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Guter Nährboden für US-Staatsanleihen
02.08.23 11:17
Swisscanto
Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Inflation ist weltweit auf dem Rückzug, so die Experten von Swisscanto.
Angeführt werde die Entwicklung von den USA und Kanada, wo das Wachstum der Konsumentenpreise mit rund 3% nicht mehr allzu weit vom Inflationsziel der jeweiligen Notenbank entfernt sei. Der Weg dorthin dürfte jedoch zäher vonstattengehen als der bisherige Rückgang. Die Inflation habe ihr Wesen nämlich stark verändert und sich immer mehr in den Dienstleistungssektor gefressen. Entsprechend liege die Kernteuerung in Nordamerika deutlich über der Gesamtinflationsrate. Angesichts des bis anhin soliden Arbeitsmarktes und des hohen Lohnwachstums würden die Experten nicht davon ausgehen, dass die Zielinflationswerte der nordamerikanischen Notenbanken noch in diesem Jahr erreicht würden. Die Eurozone und Großbritannien würden im Inflationszyklus derweil hinterherhinken. Dort habe der Ukraine-Krieg zu einem größeren Energiepreisschock geführt als auf der anderen Seite des Atlantiks und die Lieferkettenengpässe machten den europäischen Unternehmen länger zu schaffen. Dies habe den Anstieg der Güterpreise begünstigt.
Anders als im Inflationszyklus scheine sich die US-Wirtschaft mit dem konjunkturellen Abschwung Zeit zu lassen. So sei beispielsweise die jüngst veröffentliche Erstschätzung zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im 2. Quartal deutlich höher ausgefallen als von den Experten erwartet. Allgemein hätten die US-Konjunkturdaten in diesem Jahr mehrheitlich positiv überrascht, ganz im Gegensatz zur Eurozone, wo sich die schlechten Nachrichten häufen würden. Gemessen am Economic Surprise Index seien die Datenveröffentlichungen zur Konjunktur in der Eurozone - unter Ausklammerung der Pandemie - so enttäuschend ausgefallen wie zuletzt 2009. Innerhalb der Eurozone sei es vor allem Deutschland, dessen Industrie darbe. Die Experten seien der Meinung, dass die Konjunktur auch in den USA angezählt sei und angesichts des geldpolitischen Gegenwindes, der aufgebrauchten Überschussersparnisse der Haushalte und der sich eintrübenden Geschäftslage der Unternehmen bald deutlich Federn lassen werde.
Bislang hätten sich in der ersten Jahreshälfte die Konjunkturindikatoren als überraschend stabil erwiesen. Vor allem der Dienstleistungssektor habe die Schwäche der Industrie kompensiert. Der Einkaufsmanagerindex der Dienstleister in den USA und der Eurozone impliziere aktuell aber nur noch ein schwaches Wachstum. Die Gefahr einer schrumpfenden Wirtschaft in der Eurozone und den USA bestehe weiterhin. In Kombination mit fallenden Inflationsraten hätten die Notenbanken in vielen Währungsregionen ihren Leitzinsanhebungszyklus bereits beendet oder stünden kurz davor. Die Experten hätten daher ihre Prognosen niedrigerer Renditen von US-Staatsanleihen beibehalten. Auf dem Weg dorthin müsse mit erhöhten Schwankungen gerechnet werden. Sie würden aufgrund konjunktureller Unsicherheiten groß bleiben, wie der implizite Volatilitätsindex von US-Staatsanleihen anzeige.
Nach einer Zinspause im Juni habe die US-Notenbank FED das Zielband für die Leitzinsen an ihrer Juli-Sitzung um weitere 25 Basispunkte auf 5,25% bis 5,50% erhöht. Der FED-Vorsitzende Jerome Powell habe denn auch betont, dass nach Zinserhöhungen um insgesamt 525 Basispunkte die Auswirkungen zu analysieren seien und die verzögerte Wirkung der Geldpolitik auf den Konjunkturgang beobachtet werde. Weitere Zinsschritte seien datenabhängig. Die Anleger müssten sich allerdings auf eine anhaltend restriktive US-Geldpolitik einstellen, solange die Inflation nicht deutlich in Richtung 2% sinke. Mit der konjunkturellen Abschwächung würden die Experten davon ausgehen, dass kein weiterer Zinsschritt folgen werde. Eine schrumpfende US-Wirtschaft und das Ende der Leitzinsanhebungen durch die FED würden einen guten Nährboden für Staatsanleihen bieten. Unsere Präferenz für Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten bleibt bestehen, so die Experten von Swisscanto.
Der US-Dollar habe im Zuge der US-Inflationsdaten für Juni auf breiter Front korrigiert. Marktteilnehmer hätten angesichts der tiefer als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten die Erwartungen an die FED zurückgeschraubt. Eine lockerere Geldpolitik werde am Devisenmarkt in der Regel mit einer Abstrafung der Währung quittiert. Insbesondere stark habe die US-Währung im Vergleich zum Schweizer Franken verloren, der gegenüber dem Greenback im Juli vorübergehend um mehr als 4% habe aufwerten können. Zwischenzeitlich habe ein US-Dollar noch CHF 0,86 gekostet. Die allgemeine Stärke des CHF werde durch das aktuell unsichere Umfeld für die Konjunktur beidseits des Atlantiks begünstigt. Der US-Dollar habe sich mit der jüngsten Korrektur weiter verbilligt und dem langfristig fairen Wert gemäß Kaufkraftparität genähert, den die Experten aber nach wie vor tiefer sähen.
Die Gewinnberichtssaison für das 2. Quartal laufe derzeit auf Hochtouren. Für die USA hätten Finanzanalysten vor dem Start einen Gewinnrückgang auf Indexebene von 7% im Jahresvergleich erwartet. Angesichts der bis dahin veröffentlichten Konjunkturdaten habe die Messlatte somit recht niedrig gelegen. Es sei den meisten Unternehmen bislang auch gelungen, bei Gewinnen und Umsatz positiv zu überraschen. Die Berichte der großen Banken - als Näherung für die Konjunkturdynamik - hätten weiterhin auf einen robusten Konsum schließen lassen. Ihr Gewinn aus dem Zinsgeschäft habe die höheren Rückstellungen für Kreditausfälle mehr als aufgewogen. Und die Auswirkungen der Bankturbulenzen im Frühjahr hätten zu geringeren Verwerfungen geführt als befürchtet.
Die Ausblicke seien überwiegend vorsichtig formuliert worden, ein Gewinneinbruch sei aber auch für das laufende Quartal noch nicht zu erwarten. So würden die Finanzanalysten für das 2. Halbjahr sogar wieder von einem leichten Gewinnwachstum ausgehen. Dies könnte jedoch zu optimistisch sein, insbesondere dann, wenn sich das Szenario der Analysten einer Rezession in den USA einstelle. In diesem Fall wäre die im internationalen Vergleich nach wie vor hohe Bewertung des US-Aktienmarkts ein zusätzliches Risiko.
Allerdings werde die hohe Bewertung des US-Aktienmarkts insbesondere von den so genannten Mega Caps getrieben. Dazu würden die extrem großen Unternehmen Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, NVIDIA, Tesla und Meta gehören. Ihre Aktienkurse hätten sich zum Teil von ihren Gewinnerwartungen abgekoppelt, was absolut und auch relativ zum S&P 500 zu einer deutlichen Bewertungsexpansion geführt habe. Bei diesen hohen Bewertungen stelle sich zwangsläufig die Frage, ob sie gerechtfertigt seien oder ob sich eine neue Technologieblase gebildet habe. Als fundamentale Begründung für die hohen Bewertungen lasse sich das Disruptionspotenzial von künstlicher Intelligenz anführen, von dem diese Werte profitieren könnten. Allerdings bestehe ein großer Medienhype um das Thema, was das Risiko einer Übertreibung verstärke. Die Experten von Swisscanto erachten dieses Risiko mittlerweile als hoch und erwarten eine Verschnaufpause ihrer Aktienkurse relativ zu den übrigen Mitgliedern des S&P 500. Um die Indexwirkung einer solchen Verschnaufpause abzufedern, würden die Experten den so genannten S&P 500 Equal Weight, in dem alle Indexmitglieder gleich gewichtet seien, aktuell als attraktive Alternative erachten. Dort hätten die sieben Mega Caps statt rund 28% nur noch ein Gewicht von 1,75%. (Ausgabe August 2023) (02.08.2023/alc/a/a)
Angeführt werde die Entwicklung von den USA und Kanada, wo das Wachstum der Konsumentenpreise mit rund 3% nicht mehr allzu weit vom Inflationsziel der jeweiligen Notenbank entfernt sei. Der Weg dorthin dürfte jedoch zäher vonstattengehen als der bisherige Rückgang. Die Inflation habe ihr Wesen nämlich stark verändert und sich immer mehr in den Dienstleistungssektor gefressen. Entsprechend liege die Kernteuerung in Nordamerika deutlich über der Gesamtinflationsrate. Angesichts des bis anhin soliden Arbeitsmarktes und des hohen Lohnwachstums würden die Experten nicht davon ausgehen, dass die Zielinflationswerte der nordamerikanischen Notenbanken noch in diesem Jahr erreicht würden. Die Eurozone und Großbritannien würden im Inflationszyklus derweil hinterherhinken. Dort habe der Ukraine-Krieg zu einem größeren Energiepreisschock geführt als auf der anderen Seite des Atlantiks und die Lieferkettenengpässe machten den europäischen Unternehmen länger zu schaffen. Dies habe den Anstieg der Güterpreise begünstigt.
Anders als im Inflationszyklus scheine sich die US-Wirtschaft mit dem konjunkturellen Abschwung Zeit zu lassen. So sei beispielsweise die jüngst veröffentliche Erstschätzung zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im 2. Quartal deutlich höher ausgefallen als von den Experten erwartet. Allgemein hätten die US-Konjunkturdaten in diesem Jahr mehrheitlich positiv überrascht, ganz im Gegensatz zur Eurozone, wo sich die schlechten Nachrichten häufen würden. Gemessen am Economic Surprise Index seien die Datenveröffentlichungen zur Konjunktur in der Eurozone - unter Ausklammerung der Pandemie - so enttäuschend ausgefallen wie zuletzt 2009. Innerhalb der Eurozone sei es vor allem Deutschland, dessen Industrie darbe. Die Experten seien der Meinung, dass die Konjunktur auch in den USA angezählt sei und angesichts des geldpolitischen Gegenwindes, der aufgebrauchten Überschussersparnisse der Haushalte und der sich eintrübenden Geschäftslage der Unternehmen bald deutlich Federn lassen werde.
Bislang hätten sich in der ersten Jahreshälfte die Konjunkturindikatoren als überraschend stabil erwiesen. Vor allem der Dienstleistungssektor habe die Schwäche der Industrie kompensiert. Der Einkaufsmanagerindex der Dienstleister in den USA und der Eurozone impliziere aktuell aber nur noch ein schwaches Wachstum. Die Gefahr einer schrumpfenden Wirtschaft in der Eurozone und den USA bestehe weiterhin. In Kombination mit fallenden Inflationsraten hätten die Notenbanken in vielen Währungsregionen ihren Leitzinsanhebungszyklus bereits beendet oder stünden kurz davor. Die Experten hätten daher ihre Prognosen niedrigerer Renditen von US-Staatsanleihen beibehalten. Auf dem Weg dorthin müsse mit erhöhten Schwankungen gerechnet werden. Sie würden aufgrund konjunktureller Unsicherheiten groß bleiben, wie der implizite Volatilitätsindex von US-Staatsanleihen anzeige.
Der US-Dollar habe im Zuge der US-Inflationsdaten für Juni auf breiter Front korrigiert. Marktteilnehmer hätten angesichts der tiefer als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten die Erwartungen an die FED zurückgeschraubt. Eine lockerere Geldpolitik werde am Devisenmarkt in der Regel mit einer Abstrafung der Währung quittiert. Insbesondere stark habe die US-Währung im Vergleich zum Schweizer Franken verloren, der gegenüber dem Greenback im Juli vorübergehend um mehr als 4% habe aufwerten können. Zwischenzeitlich habe ein US-Dollar noch CHF 0,86 gekostet. Die allgemeine Stärke des CHF werde durch das aktuell unsichere Umfeld für die Konjunktur beidseits des Atlantiks begünstigt. Der US-Dollar habe sich mit der jüngsten Korrektur weiter verbilligt und dem langfristig fairen Wert gemäß Kaufkraftparität genähert, den die Experten aber nach wie vor tiefer sähen.
Die Gewinnberichtssaison für das 2. Quartal laufe derzeit auf Hochtouren. Für die USA hätten Finanzanalysten vor dem Start einen Gewinnrückgang auf Indexebene von 7% im Jahresvergleich erwartet. Angesichts der bis dahin veröffentlichten Konjunkturdaten habe die Messlatte somit recht niedrig gelegen. Es sei den meisten Unternehmen bislang auch gelungen, bei Gewinnen und Umsatz positiv zu überraschen. Die Berichte der großen Banken - als Näherung für die Konjunkturdynamik - hätten weiterhin auf einen robusten Konsum schließen lassen. Ihr Gewinn aus dem Zinsgeschäft habe die höheren Rückstellungen für Kreditausfälle mehr als aufgewogen. Und die Auswirkungen der Bankturbulenzen im Frühjahr hätten zu geringeren Verwerfungen geführt als befürchtet.
Die Ausblicke seien überwiegend vorsichtig formuliert worden, ein Gewinneinbruch sei aber auch für das laufende Quartal noch nicht zu erwarten. So würden die Finanzanalysten für das 2. Halbjahr sogar wieder von einem leichten Gewinnwachstum ausgehen. Dies könnte jedoch zu optimistisch sein, insbesondere dann, wenn sich das Szenario der Analysten einer Rezession in den USA einstelle. In diesem Fall wäre die im internationalen Vergleich nach wie vor hohe Bewertung des US-Aktienmarkts ein zusätzliches Risiko.
Allerdings werde die hohe Bewertung des US-Aktienmarkts insbesondere von den so genannten Mega Caps getrieben. Dazu würden die extrem großen Unternehmen Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, NVIDIA, Tesla und Meta gehören. Ihre Aktienkurse hätten sich zum Teil von ihren Gewinnerwartungen abgekoppelt, was absolut und auch relativ zum S&P 500 zu einer deutlichen Bewertungsexpansion geführt habe. Bei diesen hohen Bewertungen stelle sich zwangsläufig die Frage, ob sie gerechtfertigt seien oder ob sich eine neue Technologieblase gebildet habe. Als fundamentale Begründung für die hohen Bewertungen lasse sich das Disruptionspotenzial von künstlicher Intelligenz anführen, von dem diese Werte profitieren könnten. Allerdings bestehe ein großer Medienhype um das Thema, was das Risiko einer Übertreibung verstärke. Die Experten von Swisscanto erachten dieses Risiko mittlerweile als hoch und erwarten eine Verschnaufpause ihrer Aktienkurse relativ zu den übrigen Mitgliedern des S&P 500. Um die Indexwirkung einer solchen Verschnaufpause abzufedern, würden die Experten den so genannten S&P 500 Equal Weight, in dem alle Indexmitglieder gleich gewichtet seien, aktuell als attraktive Alternative erachten. Dort hätten die sieben Mega Caps statt rund 28% nur noch ein Gewicht von 1,75%. (Ausgabe August 2023) (02.08.2023/alc/a/a)


