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Hochzinsanleihen 2022 - Ein Blick unter die Motorhaube


16.12.21 11:14
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Seit den düsteren Anfangstagen 2020 bis Ende 2021 war es ein langer Weg, so Tom Ross, Corporate Credit Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

In dieser Zeit seien Credit Spreads (die zusätzliche Rendite einer Unternehmensanleihe gegenüber einer gleichwertigen Staatsanleihe) von den Höchstständen des Jahrzehnts zurückgegangen. Das geldpolitische Umfeld sei durchweg positiv gewesen, da die niedrigen Zinssätze und die Programme zum Ankauf von Vermögenswerten dazu beigetragen hätten, die Finanzierungskosten auf einem niedrigen Niveau zu halten. Gleichzeitig seien die Finanzierungsbedingungen im Großen und Ganzen günstig gewesen, da die Wirtschaft sich erholt habe und die Unternehmen angesichts besserer Cashflows versucht hätten, ihren hohen Verschuldungsgrad zu reduzieren. Im Jahr 2022 werde der politische Rückenwind spürbar nachlassen, und die individuelle Kreditentwicklung werde sich stärker auf die Gesamtrendite auswirken.

Die Zentralbanken hätten bereits signalisiert, dass sie zu einer strafferen Geldpolitik übergehen würden, auch wenn der Verlauf durch möglicherweise bedenkliche Corona-Varianten beeinflusst werden könnte. Die Experten würden mit einer Marktvolatilität in der ersten Jahreshälfte 2022 rechnen, die durch Inflationsängste ausgelöst werde. Die Inflation könnte im Laufe des Jahres 2022 nachlassen, sofern die Lieferketten wieder funktionieren würden und die disinflationären demografischen und technischen Faktoren sich durchsetzen würden. Dies sollte dazu beitragen den Umfang der Zinserhöhungen zu begrenzen. Bisher hätten Hochzinsanleihen in einem inflationären Umfeld besser abgeschnitten als Investment-Grade-Anleihen. Die Experten würden davon ausgehen, dass dies auch weiterhin der Fall sein werde, seien sich aber bewusst, dass die Anfangsrenditen und Credit Spreads relativ niedrig seien. Ein Schwerpunkt sei für die Experten die Unterscheidung zwischen Unternehmen, die höhere Kosten weitergeben könnten und solchen, die Margeneinbußen erleiden könnten.

Das besondere Augenmerk der Experten gelte dem Crossover-Bereich - dem Credit-Rating-Bereich, der zwischen Investment Grade und High Yield liege. Oft eine Ursache für Preisineffizienz, würden die Experten weitere Unternehmen in diesem Bereich reif für den Übergang von High-Yield- zu Investment-Grade-Anleihen halten - darunter auch einige Emittenten, die 2020 auf dem Höhepunkt der Pandemie herabgestuft worden seien. Die Differenz zwischen dem Spread einer mit BB bewerteten Hochzinsanleihe und einer mit BBB bewerteten Investment-Grade-Anleihe sei nach wie vor hoch und biete das Potenzial für eine Spread-Verengung, da bestimmte Emittenten schrittweise hochgestuft würden. Das Spread-Verhältnis (Division der BB-Spreads durch die BBB-Spreads) liege in der Tat nahe einem Zehnjahreshoch, was auf einen stärkeren Relativwert bei BB-Anleihen hinweise.

Obwohl wir davon ausgehen, dass wir uns immer noch in der Mitte des Zyklus befinden, sind die Credit Spreads, selbst unter Berücksichtigung der Ende 2021 erfolgten Ausweitung, näher an das Niveau des späten Zyklus herangerückt, so die Experten von Janus Henderson Investors. Bei den Emittenten mache sich ein gewisses Fehlverhalten bemerkbar, und die Verschuldung werde erneut zur Finanzierung von Übernahmen genutzt. Gleichzeitig habe sich die Qualität der Covenants (Bedingungen, die mit den Schulden verbunden seien, wie z.B. eine Erhöhung der Kuponzahlungen für eine Anleihe, wenn ein Unternehmen bestimmte Finanzkennzahlen nicht einhalte) verschlechtert. Dies geschehe häufig, wenn Anleiheemittenten und Anleger zuversichtlicher seien. Man müsse jedoch darauf achten, dass die Renditen und Konditionen ein angemessenes Verhältnis zu den Risiken widerspiegeln würden, weshalb eine strenge Kreditanalyse 2022 noch wichtiger sein werde.

Die Experten würden damit rechnen, dass Unternehmen versuchen würden, sich zu refinanzieren, solange die Renditen noch relativ niedrig seien, insbesondere um teurere Anleihen zu ersetzen, die auf dem Höhepunkt der Pandemie ausgegeben worden seien. Die sehr niedrige Ausfallrate dürfte weiterhin bestehen bleiben. Sofern es nicht zu neuen strengen Lockdowns komme, wären die Experten angesichts der anhaltenden Erholung der Weltwirtschaft überrascht, wenn die globale Ausfallrate für Hochzinsanleihen im Jahr 2022 über 3% liegen würde, was selbst dann noch deutlich unter dem 20-Jahres-Durchschnitt von fast 4% läge. Der chinesische Immobiliensektor könnte eine Quelle der Volatilität bleiben, da die Märkte abwarten würden, wie streng die Regierung die Verschuldung begrenzen werde. Die Experten seien nach wie vor der Ansicht, dass die USA als Region insgesamt die günstigste Kombination aus Renditen und robustem inländischem Wirtschaftswachstum bieten würden, auch wenn die Spreads in Europa nach der jüngsten Ausweitung zunehmend attraktiv erscheinen würden.

Auch wenn die COP26-Klimakonferenz hinter uns liegt, ist der Weg zu einer nachhaltigeren Welt weiterhin offensichtlich, so die Experten von Janus Henderson Investors. Die Experten würden davon ausgehen, dass nachhaltige Anleihen beliebt bleiben würden, sowohl bei Emittenten, die ihre Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG) verbessern möchten, als auch bei Anlegern, die ihr Kapital in Unternehmen investieren möchten, denen diese Aspekte wichtig seien. Die Experten seien der Ansicht, dass Nachhaltigkeit ein langfristiges Finanzthema sei und Unternehmen, die auf ESG achten würden, wahrscheinlich von niedrigeren Kapitalkosten profitieren würden.

Letztendlich gehen die Experten von Janus Henderson Investors davon aus, dass die negativen Realrenditen in weiten Teilen des Fixed-Income-Marktes die Anleger weiterhin in höher rentierliche Marktsegmente drängen werden. Die Bewertungen würden die positive Einschätzung der Experten einschränken, da die starke Nachfrage nach Hochzinsanleihen bedeute, dass sie nicht mehr preiswert seien. Dies mache den Markt anfällig für Phasen erhöhter Volatilität, obwohl die Experten diese als potenzielle Kaufgelegenheiten betrachten würden. (16.12.2021/alc/a/a)