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Gratwanderung 2025


17.12.24 12:01
Ofi Invest Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2024 war ein Wendepunkt in der Geldpolitik mit ersten Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank, so Geoffroy Lenoir, Co-CIO bei Ofi Invest Asset Management.

Die Experten würden erwarten, dass die Zinsen 2025 auf ein neutrales Niveau sinken würden. Donald Trump habe jedoch seine ganz eigenen Ansichten von Neutralität und dazu, wie schnell die Zinsen gesenkt werden sollten.

Die von der Trump-Regierung angestrebte Fiskalpolitik könnte zu einem Anstieg des langen Endes der Zinskurve führen. In der Eurozone, wo die Inflation bereits nahe 2 Prozent liege, werde die EZB in der Lage sein, weniger restriktiv zu handeln. Dies werde die Wirtschaft ankurbeln, die 2025 etwas schneller als im Jahr 2024 wachsen sollte.

Die Märkte würden bereits mit einem Leitzins von rund 2 Prozent rechnen. Falls das Vertrauen aufgrund der hohen Staatsverschuldung schwinden und entsprechende Maßnahmen notwendig machen sollte, könnte das zu steigenden Renditen bei langlaufenden Anleihen führen. Eine zu strenge Fiskalpolitik könnte das Wachstum allerdings bremsen, was die Zinssätze nach unten drücken würde.

So oder so werde es eine Gratwanderung sein. Es lohne sich auf jeden Fall, jede Gelegenheit zu nutzen, um die Duration im Jahr 2025 zu erhöhen. Staatsanleihen mit Investment-Grade-Qualität würden sich vor dem Hintergrund einer steiler verlaufenden Zinskurve immer als sicherer Hafen eignen.

Unternehmensanleihen hätten in den vergangenen zwei Jahren sehr gut rentiert - sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich. Bis Ende 2025 würden die Experten daher mit einer moderateren Entwicklung rechnen. Obwohl die Leitzinsen im Jahr 2024 gesenkt worden seien und die Spreads von Unternehmensanleihen unter ihren historischen Durchschnitt gefallen seien, seien die Experten dennoch optimistisch, da der Carry immer noch historisch attraktiv sei.

Die Ausfallraten dürften 2025 niedrig bleiben, weshalb sich die Bewertungen der Rating-Agenturen nicht allzu sehr verschlechtern dürften. Einige Sektoren wie Automobilhersteller und die Automobilzulieferer würden wahrscheinlich weiterhin unter Druck stehen. Insgesamt würden die Experten davon ausgehen, dass sich Unternehmensanleihen weiter positiv entwickeln würden - es sei denn, die Wirtschaftslage entwickele sich unerwartet schlecht, wovon die Experten aber nicht ausgehen würden. (17.12.2024/alc/a/a)