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Globaler Rentenausblick: Weder Schwarz noch Weiß


28.02.14 11:16
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Bei MFS haben wir viel über die relative Bewertung der einzelnen Rentenmarktsegmente diskutiert, so die Experten von MFS Investment Management.

Seit einiger Zeit schon würden die Experten zinssensitive Sektoren wie US-Staatsanleihen negativ einschätzen. Unabhängig davon falle es zurzeit schwer, eine klare Präferenz für das eine oder andere Rentenmarktsegment auszusprechen. Man habe es also hier mit verschiedenen Grauschattierungen zu tun und nicht mit Schwarz oder Weiß.

Warum sei es so schwierig geworden, sich klar für oder gegen die einzelnen Rentenmarktsegmente zu entscheiden?

Zum einen seien die absoluten Renditen nach Jahren einer extrem expansiven Geldpolitik und überdurchschnittlichen Entwicklung von Unternehmensanleihen heute so niedrig wie selten zuvor; und das trotz des recht deutlichen Anstiegs der amerikanischen Staatsanleiherenditen seit Mai 2013. Zum anderen seien alle Marktsegmente in ähnlicher Weise vom Anstieg der US-Staatsanleiherenditen betroffen, sodass Investoren im Jahr 2014 mit Anleihen voraussichtlich nur wenig verdienen würden. Drittens seien Viele Credit-Spreads heute so eng, dass sie sich bei schlechten Nachrichten deutlich stärker ausweiten würden, als sie bei guten Nachrichten zurückgehen könnten. Viertens gebe es in allen Sektoren Titel mit guten, schlechten und sehr schlechten Fundamentaldaten. Innerhalb der Sektoren seien die Aussichten also sehr unterschiedlich, sodass es letztlich auf die Einzelwertauswahl ankomme.

Die Bewertungen seien in den meisten Sektoren recht hoch und die Papiere nur selten weniger als fair bewertet. Die Herausforderung sei nun, auch in Zeiten steigender Zinsen vergleichsweise interessante Anleihen zu finden. Dennoch erscheinen den Experten von MFS Investment Management Credits insgesamt attraktiver als Papiere mit AAA-Rating, insbesondere aufgrund ihrer Spreads, die in Zeiten steigender Zinsen für einen Puffer sorgen können.

Doch eine Übergewichtung von Credits sei nicht frei von Risiken. Je höher die Papiere bewertet seien, desto korrekturanfälliger seien sie, wenn die Marktvolatilität irgendwann wieder steige. Angesichts hoher Bewertungen von Credits würden die Experten zur Vorsicht raten. Irgendwann werde es sinnvoll sein, zugunsten von Liquidität auf Rendite zu verzichten und in sichere US-Staatsanleihen zu investieren. Doch wenn fest stehe, dass es soweit sei, sei es vielleicht schon zu spät. Wenn dann alle gleichzeitig verkaufen wollten, werde die Liquidität nachlassen und die Verluste würden steigen. Dieses Verhalten sei seit der Finanzkrise zu beobachten, zumal die Broker aufgrund der aufsichtsrechtlichen Änderungen immer weniger bereit seien, hohe Bestände zu halten.

In Zeiten niedriger Volatilität würde der Verzicht auf Rendite zugunsten von Sicherheit eine unnötige Ertragseinbuße bedeuten. Vom Credit-Anteil könnte es abhängen, ob man Verlust mache oder zumindest noch einen leicht positiven Ertrag erziele. Ohne echte Argumente für einen neuerlichen Volatilitätsanstieg könnte es sich deshalb anbieten, verstärkt in Credits zu investieren.

Es gebe gute Gründe dafür, dass die Volatilität noch längere Zeit eher niedrig bleibe. Die Fundamentaldaten hätten sich verschlechtert. Sie seien aber durchweg gut. Selbst bei Titeln mit niedrigeren Ratings scheinen die Ausfallrisiken überschaubar, so die Experten von MFS Investment Management. Auch die Aktienbewertungen seien im Großen und Ganzen nicht besonders hoch. Das begrenze das Risiko eines vom Aktienmarkt ausgehenden Volatilitätsanstiegs. Hinzu komme, dass nach dem starken Renditeanstieg im letzten Jahr auch das Risiko einer Spreadausweitung aufgrund weiter steigender Renditen begrenzt sei.

Beim Risikomanagement von Rentenportfolios würden die Experten daher auf eine leichte Übergewichtung von Credits setzen. Dabei würden sie auf schwächere Titel, von deren Erfolg sie nicht überzeugt seien, sowie auf Papiere mit höherem Beta verzichten. Stattdessen würden die Experten Anleihen mit überdurchschnittlichen und stabilen Fundamentaldaten bevorzugen, an die sie langfristig glauben würden. Insgesamt gehen die Experten von MFS Investment Management weiter Risiken ein - allerdings geringere. Und sie würden abwarten, ob eine defensivere Positionierung gerechtfertigt erscheine. (28.02.2014/alc/a/a)