell einen zweigeteilten Markt. Wenig überraschend seien auch hier die Immobilienunternehmen das Sorgenkind. Nachranganleihen einiger dieser Unternehmen würden, im Gegensatz zu Papieren des restlichen Markts, mit einem Abschlag von 50 bis 60 Prozent notieren, da die Anleger nicht von einer Rückzahlung zum ersten Kündigungstermin ausgehen würden. Die Verlustrisiken bei den REITs seien somit größtenteils eingepreist, so dass hier kein weiteres Ungemach für die Anlageklasse zu erwarten sei. Fuchs sei bei Corporate Hybrids positiv gestimmt für das Schlussdrittel des Jahres, sehe aber auch Risiken.

Zum einen könnte eine unerwartet starke Anhebung der Leitzinsen seitens der EZB und die damit einhergehende Zinsvolatilität das Segment belasten, wenn auch weniger stark als breiter ausgerichtete Anleihen-Fonds, die typischerweise eine doppelt so hohe Zinssensitivität aufweisen würden. Dieser Effekt habe bereits seit Anfang des Jahres beobachtet werden können. So generierte unser Corporate Hybrids Portfolio eine Performance von 4,5 Prozent im Vergleich zu 0,1 Prozent bei Globalen Unternehmensanleihen, so der Experte von Swisscanto. Zum anderen könnte eine stärkere Rezession zu einem Preisrückgang bei Nachranganleihen führen. Dank der defensiven Sektor-Ausrichtung und der starken Bonität der vertretenden Schuldner dürften Corporate Hybrids aber besser performen als Anleihen von Schuldnern mit tieferer Kreditwürdigkeit.

Fuchs halte auf Jahressicht eine Performance von rund sechs Prozent für möglich. Das Portfolio seines Corporate Hybrid-Fonds weise derzeit eine Rendite von 6,6 Prozent aus. Für Investoren mit mittelfristigem Anlagehorizont biete sich aktuell eine interessante Einstiegsmöglichkeit. Als technische Unterstützung für den Markt erweise sich das knappe Angebot aufgrund des niedrigen Volumens der Neuemissionen, welches im Jahr 2022 und 2023 rund zwei Drittel unter dem Niveau der vergangenen Jahre bleibe. Auch die Tatsache, dass die Emittenten trotz hohen Refinanzierungskosten ihre Call-Rechte beim ersten Call-Datum wahrnehmen würden, stütze das Vertrauen der Investorinnen und Investoren in die Anlagekategorie. Alles in allem sei vorsichtiger Optimismus für Nachranganleihen angebracht, auch da die laufende Rendite einen komfortablen Puffer gegen allfällige Spread-Ausweitungen biete. (25.08.2023/alc/a/a)