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High Yield: Signale eines sich wandelnden Marktes entschlüsseln


19.02.26 13:20
Barings

Boston (www.anleihencheck.de) - Eine selektive Positionierung ist bei hochverzinslichen Anleihen im Jahr 2026 unerlässlich, so Scott Roth, CFA (Head of Global High Yield) und Chris Sawyer (Head of European High Yield) von Barings.

Angesichts knapper Bewertungen, sich verändernder technischer Faktoren und eines ungleichmäßigeren makroökonomischen Umfelds wäre eine solche Positionierung trotz des vielversprechenden Starts von Hochzinsanleihen in diesem Jahr unerlässlich. Auch aktives Management und regionale Differenzierung wären jetzt wichtiger denn je.

Die globalen Rentenmärkte würden zu Jahresbeginn auf eine weitgehend stabile Konjunkturdynamik, jedoch gemischte makroökonomische Signale blicken.

In den USA würden eine entschlossenere Fiskalpolitik, Deregulierungsmaßnahmen und weiterhin unterstützende geldpolitische Bedingungen dazu beitragen, dass die Wirtschaft weiterhin die Erwartungen übertreffe.

Weltweit würden die Zinsen divergieren: In mehreren Industrieländern - insbesondere in Europa - seien die Renditen auf zyklische Höchststände geklettert, während die US-Renditen zum Jahresende unter dem Niveau vieler internationaler Pendants gelegen hätten.
Politische und geopolitische Gegenströmungen würden weiterhin für Unsicherheit und gelegentliche Volatilität sorgen. Dies würde sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringen.

Vor diesem Hintergrund hätten Hochzinsanleihen und Loans zwar gute Renditen erzielt, aber ihr Spielraum für weitere Kurssteigerungen dürfte begrenzt sein. Regionale Unterschiede würden weiterhin eine wichtige Rolle spielen: Die Inflation in Europa scheine besser unter Kontrolle zu sein, die politischen Reaktionen würden variieren und die relativen Werte würden sich weiter verschieben. Mit Blick auf die Zukunft würde die Priorität für Anleger darin liegen, Erträge mit einer sorgfältigen Beobachtung der makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen in Einklang zu bringen.

Fundamentaldaten: Kreditqualität und sektorale Unterschiede

Die Kreditqualität im High-Yield-Segment würde weitgehend stabil bleiben. Die Emittenten wären diszipliniert, die Verschuldung wäre überschaubar und die Gewinnentwicklung würde sich in allen Sektoren verbessern – nicht nur bei den großen Technologieunternehmen. Die Unterschiede zwischen den Sektoren wären jedoch nach wie vor erheblich.

USA: Baustoffe und Chemikalien würden sich anhaltenden Gegenwinden ausgesetzt sehen, wobei Chemikalien durch das weltweite Überangebot und den Margendruck belastet würden.

Europa: Baustoffe würden von ersten positiven Impulsen durch die Bautätigkeit und fiskalische Initiativen profitieren, während Chemieproduzenten weiterhin mit höheren Inputkosten und der Konkurrenz durch kostengünstigere Exporteure zu kämpfen hätten.

In beiden Regionen wäre der Energiesektor stärker als in früheren Zyklen, mit gesünderen Bilanzen und verbesserten Ratings. Dennoch würden die Volatilität der Ölpreise und das reichliche Angebot zur Vorsicht mahnen.


Angesichts dieser Situation würden die Ausfälle begrenzt bleiben, würden sich jedoch auf Emittenten mit niedrigeren Ratings konzentrieren. Folglich würde die Auswahl der Wertpapiere von entscheidender Bedeutung sein, wenn der Druck in Teilen des CCC- und Single-B-Segments zunehmen würde.

Technische Faktoren: Verschiebung der Angebots- und Nachfragedynamik

Die markttechnischen Faktoren würden sich im Wandel befinden, da die Erwartungen hinsichtlich einer verstärkten M&A-Aktivität nach einer Phase knapper Angebote auf eine Zunahme der Neuemissionen hindeuten würden. Dies könnte das bislang emittentenfreundliche Umfeld wieder ins Gleichgewicht bringen. Bei Loans wäre der Druck in den Segmenten mit niedrigerem Rating am stärksten. Neubewertungen und Neuausrichtungen auf dem CLO-Markt hätten zu anhaltenden Verkäufen selbst leicht gestresster Titel geführt und einige Single-B- und CCC-Titel auf ein Niveau gedrückt, das durch die Fundamentaldaten nicht vollständig zu erklären sei. Strukturbedingte Obergrenzen für die Allokation von CCC-gerateten Loans innerhalb von CLOs würden potenzielle Chancen schaffen, wenn technische Faktoren und nicht eine Verschlechterung der Bonität für die Schwäche verantwortlich wären.

Über den gesamten Markt wären die Spreads eng, was das Aufwärtspotenzial der Preise begrenzen würde. Die Anleger würden selektiver werden und würden sich auf die Nachhaltigkeit der Erträge, Kreditresilienz und klare Katalysatoren konzentrieren. Angesichts der erwarteten Zunahme der Emissionen und der nach wie vor starken CLO-Aktivität könnten sich die technischen Faktoren im Laufe des Jahres normalisieren - oder etwas schwieriger werden.

Wo wir Chancen sehen

Chancen würden sehr selektiv bleiben und würden eher von individuellen Konstellationen als von allgemeinen Trends bestimmt werden.

Loans:

Bestimmte diskontierte schwächere Single-B- und CCC-Anleihen würden attraktiv erscheinen, wenn Preisrückgänge eher auf technischen Druck als auf sich verschlechternde Fundamentaldaten zurückzuführen wären.

Mit nachlassendem Verkaufsdruck könnten Emittenten mit stabilem Cashflow und verbesserter Bilanzsichtbarkeit eine Erholung erleben, unterstützt durch die Seniorität und die variable Verzinsung dieser Anlageklasse.

Anleihen:

Diskontierte kurzfristige Kredite und hochwertigere BB-Anleihen würden dauerhafte Erträge bieten, wobei die Abschläge häufig die potenzielle Dynamik einer vorzeitigen Refinanzierung ("Pull to Par") widerspiegeln würden, insbesondere auf dem US-Markt.

Ausgewählte Single-B- und CCC-Anleihen mit unternehmensspezifischen Katalysatoren – wie Refinanzierung, Bilanzmaßnahmen oder Übernahmepotenzial – könnten Wertpotenzial freisetzen.
Eine moderate Duration würde dazu beitragen, die Zinssensitivität zu dämpfen und gleichzeitig Carry zu erzielen.

CCC-Anleihen würden etwa 12% des Index ausmachen, würden jedoch fast ein Viertel des gesamten Spreads beitragen. Das würde bedeuten, dass sie mehr zu den Index-Spreads beitragen würden, als ihr Marktanteil vermuten lasse, und mehr als sie es historisch getan hätten. Da das Wachstum robust bleiben würde, könnten sich die Erwartungen an Zinssenkungen weiter nach unten verschieben - was die Kreditfundamentaldaten stützen und den Handlungsspielraum für niedriger bewertete Emittenten verlängern würde.

Regionale Schwerpunkte:

Europa: Ausgewählte Kredite, die von fiskalischen Impulsen profitieren könnten, beispielsweise solche im Zusammenhang mit der sich abzeichnenden Belebung der Bautätigkeit, könnten künftig Chancen bieten.

USA: Eine Mischung aus höherwertigen Carry-Geschäften und gezielten Engagements in Sektoren, die von steigenden Gewinnen profitieren würden, sowie ein nach wie vor robustes wirtschaftliches Umfeld würden attraktiv bleiben.

Über alle Märkte hinweg wäre der Schwerpunkt klar: Der Fokus würde auf tragfähigen Entschuldungsplänen, konsistenten Cashflows und klar erkennbaren Katalysatoren liegen.
Fokus auf gezielte Auswahl von Emittenten

High Yield würde das Jahr auf einer stabilen Basis starten, doch der Weg nach vorne wäre differenzierter. Chancen würden bestehen, gestützt durch breites Gewinnwachstum, steigende M&A-Aktivitäten, ausgewählte Dislokationen und eine US-Wirtschaft, die weiterhin die Erwartungen übertreffe. Doch die Bewertungen wären hoch, und das makroökonomische Umfeld würde sich weiterhin verändern.

In diesem Umfeld würde die Performance weniger von der allgemeinen Marktbewegung abhängen, sondern vielmehr von der selektiven Auswahl des Kreditengagements. Die Identifizierung von Emittenten mit verbesserten Fundamentaldaten und klaren Werttreibern würde entscheidend sein, um gezielte Aufwärtschancen sowohl bei Anleihen als auch bei Loans zu nutzen. (19.02.2026/alc/a/a)