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Handelskrieg fordert schon seinen Tribut - US-Zinssenkung im September und Dezember erwartet


28.06.19 12:30
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - "Mit ihrer lockeren Geldpolitik reagiert die FED auf die internationale Lage und das Risiko, dass der Handelskonflikt das Finanzumfeld noch schwieriger macht. Wir gehen davon aus, dass die FED der jüngsten Verschlechterung der Finanzbedingungen entgegenwirken will", so Laurent Clavel, Head of Research bei AXA Investment Managers.

Die US-Wirtschaft sei noch immer stark, aber der Euroraum zeige erste Schwächen. Dennoch werde die FED wegen der restriktiven Handelspolitik der US-Regierung immer expansiver, während die EZB die Märkte nicht davon überzeugen könne, dass sie zu einer Lockerung bereit und fähig sei. Zurzeit würden sich alle Augen auf den Konflikt zwischen den USA und China richten. Alle würden auf eine Einigung hoffen. Aber vielleicht sei das Kind wegen der strafferen Finanzbedingungen und der unrealistischen Forderungen nach einer Lockerung der Geldpolitik bereits in den Brunnen gefallen.

Die Marktentwicklung und der Fortgang des Konjunkturzyklus würden allein von politischen Nachrichten abhängen. Der Ausgang des Handelskriegs bzw. der Handelskriege sei noch unklar. Deshalb würden sich jetzt alle auf den G20-Gipfel konzentrieren, aber vielleicht werde dort nichts Wichtiges entschieden. Am Ende könnte der Streit um die Zölle aber auch nicht weiter eskalieren - auch ohne eine grundlegende Einigung zwischen den USA und China. Auch weil das Rennen um die US-Präsidentschaft 2020 jetzt ernsthaft beginne, erwarte man immer wieder Streitigkeiten und kurzfristige Eskalationen auf Kosten des weltweiten Geschäftsklimas.

Das Gleiche gelte für den Brexit. Der lange Aufschub, der Großbritannien gewährt worden sei, habe Raum für den Kampf um die Führung der Tories geschaffen. Ein ungeordneter Brexit scheine wieder denkbar.

Im Euroraum würden sich die Diskussionen zwischen Rom und Brüssel über die italienische Haushaltspolitik wieder verschärfen. Die Bemühungen um einen gemeinsamen Haushalt der Euro-Länder würden sich in Grenzen halten. Die meisten würden nicht wissen, was sie überhaupt mit einer solchen Festigung der Währungsunion erreichen möchten.

In den USA gebe es derzeit kaum Anzeichen für eine nachlassende Konjunktur. Im Mai seien zwar nur 75.000 neue Stellen geschaffen worden, aber in den letzten drei Monaten seien es im Durchschnitt 150.000 gewesen. Das reiche aus, um das Angebot an Arbeitskräften aufzunehmen und die Arbeitslosenquote auf einem 50-Jahres-Tief zu stabilisieren. Die anderen Arbeitsmarktzahlen seien nach wie vor solide. In Anbetracht all dessen würden die Experten von AXA Investment Managers noch immer ein US-Wachstum über Potenzial erwarten: 2% im 2. Quartal 2018 und 2,4% im Jahr 2019.

Mit ihrer expansiven Haltung reagiere die FED auf die internationalen Herausforderungen und das Risiko noch strafferer Finanzbedingungen aufgrund von Handelsproblemen. Die Experten von AXA Investment Managers würden davon ausgehen, dass die FED die Geldpolitik lockere. Vermutlich werde sie die Zinsen im September und Dezember senken, damit sich die zuletzt schwierigeren Finanzbedingungen wieder verbessern würden. Der Handelskrieg fordere schon jetzt seinen Tribut: Das Vertrauen lasse nach und Investitionen würden aufgeschoben.

Die Konjunkturdaten aus Europa seien enttäuschend gewesen. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe habe sich lediglich stabilisiert, und in Deutschland seien die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe so schwach gewesen wie zuletzt vor zehn Jahren. Zugegebenermaßen hätten sich binnenorientierte Dienstleistungssektoren, die Zahl der neuen Stellen und die geplanten Neueinstellungen noch immer recht ordentlich entwickelt und damit ganz anders als das Verarbeitende Gewerbe, bei dem es düster aussehe. Aber auch die Binnennachfrage in Europa trübe sich ein.

Seit über zwei Jahren liege die Inflation hartnäckig bei nur 1%. Deshalb würden die Konjunktur und weltweite Entwicklungen, die die FED beunruhigen würden, auch der EZB Sorgen machen. Auf ihrer Juni-Sitzung habe die EZB versucht die Märkte zu überzeugen, dass sie noch immer viel tun könne. Die Marktteilnehmer seien zunächst skeptisch gewesen, hätten aber dann dem entschlossenen Versprechen von Präsident Draghi in Sintra geglaubt. Die deutsche Zehnjahresrendite sei daraufhin unter -0,3%, ein neues Allzeittief, gefallen. (28.06.2019/alc/a/a)