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High-Yield-Markt trotz Unsicherheiten - Ausblick 2. Jahreshälfte 2025


23.06.25 13:00
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Trotz geopolitischer Unsicherheiten und Trumps zwischenzeitlicher Zoll-Eskapaden bleibt der High-Yield-Markt stabil, so Gerrit Bahlo, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management.

Überzeugende Fundamentaldaten, geringe Ausfallraten und historisch niedrige Duration würden für attraktive Rahmenbedingungen sorgen.

US-Präsident Donald Trump habe mit seiner Zollpolitik die Märkte zwischenzeitlich immer wieder durcheinandergewirbelt, aber inzwischen sei klar: Nachhaltig hätten seine Eskapaden die globalen Börsen bisher kaum beeinflusst. Die weltweiten Handels- und Kapitalströme würden sich nicht ohne weiteres abschneiden lassen und die politischen Folgen in der Heimat dürften für Trump erheblich sein, wenn er es mit der Brechstange versuche.

Entsprechend habe sich auch der High-Yield-Markt nach einer kurzen volatilen Phase wieder gefangen. Das würden die gesunden Fundamentaldaten bestätigen. Nach wie vor liege die Nettoverschuldung in diesem Marktsegment im Schnitt bei dem Vierfachen des EBITDA, also des Gewinns vor Steuern und sonstigen Abzügen. Einige Unternehmen würden aufgrund der Unsicherheit vorsichtiger in die Zukunft blicken. Die Bilanzen aber würden gut bleiben und die niedrigen Credit Spreads würden dies widerspiegeln. Insgesamt würden sich die Spreads im langfristigen Mittel bewegen, ohne besonders teuer (oder auch besonders attraktiv) zu sein.

Die Duration im High-Yield-Markt sei historisch niedrig. Während nach der Finanzkrise Werte von 4 oder 4,5 Jahren üblich gewesen seien, liege sie derzeit bei circa 3 Jahren. Wobei die Duration im Zusammenhang mit den Spreads zu sehen sei, denn je länger Geld verliehen werde, desto höher seien bekanntlich die Risikoaufschläge. Insgesamt sehe Bahlo daher eine faire Bewertung der Credit Spreads unter Berücksichtigung der niedrigen Duration im Markt.

Gleiches gelte für das technische Umfeld. Bezogen auf Kapitalzuflüsse, -abflüsse und Neuemissionen gebe es netto ein leicht negatives Angebot, oder anders gesagt: Die Nachfrage sei größer als das Angebot, was die Assetklasse zusätzlich stütze.

High Yield biete darüber hinaus weiterhin eine attraktive Ablaufrendite von rund 7 Prozent per annum gerechnet in US-Dollar. In Euro seien Kosten für die Währungsabsicherung von aktuell rund 2,4 Prozent zu berücksichtigen. Das tue der Attraktivität der Assetklasse allerdings keinen Abbruch und es biete sich eine leichte Übergewichtung in Euro an.

Auf Rating-Ebene zeige sich, dass B-Anleihen etwas attraktiver handeln würden als BB-Anleihen. Das möge daran liegen, dass die Ausfallraten derzeit knapp unter 4 Prozent liegen würden, also nach wie vor unter dem langfristigen Mittel am High-Yield-Markt und zuletzt auch wieder rückläufig seien. Das sogenannte Distressed Ratio, also den Anteil der Anleihen, die mit einem Spread von 1.000 Basispunkten oder mehr gehandelt würden, sei ebenfalls rückläufig. Daher erwarte Bahlo bei der Entwicklung der Ausfallraten keine größeren Veränderungen - außer im Falle überraschender, neu auftretender Verwerfungen an den Märkten, die natürlich nie ganz auszuschließen seien. Bis zu einem gewissen Grad seien diese Risiken bei den jeweiligen Emissionen eingepreist und so dürften High-Yield-Anleihen auch im zweiten Halbjahr ein lohnendes Anlageziel sein. (23.06.2025/alc/a/a)