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Griechische Anleihen sind zurück
12.01.24 12:40
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die Renditen veränderten sich nach der mit Spannung erwarteten Veröffentlichung des US-Verbraucherpreisindex in dieser Woche kaum, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.
Die Gesamtinflation in den USA sei im Dezember 2023 auf 3,4 Prozent gestiegen. Die Kerninflation habe mit 3,9 Prozent um 0,1 Prozentpunkt über den Konsenserwartungen gelegen.
Die Erwartung einer Zinssenkung in der Eurozone sei durch robuste Arbeitsmarktdaten gedämpft worden. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei im vergangenen Monat auf 6,4 Prozent gesunken - ein Tiefstand seit Einführung der gemeinsamen Währung. Obwohl die Wirtschaft der Eurozone mit einem Wachstum von rund 0 Prozent weiter vor sich hin dümpele, sei der Arbeitsmarkt angespannt.
Ein enger Arbeitsmarkt verdeutliche die anhaltenden Risiken einer Lohninflation. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel habe in diesem Zusammenhang geäußert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2024 nur mit einem bescheidenen Rückgang der Löhne rechne.
Im Vergleich zu Schnabels Ausführungen vor Weihnachten, in denen sie die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung im vierten Quartal 2023 betont habe, seien ihre jüngsten Kommentare relativ restriktiv interpretiert worden. Der Enthusiasmus für eine Zinssenkung im März habe sich abgekühlt.
Die Renditeaufschläge für Staatsanleihen aus der Eurozone seien im Laufe der vergangenen Woche durch die starke Nachfrage nach neu emittierten Papieren gestützt worden. Ein Beispiel dafür seien Anleiheemissionen von Spanien und Italien gewesen, die mit 130 Milliarden Euro beziehungsweise 164 Milliarden Euro massiv überzeichnet gewesen seien. Zur Einordnung: Spaniens Emissionsbedarf für das gesamte Jahr werde derzeit auf 170 Milliarden Euro beziehungsweise netto 50 Milliarden geschätzt.
Im Umfeld sinkender Renditen in ganz Europa habe dies dazu beigetragen, die Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung zu zerstreuen und die Spreads zu verringern.
Die Experten würden die Kreditqualität Spaniens positiv bewerten und seien der Meinung, dass sich das Land den "Semi-Kernländern" wie Frankreich, Belgien und Österreich annähern könne. Die Experten würden auch Potenzial in Griechenland sehen, da griechische Staatsanleihen in diesem Monat wieder in die Anleiheindices aufgenommen würden. Dies veranlasse passive Fonds zum Kauf, was zu einer weiteren Verringerung der Spreads führen werde.
Wenn Griechenland bei seinen Anleiheemissionen Geduld aufbringe, könnte es durchaus in der Lage sein, zu noch geringeren Spreads als derzeit zu emittieren. Es scheine, dass zehnjährige griechische Papiere bald mit einem Aufschlag von weniger als 100 Basispunkten gegenüber deutschen Bundesanleihen gehandelt werden könnten.
Auf der anderen Seite des Atlantiks seien weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve (FED) nach wie vor unwahrscheinlich. Die Experten seien aber nicht davon überzeugt, dass die FED diese Möglichkeit zum jetzigen Zeitpunkt komplett ausschließen wolle.
Einige Beobachter würden hingegen argumentieren, dass sich die Inflation bereits wieder auf einem mit dem FED-Ziel übereinstimmenden Niveau befinde, wenn man die Daten der letzten drei oder sechs Monate betrachte. Die Experten würden jedoch nicht denken, dass sich die Fed jemals auf solche kurzfristigen Entwicklungen stützen würde.
Andere Kommentatoren hätten die Vermutung geäußert, dass die FED aus politischen Gründen handeln könnte - also um die Wirtschaft bis zu den Wahlen zu stärken und damit Joe Biden zu unterstützen.
Die Währungshüter seien jedoch stets darauf bedacht gewesen, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Da sich die Arbeitslosigkeit in der Nähe von Rekordtiefs befinde, die Wirtschaft robust wachse, die Kurse am Aktienmarkt nahe ihrer Allzeithochs lägen und die Kreditspreads relativ eng seien, sei nicht klar, warum die FED es mit einer geldpolitischen Lockerung eilig haben sollte.
Die Inflation liege außerdem weiterhin deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank. Es scheine sinnvoll zu sein, dass FED-Chef Jerome Powell geduldig sei und abwarte. Es sei wohl nicht die Wirtschaft, wegen der Donald Trump in den Umfragen nach wie vor weit vorn liege. (12.01.2024/alc/a/a)
Die Gesamtinflation in den USA sei im Dezember 2023 auf 3,4 Prozent gestiegen. Die Kerninflation habe mit 3,9 Prozent um 0,1 Prozentpunkt über den Konsenserwartungen gelegen.
Die Erwartung einer Zinssenkung in der Eurozone sei durch robuste Arbeitsmarktdaten gedämpft worden. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei im vergangenen Monat auf 6,4 Prozent gesunken - ein Tiefstand seit Einführung der gemeinsamen Währung. Obwohl die Wirtschaft der Eurozone mit einem Wachstum von rund 0 Prozent weiter vor sich hin dümpele, sei der Arbeitsmarkt angespannt.
Ein enger Arbeitsmarkt verdeutliche die anhaltenden Risiken einer Lohninflation. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel habe in diesem Zusammenhang geäußert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2024 nur mit einem bescheidenen Rückgang der Löhne rechne.
Im Vergleich zu Schnabels Ausführungen vor Weihnachten, in denen sie die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung im vierten Quartal 2023 betont habe, seien ihre jüngsten Kommentare relativ restriktiv interpretiert worden. Der Enthusiasmus für eine Zinssenkung im März habe sich abgekühlt.
Die Renditeaufschläge für Staatsanleihen aus der Eurozone seien im Laufe der vergangenen Woche durch die starke Nachfrage nach neu emittierten Papieren gestützt worden. Ein Beispiel dafür seien Anleiheemissionen von Spanien und Italien gewesen, die mit 130 Milliarden Euro beziehungsweise 164 Milliarden Euro massiv überzeichnet gewesen seien. Zur Einordnung: Spaniens Emissionsbedarf für das gesamte Jahr werde derzeit auf 170 Milliarden Euro beziehungsweise netto 50 Milliarden geschätzt.
Die Experten würden die Kreditqualität Spaniens positiv bewerten und seien der Meinung, dass sich das Land den "Semi-Kernländern" wie Frankreich, Belgien und Österreich annähern könne. Die Experten würden auch Potenzial in Griechenland sehen, da griechische Staatsanleihen in diesem Monat wieder in die Anleiheindices aufgenommen würden. Dies veranlasse passive Fonds zum Kauf, was zu einer weiteren Verringerung der Spreads führen werde.
Wenn Griechenland bei seinen Anleiheemissionen Geduld aufbringe, könnte es durchaus in der Lage sein, zu noch geringeren Spreads als derzeit zu emittieren. Es scheine, dass zehnjährige griechische Papiere bald mit einem Aufschlag von weniger als 100 Basispunkten gegenüber deutschen Bundesanleihen gehandelt werden könnten.
Auf der anderen Seite des Atlantiks seien weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve (FED) nach wie vor unwahrscheinlich. Die Experten seien aber nicht davon überzeugt, dass die FED diese Möglichkeit zum jetzigen Zeitpunkt komplett ausschließen wolle.
Einige Beobachter würden hingegen argumentieren, dass sich die Inflation bereits wieder auf einem mit dem FED-Ziel übereinstimmenden Niveau befinde, wenn man die Daten der letzten drei oder sechs Monate betrachte. Die Experten würden jedoch nicht denken, dass sich die Fed jemals auf solche kurzfristigen Entwicklungen stützen würde.
Andere Kommentatoren hätten die Vermutung geäußert, dass die FED aus politischen Gründen handeln könnte - also um die Wirtschaft bis zu den Wahlen zu stärken und damit Joe Biden zu unterstützen.
Die Währungshüter seien jedoch stets darauf bedacht gewesen, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Da sich die Arbeitslosigkeit in der Nähe von Rekordtiefs befinde, die Wirtschaft robust wachse, die Kurse am Aktienmarkt nahe ihrer Allzeithochs lägen und die Kreditspreads relativ eng seien, sei nicht klar, warum die FED es mit einer geldpolitischen Lockerung eilig haben sollte.
Die Inflation liege außerdem weiterhin deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank. Es scheine sinnvoll zu sein, dass FED-Chef Jerome Powell geduldig sei und abwarte. Es sei wohl nicht die Wirtschaft, wegen der Donald Trump in den Umfragen nach wie vor weit vorn liege. (12.01.2024/alc/a/a)


