Erweiterte Funktionen
Gute Stimmung in Europa, Notenbanken divergieren
07.12.15 10:11
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Seit geraumer Zeit blickten wir nun schon auf den 3. Dezember 2015, so die Analysten der Weberbank.
Es sollte der Tag sein, an dem die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldschleusen weiter öffne und FED-Chefin Janet Yellen bei einer Anhörung vor dem US-Kongress - ganz im Gegensatz - ein Ende der Nullzinspolitik noch vor Weihnachten bekräftigten sollte. Die Bilanz dieses Tages sei am Ende einer Enttäuschung gleichgekommen: Zwar habe EZB-Chef Mario Draghi den Strafzins für Übernachteinlagen der Geschäftsbanken von minus 0,2 auf minus 0,3 Prozent gesenkt und somit den Druck auf die Banken erhöht, Gelder über Kredite in den Wirtschaftskreislauf zu lenken. Auch sei das aktuell laufende Anleihenkaufprogramm um ein halbes Jahr verlängert worden. Unter dem Strich seien diese Ankündigungen aber am unteren Ende der Markterwartungen gewesen.
Auch wenn die EZB nun eine größere Anzahl von Anleihen auf dem Kaufzettel stehen habe, komme dies nicht der erwarteten massiven Ausweitung des Kaufprogramms gleich. Die Reaktionen an den Märkten hätten das mehr als deutlich gemacht. Innerhalb kurzer Zeit nach Verkündigung der Maßnahmen sei der DAX zum Beispiel um zwischenzeitlich fast fünf Prozent eingebrochen. Ähnlich starke Ausschläge seien auch am Renten- und am Devisenmarkt zu beobachten gewesen.
Die Rendite einer 10-jährigen deutschen Staatsanleihe sei von rund 0,48 auf über 0,60 Prozent gestiegen und der Euro habe von 1,055 auf fast 1,09 US-Dollar auf ein Vier-Wochen-Hoch zugelegt. Aus Sicht der Analysten seien vor allem zwei Dinge enttäuschend: Das monatliche Kaufvolumen von 60 Mrd. Euro sei nicht erhöht worden und der Kreis der zu kaufenden Anleihen sei nicht nennenswert erweitert worden. Zwar wolle man nun auch regionale Schuldtitel erwerben, der Kauf von Unternehmensanleihen wäre am Markt aber sicher besser angekommen. Die Aussagen Yellens vor dem US-Kongress seien unspektakulär gewesen, denn sie habe die Märkte erneut auf eine Zinserhöhung im Dezember eingestimmt, was erwartet worden sei.
Für den US-Verbraucher sei das Thanksgiving-Fest der Höhepunkt in den vergangenen zwei Wochen gewesen. Damit fest verbunden sei nämlich - wie das Truthahnessen im Kreise der Familie - die gemeinsame Schnäppchenjagd. Insbesondere am sogenannten Black Friday, dem Tag nach Thanksgiving, würden die Amerikaner in die Geschäfte stürmen und so traditionell für die Einzelhändler die wichtige Weihnachtssaison eröffnen. Doch in diesem Jahr sei das Geschäft in den Kaufhäusern etwas schleppend verlaufen.
In Zeiten des Online-Einkaufens habe sich mittlerweile der sogenannte Cyber-Monday als feste Größe etabliert. An diesem Montag und oftmals auch gleich in der ganzen Woche davor oder danach würden die Online-Einzelhändler um die Gunst der Kunden buhlen. Mit Erfolg, wie verschiedene Studien zeigen würden. Während die Verkäufe in den konventionellen Geschäften um 10,4 Prozent auf 20,4 Mrd. Dollar zurückgegangen seien, hätten die Online-Käufe am langen Thanksgiving-Wochenende um 15 Prozent auf 11 Mrd. US-Dollar zugelegt.
In Europa sei der Konsument dagegen freundlicher gestimmt. Sowohl die Einzelhandels-Umsätze als auch die Verbraucherstimmung würden einen Aufwärtstrend zeigen. Ebenso optimistisch würden die Unternehmen in die Zukunft blicken. Der wichtigste deutsche Frühindikator, der ifo-Geschäftsklimaindex, sei überraschend auf 109 Punkte geklettert, den höchsten Stand seit über einem Jahr. Damit zeige sich die deutsche Wirtschaft zunehmend zuversichtlicher und auch unbeeindruckt von den Pariser Anschlägen. Selbst die Sorgen um den Gesundheitszustand der chinesischen Wirtschaft hätten sich nicht verschärft.
Renten- und Aktienmärkte stünden unter den Einflüssen der Notenbanken. Auf die Aussagen Yellens gepaart mit der EZB-Pressekonferenz hätten die Märkte zuletzt verschnupft reagiert. Im Vorfeld der EZB-Entscheidung hätten beide Märkte noch ihr freundlichstes Gesicht gezeigt: Trotz eher verhaltener Ausblicke der Unternehmen und zum Teil bescheidender Gewinnentwicklung hätten DAX und Co. wieder Anlauf auf ehemalige Höchststände genommen.
Am Rentenmarkt seien die Renditen gefallen und seien spiegelbildlich die Kurse gestiegen. Die Reaktionen am 3. Dezember aber würden nahelegen, dass zumindest ein Teil dieser Kursanstiege Vorschusslorbeeren auf die zusätzliche EZB-Liquiditätsschwemme gewesen seien. Ihr Ausbleiben werfe den Fokus nun wieder auf die fundamentale Bewertung. Diese gebe aber keinen Anlass zur Beunruhigung.
Die europäischen Aktienmärkte seien - anders als die amerikanischen - noch nicht zu teuer bewertet und die Unternehmen seien in Europa solide aufgestellt. Auch werde im Zuge einer sich stetig verbessernden Wirtschaft eine stabile Gewinnentwicklung erwartet. Das seien unterstützende Faktoren nicht nur für europäische Aktien, sondern auch für Wandelanleihen oder auch Unternehmensanleihen, die die Analysten im Niedrigzinsumfeld weiterhin für attraktiv erachten würden. (Ausgabe vom 04.12.2015) (07.12.2015/alc/a/a)
Es sollte der Tag sein, an dem die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldschleusen weiter öffne und FED-Chefin Janet Yellen bei einer Anhörung vor dem US-Kongress - ganz im Gegensatz - ein Ende der Nullzinspolitik noch vor Weihnachten bekräftigten sollte. Die Bilanz dieses Tages sei am Ende einer Enttäuschung gleichgekommen: Zwar habe EZB-Chef Mario Draghi den Strafzins für Übernachteinlagen der Geschäftsbanken von minus 0,2 auf minus 0,3 Prozent gesenkt und somit den Druck auf die Banken erhöht, Gelder über Kredite in den Wirtschaftskreislauf zu lenken. Auch sei das aktuell laufende Anleihenkaufprogramm um ein halbes Jahr verlängert worden. Unter dem Strich seien diese Ankündigungen aber am unteren Ende der Markterwartungen gewesen.
Auch wenn die EZB nun eine größere Anzahl von Anleihen auf dem Kaufzettel stehen habe, komme dies nicht der erwarteten massiven Ausweitung des Kaufprogramms gleich. Die Reaktionen an den Märkten hätten das mehr als deutlich gemacht. Innerhalb kurzer Zeit nach Verkündigung der Maßnahmen sei der DAX zum Beispiel um zwischenzeitlich fast fünf Prozent eingebrochen. Ähnlich starke Ausschläge seien auch am Renten- und am Devisenmarkt zu beobachten gewesen.
Die Rendite einer 10-jährigen deutschen Staatsanleihe sei von rund 0,48 auf über 0,60 Prozent gestiegen und der Euro habe von 1,055 auf fast 1,09 US-Dollar auf ein Vier-Wochen-Hoch zugelegt. Aus Sicht der Analysten seien vor allem zwei Dinge enttäuschend: Das monatliche Kaufvolumen von 60 Mrd. Euro sei nicht erhöht worden und der Kreis der zu kaufenden Anleihen sei nicht nennenswert erweitert worden. Zwar wolle man nun auch regionale Schuldtitel erwerben, der Kauf von Unternehmensanleihen wäre am Markt aber sicher besser angekommen. Die Aussagen Yellens vor dem US-Kongress seien unspektakulär gewesen, denn sie habe die Märkte erneut auf eine Zinserhöhung im Dezember eingestimmt, was erwartet worden sei.
In Zeiten des Online-Einkaufens habe sich mittlerweile der sogenannte Cyber-Monday als feste Größe etabliert. An diesem Montag und oftmals auch gleich in der ganzen Woche davor oder danach würden die Online-Einzelhändler um die Gunst der Kunden buhlen. Mit Erfolg, wie verschiedene Studien zeigen würden. Während die Verkäufe in den konventionellen Geschäften um 10,4 Prozent auf 20,4 Mrd. Dollar zurückgegangen seien, hätten die Online-Käufe am langen Thanksgiving-Wochenende um 15 Prozent auf 11 Mrd. US-Dollar zugelegt.
In Europa sei der Konsument dagegen freundlicher gestimmt. Sowohl die Einzelhandels-Umsätze als auch die Verbraucherstimmung würden einen Aufwärtstrend zeigen. Ebenso optimistisch würden die Unternehmen in die Zukunft blicken. Der wichtigste deutsche Frühindikator, der ifo-Geschäftsklimaindex, sei überraschend auf 109 Punkte geklettert, den höchsten Stand seit über einem Jahr. Damit zeige sich die deutsche Wirtschaft zunehmend zuversichtlicher und auch unbeeindruckt von den Pariser Anschlägen. Selbst die Sorgen um den Gesundheitszustand der chinesischen Wirtschaft hätten sich nicht verschärft.
Renten- und Aktienmärkte stünden unter den Einflüssen der Notenbanken. Auf die Aussagen Yellens gepaart mit der EZB-Pressekonferenz hätten die Märkte zuletzt verschnupft reagiert. Im Vorfeld der EZB-Entscheidung hätten beide Märkte noch ihr freundlichstes Gesicht gezeigt: Trotz eher verhaltener Ausblicke der Unternehmen und zum Teil bescheidender Gewinnentwicklung hätten DAX und Co. wieder Anlauf auf ehemalige Höchststände genommen.
Am Rentenmarkt seien die Renditen gefallen und seien spiegelbildlich die Kurse gestiegen. Die Reaktionen am 3. Dezember aber würden nahelegen, dass zumindest ein Teil dieser Kursanstiege Vorschusslorbeeren auf die zusätzliche EZB-Liquiditätsschwemme gewesen seien. Ihr Ausbleiben werfe den Fokus nun wieder auf die fundamentale Bewertung. Diese gebe aber keinen Anlass zur Beunruhigung.
Die europäischen Aktienmärkte seien - anders als die amerikanischen - noch nicht zu teuer bewertet und die Unternehmen seien in Europa solide aufgestellt. Auch werde im Zuge einer sich stetig verbessernden Wirtschaft eine stabile Gewinnentwicklung erwartet. Das seien unterstützende Faktoren nicht nur für europäische Aktien, sondern auch für Wandelanleihen oder auch Unternehmensanleihen, die die Analysten im Niedrigzinsumfeld weiterhin für attraktiv erachten würden. (Ausgabe vom 04.12.2015) (07.12.2015/alc/a/a)


