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High Yield Bonds bleiben derzeit favorisiert
20.01.14 12:56
Robeco Deutschland
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Fallende Preise hatten die 1990er Jahre in Japan zu einem "verlorenen" Jahrzehnt gemacht, so die Experten von Robeco Deutschland.
Das Risiko einer Deflation sei potenziell ein Problem, da Verbraucher bei fallenden Preisen mit dem Kauf von Gütern warten würden, in der Annahme, dass diese noch billiger würden. Dadurch bestehe die Möglichkeit, dass das Wirtschaftswachstum gebremst werde und zur Deflation ein rezessives Umfeld hinzukomme.
Für Léon Cornelissen, Chefvolkswirt von Robeco, würden aktuell jedoch verschiedene Gründe gegen eine lang anhaltende Deflation in der Eurozone sprechen, die der in Japan ähnele: "Der wirtschaftliche Aufschwung, die Entschlossenheit der politisch Verantwortlichen und eine gänzlich andere Kultur sind drei Faktoren, die zusammen eine Deflation in der Eurozone äußerst unwahrscheinlich machen", so der Ökonom in seinem aktuellen Ausblick für Anleger.
"Zudem gibt es in den südlichen Peripherieländern einen Aufschwung. Deshalb ist es schwer vorstellbar, wie eine sich beschleunigende europäische Wirtschaft in eine Deflationsfalle tappen sollte."
Ironischerweise sei das Deflationsrisiko weitgehend auf den Erfolg des Euros in der letzten Zeit zurückzuführen: Der Euro habe seit Mitte 2012 gegenüber anderen wichtigen Währungen um fast 13 Prozent aufgewertet. Zweifellos würden sich die Hinweise auf eine Deflation verdichten.
So gehe aus Zahlen vom 7. Januar hervor, dass die auf das Jahr hochgerechnete Teuerungsrate nach 0,9 Prozent (November 2013) auf 0,8 Prozent (Dezember 2013) zurückgegangen sei. Die Kerninflationsrate sei im Dezember auf einen Rekordtiefstand von 0,7 Prozent gefallen, was auf einen langsameren Preisanstieg (Inflationsrückgang) und nicht auf eine gefährlichere Deflation hinweise, bei der die Preise tatsächlich fallen würden.
"Auch wenn einige Beobachter anmerken, Europas Aufschwung würde sich noch nicht selbst tragen und ein Rückfall in eine Rezession wäre angesichts der anhaltenden Sparmaßnahmen wahrscheinlich - dem ist nicht so", entgegne Cornelissen. "Wahrscheinlicher ist, dass die Zielvorgaben für die Rückführung der Haushaltsdefizite und den Schuldenabbau erneut verschoben werden, bis die Volkswirtschaften der Eurozone wieder ganz auf dem richtigen Kurs sind."
Ein weiterer Aspekt sei die Entschlossenheit der Politik und der Aufsichtsbehörden. "EZB-Präsident Mario Draghi hat deutlich gemacht, dass er die Deflationsrisiken erkannt hat und bereit ist, gegen sie vorzugehen", so Cornelissen. Die Inflationsrate liege bereits deutlich unter der Zwei-Prozent-Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) und Draghi habe betont, dass diese nicht dauerhaft unter ein Prozent "und damit in die 'Gefahrenzone' absinken darf."
Cornelissen weiter: "Da sich die Zinssätze in der Eurozone auf null zubewegen, ist dies ein klares Signal für die Bereitschaft der EZB, wenn nötig unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, entsprechend Druck auf den Euro- Wechselkurs auszuüben und die Deflationsrisiken einzudämmen."
Daneben unterstreiche Cornelissen die kulturellen Unterschiede zwischen Europäern und Japanern: "Die lang anhaltende Stagnation in Japan lässt sich teilweise aus dem ungewöhnlich starken Konsensbedürfnis der japanischen Gesellschaft erklären, die bereit war, für das Wohl der Nation Opfer zu bringen. Ein solcher Stoizismus ist in der Eurozone unwahrscheinlich."
Für Cornelissen liege die wirkliche Deflationsgefahr in "dem langsamen, ungenügenden und unbefriedigenden Fortschritt in Richtung einer echten Bankenunion in der Eurozone. Das ist ein Rezept für langsames Wachstum." In einem solchen Szenario werde es nicht gelingen, die Verbindung zwischen schwachen Banken und schwachen Staaten zu durchbrechen.
"Allerdings ist der europäische Bankensektor generell in besserer Verfassung als der japanische. Die ungesunde Nachsicht mit schwachen Banken und Staaten innerhalb der Eurozone ist unserer Meinung nach ein eher langfristiges Problem für die Währungsunion. Dieser Aspekt gerät durch die anhaltende Erholung in den Hintergrund und reicht deshalb nicht aus, um den gemeinsamen Währungsraum in eine mit japanischen Verhältnissen vergleichbare Deflation hineinzuführen", erläutere Cornelissen.
Robeco bevorzuge zum Jahresbeginn 2014 weiterhin Aktien und gehe derzeit nicht davon aus, dass die Bewertungen 2014 zu einem größeren Hindernis für den Aktienmarkt werden könnten. Die Erfahrung zeige, dass die aktuellen Bewertungsniveaus kurzfristig kein signifikantes Risiko für Kursrückgänge darstellen würden, obwohl eine Korrektur im Rahmen des Möglichen bleibe.
Für ebenfalls attraktiv halte Robeco High Yield Bonds; im Umfeld niedriger, aber steigender Zinsen würden sie im Vergleich zu anderen Assetklassen interessant bleiben. Hinsichtlich Schwellenländeranleihen (Emerging Markets Debt, EMD) sei das Asset-Allokation-Team weiter neutral eingestellt. (20.01.2014/alc/a/a)
Das Risiko einer Deflation sei potenziell ein Problem, da Verbraucher bei fallenden Preisen mit dem Kauf von Gütern warten würden, in der Annahme, dass diese noch billiger würden. Dadurch bestehe die Möglichkeit, dass das Wirtschaftswachstum gebremst werde und zur Deflation ein rezessives Umfeld hinzukomme.
Für Léon Cornelissen, Chefvolkswirt von Robeco, würden aktuell jedoch verschiedene Gründe gegen eine lang anhaltende Deflation in der Eurozone sprechen, die der in Japan ähnele: "Der wirtschaftliche Aufschwung, die Entschlossenheit der politisch Verantwortlichen und eine gänzlich andere Kultur sind drei Faktoren, die zusammen eine Deflation in der Eurozone äußerst unwahrscheinlich machen", so der Ökonom in seinem aktuellen Ausblick für Anleger.
"Zudem gibt es in den südlichen Peripherieländern einen Aufschwung. Deshalb ist es schwer vorstellbar, wie eine sich beschleunigende europäische Wirtschaft in eine Deflationsfalle tappen sollte."
Ironischerweise sei das Deflationsrisiko weitgehend auf den Erfolg des Euros in der letzten Zeit zurückzuführen: Der Euro habe seit Mitte 2012 gegenüber anderen wichtigen Währungen um fast 13 Prozent aufgewertet. Zweifellos würden sich die Hinweise auf eine Deflation verdichten.
So gehe aus Zahlen vom 7. Januar hervor, dass die auf das Jahr hochgerechnete Teuerungsrate nach 0,9 Prozent (November 2013) auf 0,8 Prozent (Dezember 2013) zurückgegangen sei. Die Kerninflationsrate sei im Dezember auf einen Rekordtiefstand von 0,7 Prozent gefallen, was auf einen langsameren Preisanstieg (Inflationsrückgang) und nicht auf eine gefährlichere Deflation hinweise, bei der die Preise tatsächlich fallen würden.
Ein weiterer Aspekt sei die Entschlossenheit der Politik und der Aufsichtsbehörden. "EZB-Präsident Mario Draghi hat deutlich gemacht, dass er die Deflationsrisiken erkannt hat und bereit ist, gegen sie vorzugehen", so Cornelissen. Die Inflationsrate liege bereits deutlich unter der Zwei-Prozent-Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) und Draghi habe betont, dass diese nicht dauerhaft unter ein Prozent "und damit in die 'Gefahrenzone' absinken darf."
Cornelissen weiter: "Da sich die Zinssätze in der Eurozone auf null zubewegen, ist dies ein klares Signal für die Bereitschaft der EZB, wenn nötig unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, entsprechend Druck auf den Euro- Wechselkurs auszuüben und die Deflationsrisiken einzudämmen."
Daneben unterstreiche Cornelissen die kulturellen Unterschiede zwischen Europäern und Japanern: "Die lang anhaltende Stagnation in Japan lässt sich teilweise aus dem ungewöhnlich starken Konsensbedürfnis der japanischen Gesellschaft erklären, die bereit war, für das Wohl der Nation Opfer zu bringen. Ein solcher Stoizismus ist in der Eurozone unwahrscheinlich."
Für Cornelissen liege die wirkliche Deflationsgefahr in "dem langsamen, ungenügenden und unbefriedigenden Fortschritt in Richtung einer echten Bankenunion in der Eurozone. Das ist ein Rezept für langsames Wachstum." In einem solchen Szenario werde es nicht gelingen, die Verbindung zwischen schwachen Banken und schwachen Staaten zu durchbrechen.
"Allerdings ist der europäische Bankensektor generell in besserer Verfassung als der japanische. Die ungesunde Nachsicht mit schwachen Banken und Staaten innerhalb der Eurozone ist unserer Meinung nach ein eher langfristiges Problem für die Währungsunion. Dieser Aspekt gerät durch die anhaltende Erholung in den Hintergrund und reicht deshalb nicht aus, um den gemeinsamen Währungsraum in eine mit japanischen Verhältnissen vergleichbare Deflation hineinzuführen", erläutere Cornelissen.
Robeco bevorzuge zum Jahresbeginn 2014 weiterhin Aktien und gehe derzeit nicht davon aus, dass die Bewertungen 2014 zu einem größeren Hindernis für den Aktienmarkt werden könnten. Die Erfahrung zeige, dass die aktuellen Bewertungsniveaus kurzfristig kein signifikantes Risiko für Kursrückgänge darstellen würden, obwohl eine Korrektur im Rahmen des Möglichen bleibe.
Für ebenfalls attraktiv halte Robeco High Yield Bonds; im Umfeld niedriger, aber steigender Zinsen würden sie im Vergleich zu anderen Assetklassen interessant bleiben. Hinsichtlich Schwellenländeranleihen (Emerging Markets Debt, EMD) sei das Asset-Allokation-Team weiter neutral eingestellt. (20.01.2014/alc/a/a)


