Gold- und Silberpreis an wichtiger Unterstützung vor erster Zinssenkung


05.06.24 12:15
SOLIT Gruppe

Wiesbaden (www.anleihencheck.de) - Der Goldpreis stieg in der letzten Handelswoche auf in der Spitze 2.364 US-Dollar an, konnte die Gewinne im Wochenverlauf jedoch nicht halten und fiel zurück auf die wichtige Unterstützung bei 2.330 US-Dollar, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

Der Silberpreis habe hingegen noch einmal das vorherige 11-Jahreshoch bei 32,50 US-Dollar erreicht. Ein Doppel-Top dort verkauften Spekulanten, sodass Silber erneut um zwei US-Dollar gefallen sei, und die Handelswoche bei 30,50 US-Dollar je Feinunze beendet habe. Damit hätten der Gold- sowie der Silberpreis wichtige charttechnische Unterstützungen erreicht. Würden diese Marken brechen, so dürfte sich die Korrektur am Edelmetallmarkt nach der starken Rallye der Vormonate erst einmal fortsetzen. Das Sentiment sei unterdessen unvermindert bullisch für Gold und Silber, wie die Terminmarktdaten der CFTC mit Extremwerten wie zuletzt in 2020 zeigen würden. Dies berge das große Risiko einer Korrektur und kurzfristig agierende Händler sollten sich bewusst sein, dass man auch einmal Gewinne mitnehmen sollte, wenn die Euphorie am Markt am größten sei.

Die Preisentwicklung der letzten Woche sei durch verschiedene Faktoren beeinflusst worden, die sowohl auf makroökonomischer als auch auf marktspezifischer Ebene zu finden seien. Ein wesentlicher Treiber für den Anstieg des Goldpreises seien die schwächer als erwartet ausgefallenen Daten zur US-Produktion gewesen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für Mai habe eine sich vertiefende Kontraktion im Verarbeitenden Gewerbe gezeigt, während die US-Bauausgaben im April den zweiten Monat in Folge überraschend zurückgegangen seien. Diese Entwicklungen hätten die Hoffnungen der Anleger genährt, dass die FED in diesem Jahr mehr Spielraum für Zinssenkungen habe.

Sinkende Zinsen würden zinsloses Gold als Anlage attraktiver machen und somit die Nachfrage erhöhen, was einen konjunkturellen Aufschwung nach sich ziehen könne. Das nächste Treffen der FED finde von Dienstag bis Mittwoch nächster Woche statt, wobei aktualisierte Wirtschafts- und Zinsprognosen für Händler und Investoren am Gold- und Devisenmarkt von Interesse sein würden.

Die Erwartung einer möglichen Zinssenkung habe auch zu einem Rückgang des US-Dollars auf ein Drei-Wochen-Tief geführt, während der Euro erneut auf über 1,09 US-Dollar habe ansteigen können. Auch die Renditen von US-Staatsanleihen seien unter Druck geraten und über das gesamte Laufzeitenspektrum unter ihre jeweiligen 50-Tage-Durchschnitte gefallen. Dies deute auf eine steigende Risikoaversion der Anleger hin, die in unsicheren Zeiten vermehrt sichere Anlagehäfen wie Gold oder Staatsanleihen ansteuern würden.

Ein weiterer Faktor, der den Goldpreis in der letzten Woche gestützt habe, sei die Erwartung gewesen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung am Donnerstag eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 3,75% beschließen dürfte. Die EZB wäre die erste große Zentralbank, die in diesem Zyklus diesen Schritt mache. Eine Zinssenkung im Euroraum dürfte den Euro gegenüber dem US-Dollar schwächen, während ein stärkerer US-Dollar den Goldpreis tendenziell belasten würde. Bisher habe sich der Euro zum US-Dollar bemerkenswert stark gehalten, doch könnte sich die Stimmung ändern, wenn die EZB vor der FED die Zinsen senke.

Auch wenn der US-Dollar immer wieder totgesagt werde, sei er noch immer die stärkste unter den Fiat-Währungen und von einer De-Dollarisierung der Weltwirtschaft sei im internationalen Handel noch nichts zu sehen. Im Gegenteil sei es der Euro, dessen Nutzung im internationalen Handel in den letzten zehn Jahren massiv zurückgegangen sei, während der US-Dollar seinen Marktanteil habe halten oder deutlich ausbauen können. Der prozentuale Anteil der US-Dollar-Währungsreserven der Notenbanken sei heute ebenso noch immer unverändert hoch und auch hier sei keine Flucht aus dem US-Dollar zu erkennen. Im krassen Gegensatz zum aktuell extrem pessimistischen Sentiment für den US-Dollar, wäre dieser in diesem Jahr zu einer fulminanten Rally fähig, was den Goldpreis tendenziell belasten würde.

Der Euro handele bei 1,09 US-Dollar in luftigen Höhen und eine Abwertung auf die Parität scheint im Jahresverlauf wahrscheinlich zu sein. Gerade Investoren im Euroraum sollten daher unvermindert jeden Rücksetzer im Goldpreis nutzen, um weitere Bestände aufzubauen oder Absicherungsgeschäfte gegen eine weitere Abwertung des Euro zu tätigen.

Insgesamt zeige sich weiterhin eine robuste Nachfrage am Goldmarkt. Diese Konstellation spreche für eine positive Tendenz des Goldpreises bis Jahresende, wenngleich die Unsicherheit über den weiteren Zinskurs der Notenbanken für eine gewisse Volatilität im Jahresverlauf sorgen dürfte. (05.06.2024/alc/a/a)





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