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Globaler Rentenausblick: Platzt die Rentenmarktblase?


18.07.13 15:56
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Schon seit einiger Zeit sind viele Investoren unzufrieden mit ihren Anleiheportfolios, so die Experten von MFS Investment Management.

In einer Welt voll Liquidität sei es nicht einfach, Titel mit ausreichend hohen laufenden Erträgen zu finden. Renditehungrige Investoren würden daher immer höhere Risiken eingehen - oft in nur wenig vertrauten Assetklassen. Hinzu komme, dass die historisch niedrigen Renditen irgendwann wieder steigen würden und diese "Normalisierung" naturgemäß mit Kursverlusten einhergehe.

Der schnelle Anstieg von Anleiherenditen auf ihre langfristigen Durchschnittswerte werde gemeinhin als das Platzen einer Rentenmarktblase bezeichnet. Früher seien Rentenmarktkorrekturen meist nur von kurzer Dauer und nicht besonders heftig gewesen - zumindest nicht gemessen an dem, was man von den Aktienmärkten gewohnt gewesen sei.

Diesmal könnte es aber anders kommen: In Zeiten sehr niedriger Renditen würden die Anleihemärkte besonders stark auf Zinsänderungen reagieren. Wir alle wissen, dass es irgendwann so weit sein wird oder möglicherweise sogar schon passiert, so die Experten von MFS Investment Management. Aber wann genau?

Die Antwort sei wichtig für die Asset-Allokation und die Ertragserwartungen. Wenn sich die Renditen schrittweise normalisieren würden, müssten auch die Experten nur schrittweise reagieren. Je nach dem, in welche Marktsegmente man investiert habe, würden sogar noch Gewinne denkbar scheinen. Aber bei einer heftigen Korrektur könnten selbst jene Anleihen Verluste verzeichnen, deren Renditen am höchsten seien und die deshalb einen gewissen Puffer bieten würden.

Genau das sei in den letzten Wochen an den Anleihemärkten geschehen. Aufgrund des wachsenden Konjunkturoptimismus in den USA hätten sich die Investoren immer intensiver mit der Ausstiegsstrategie der FED befasst. Die US-Staatsanleiherenditen seien gestiegen, weil die Marktteilnehmer zunächst weniger Anleihekäufe der FED, dann ein Ende des Quantitative Easing und schließlich auch ein Ende der lockeren Geldpolitik erwarten würden.

Allmählich würden die Marktteilnehmer auch beginnen, die Auswirkungen einer veränderten Geldpolitik der FED auf die Nachfrage nach Spread-Produkten zu berücksichtigen. In vielen Fällen hätten sich die Spreads im Zuge des Anstiegs der Staatsanleiherenditen ausgeweitet.

Üblicherweise seien Spreads und Staatsanleiherenditen negativ korreliert. Jetzt jedoch seien die Renditen von hochverzinslichen Titeln wie High-Yield-Anleihen und Emerging-Market-Anleihen sogar stärker gestiegen als die von Staatsanleihen. Das Gerede vom Ende des Quantitative Easing habe die Investoren veranlasst, einen Teil ihrer liquiditätsgetriebenen Risikopositionen abzubauen.

Wenn die extrem expansive Geldpolitik der letzten Jahre die Investoren tatsächlich dazu gebracht habe, aus den niedrig verzinslichen "sicheren Häfen‘" in risikoreichere Assetklassen zu wechseln, sei es nur zu logisch, dass die Aussicht auf eine Straffung der Geldpolitik genau das Gegenteil bewirke. Die Assetklassen, die am stärksten von der Finanzrepression profitiert hätten, dürften dann auch am stärksten unter einer Normalisierung leiden, wenn das große Interesse an riskanteren höherrentierlichen Papieren nachlasse.

Wenn eine wachsende Nachfrage als Kurstreiber ausfalle, sei es für spekulative Investoren naheliegend, Gewinne zu realisieren. Der Ausverkauf von Spread-Produkten habe nach Ansicht der Experten nichts mit den Fundamentaldaten dieser Papiere zu tun, denn die Kreditkennziffern würden alles in allem stabil bleiben. Entscheidend seien vielmehr technische Faktoren und die Positionierung der Investoren: das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, die Tatsache, dass einige Märkte überkauft seien, und natürlich die Liquidität.

Die Experten würden glauben, dass die Marktteilnehmer zu früh mit einer Normalisierung der Geldpolitik rechnen würden und die Anleihemärkte deshalb überreagiert hätten. Zwar scheine nach wie vor kein Rentenmarktsegment besonders billig, doch seien die Bewertungen jetzt attraktiver als vor den Äußerungen der FED - insbesondere die Bewertungen von Spread-Produkten.

Ein ungünstiges technisches Umfeld könnte zwar zu noch weiteren Spreads führen, weil "Übertreibungen‘", egal in welche Richtung, an den Finanzmärkten nicht ungewöhnlich seien. Dennoch: Wenn die Spreads insgesamt steigen würden, sei dies günstig für die Bewertung von Einzelwerten, bei denen den Experten der Spread-Anstieg nicht gerechtfertigt erscheine.

Die Portfoliomanager der Experten seien zurzeit bemüht, Marktverzerrungen zu nutzen, um die Titel auf ihren Kauflisten zu erwerben, also Papiere mit guten Fundamentaldaten, die bislang einfach zu teuer gewesen seien. Langfristig würden die Experten glauben, mit dieser Strategie Mehrwert für ihre Kunden zu schaffen. (18.07.2013/alc/a/a)