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Geopolitik treibt deutsche Renditen
21.02.25 08:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der T-Notes rentieren momentan bei 4,52%, während die deutschen Pendants bei 2,54% liegen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Auch in dieser Woche hätten geopolitische Themen bei der Entwicklung der langfristigen Zinsen im Fokus gestanden. Die Renditen der 10-jährigen deutschen Anleihen seien im Vergleich zum Ende der Vorwoche um rund 10 Basispunkte gestiegen, wohingegen sich die US-Anleihen nach etwas Volatilität im Wochenverlauf etwa auf dem Niveau vom Ende der Vorwoche eingependelt hätten. Die deutschen Anleihen würden somit auf einem dreiwöchigen Hoch rentieren. Die Woche habe bisher ganz im Zeichen der Friedensverhandlungen zwischen den USA und Russland im Ukraine-Konflikt gestanden. Hochrangige Vertreter der beiden Nationen wie die Außenminister Rubio und Lawrow hätten am Montag in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad zusammengefunden, um erstmals in ernsthafte Verhandlungen zu treten.
Im Vorfeld habe US-Präsident Trump bereits einige Zugeständnisse in Richtung Putin gemacht, indem er unter anderem einen Nato-Beitritt der Ukraine sowie eine Rückkehr der Ukraine in die von Russland besetzten Gebiete ausgeschlossen habe. Europäische und ukrainische Vertreter hätten an den Verhandlungen in Riad nicht teilgenommen. Dennoch seien europäische Spitzenpolitiker am Montag in Paris zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen in der Ukraine zu beraten. Das Treffen sei jedoch ohne konkrete Maßnahmen geendet. Die Aussicht auf strukturell höhere Rüstungsausgaben und deren potenzielle preistreibende Wirkung sowie eine vermehrte Emission von Schuldtiteln dürfte die Renditen in der Eurozone in dieser Woche getrieben haben. Außerdem habe sich EZB-Direktorin Isabell Schnabel relativ hawkish geäußert.
In den USA sei neben der Geopolitik weiterhin die Handelspolitik im Mittelpunkt gestanden. US-Präsident Donald Trump habe angekündigt, dass er plane, einen Zoll von 25 Prozent auf importierte Autos zu erheben. "Ich werde es Ihnen wahrscheinlich am 2. April mitteilen, aber es wird etwa 25 Prozent betragen", habe Trump gesagt. Letzte Woche habe er ein Dokument zur Vorbereitung sogenannter reziproker Zölle unterzeichnet. Trump sei der Meinung, dass die USA im internationalen Handel benachteiligt seien. Diese Gegenzölle würden bedeuten, dass die USA ihre Zölle dort erhöhen würden, wo sie derzeit niedriger seien als die ihrer Handelspartner. Bisher hätten die USA einen Zollsatz von 2,5 Prozent auf Pkw-Importe aus der EU erhoben, während der EU-Zollsatz bei zehn Prozent gelegen habe. Trump plane auch, Zölle auf Pharmazeutika und Halbleiterchips zu erheben. Außerdem habe er die Mehrwertsteuer der EU ins Visier genommen, die er als eine Art Handelshemmnis sehe, da sie US-Unternehmen benachteiligen würde. Er plane nun, diese Steuern in seine Zölle einzubeziehen, um das angebliche Handelsungleichgewicht zu korrigieren.
Vonseiten der US-Notenbank sei in dieser Woche auf die Fed Minutes hinzuweisen, aus denen hervorgegangen sei, dass das hohe Maß an Unsicherheit bei der weiteren Anpassung der Geldpolitik einen vorsichtigen Ansatz rechtfertige, womit eine Senkung beim nächsten Zinsentscheid am 19. März vom Tisch zu sein scheine. Im Euroraum habe ein Interview von Direktoriumsmitglied Schnabel für Aufsehen gesorgt. Sie habe in der Financial Times gefordert, dass ab sofort die Debatte über ein Ende des Zinssenkungszyklus in der Eurozone starten sollte, und sich damit für ein deutlich hawkisches Vorgehen ausgesprochen. Angesprochen auf den neutralen Zins, der in der vergangenen Woche in den Fokus der Analysten gerückt sei, nachdem ein neues Paper der EZB diesen relativ niedrig im Bereich zwischen 1,75 und 2,25% verortet habe, habe Schnabel gemeint, dieser sei "misleading". Ein neutraler Zins in diesem Bereich gäbe der EZB noch einiges an Spielraum für weitere Zinsschritte nach unten, um von restriktiver zu neutraler Geldpolitik überzugehen.
Die konjunkturelle Lage in den USA scheine sich am aktuellen Rand etwas abzuschwächen. Der Arbeitsmarkt habe sich wohl etwas abgeschwächt, wie die Veröffentlichung der Nonfarm Payrolls und der JOLTS in den letzten Wochen gezeigt habe. Am Freitag seien dann sowohl die Einzelhandels- als auch die Industrieproduktionsdaten erschienen. Die Einzelhandelsumsätze in den USA seien im Januar 2025 um 0,9% gegenüber dem Vormonat zurückgegangen, deutlich schlechter als die Prognosen eines Rückgangs von 0,1% und nach einem nach oben korrigierten Anstieg von 0,7% im Dezember. Dies sei der größte Rückgang der Einzelhandelsumsätze seit März 2023 gewesen, wobei schlechtes Wetter und Brände in Los Angeles die Verbraucherausgaben belastet hätten. Positiv überrascht habe hingegen die Industrieproduktion, die im Januar 2025 um 0,5% gestiegen sei und damit die Markterwartungen von 0,3% übertroffen habe, nach einem bereits nach oben korrigierten Anstieg von 1% im Dezember.
Ein wesentlicher Treiber dieses Wachstums sei ein Beitrag von 0,2 Prozentpunkten aus der Produktion von Flugzeugen und Teilen gewesen, nachdem ein Arbeitsstopp bei einem großen Flugzeughersteller zuvor beendet worden sei. Auch die Produktion von Versorgungsunternehmen sei um 7,2% gesprungen, da die Produktion von Elektrizitäts- und Erdgasversorgungsunternehmen um 6,1% bzw. 15,4% zugenommen habe.
Am Sonntag (23.02.) stünden die Bundestagswahlen in Deutschland an und würden vermutlich in der kommenden Woche die Märkte bewegen. Datenseitig sei auf die Frühindikatoren bzw. den HCOB Flash PMIs (21.02.) sowie den Ifo-Geschäftsklimaindex am Montag (24.03.) zu achten. In den USA stünden die Auftragseingänge langlebiger Güter am Donnerstag (27.02.) sowie die PCE-Inflationsdaten am Freitag (28.02.) an, die von besonderer Bedeutung für das weitere Vorgehen der Fed sein sollten. Außerdem würden heute die Außenminister und nächste Woche die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 in Südafrika zusammentreffen. Es werde berichtet, dass aus den USA weder Finanzminister Scott Bessent noch Außenminister Marco Rubio teilnehmen würden. Eine solche Entscheidung wäre höchst ungewöhnlich, da die USA traditionell eine führende Rolle bei den G20-Treffen einnähmen. Dennoch entspreche es Trumps Vorgehensweise, transnationalen Institutionen und Treffen eine geringere Bedeutung beizumessen als bilateralen Gesprächen. (Ausgabe vom 20.02.2025) (21.02.2025/alc/a/a)
Auch in dieser Woche hätten geopolitische Themen bei der Entwicklung der langfristigen Zinsen im Fokus gestanden. Die Renditen der 10-jährigen deutschen Anleihen seien im Vergleich zum Ende der Vorwoche um rund 10 Basispunkte gestiegen, wohingegen sich die US-Anleihen nach etwas Volatilität im Wochenverlauf etwa auf dem Niveau vom Ende der Vorwoche eingependelt hätten. Die deutschen Anleihen würden somit auf einem dreiwöchigen Hoch rentieren. Die Woche habe bisher ganz im Zeichen der Friedensverhandlungen zwischen den USA und Russland im Ukraine-Konflikt gestanden. Hochrangige Vertreter der beiden Nationen wie die Außenminister Rubio und Lawrow hätten am Montag in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad zusammengefunden, um erstmals in ernsthafte Verhandlungen zu treten.
Im Vorfeld habe US-Präsident Trump bereits einige Zugeständnisse in Richtung Putin gemacht, indem er unter anderem einen Nato-Beitritt der Ukraine sowie eine Rückkehr der Ukraine in die von Russland besetzten Gebiete ausgeschlossen habe. Europäische und ukrainische Vertreter hätten an den Verhandlungen in Riad nicht teilgenommen. Dennoch seien europäische Spitzenpolitiker am Montag in Paris zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen in der Ukraine zu beraten. Das Treffen sei jedoch ohne konkrete Maßnahmen geendet. Die Aussicht auf strukturell höhere Rüstungsausgaben und deren potenzielle preistreibende Wirkung sowie eine vermehrte Emission von Schuldtiteln dürfte die Renditen in der Eurozone in dieser Woche getrieben haben. Außerdem habe sich EZB-Direktorin Isabell Schnabel relativ hawkish geäußert.
Vonseiten der US-Notenbank sei in dieser Woche auf die Fed Minutes hinzuweisen, aus denen hervorgegangen sei, dass das hohe Maß an Unsicherheit bei der weiteren Anpassung der Geldpolitik einen vorsichtigen Ansatz rechtfertige, womit eine Senkung beim nächsten Zinsentscheid am 19. März vom Tisch zu sein scheine. Im Euroraum habe ein Interview von Direktoriumsmitglied Schnabel für Aufsehen gesorgt. Sie habe in der Financial Times gefordert, dass ab sofort die Debatte über ein Ende des Zinssenkungszyklus in der Eurozone starten sollte, und sich damit für ein deutlich hawkisches Vorgehen ausgesprochen. Angesprochen auf den neutralen Zins, der in der vergangenen Woche in den Fokus der Analysten gerückt sei, nachdem ein neues Paper der EZB diesen relativ niedrig im Bereich zwischen 1,75 und 2,25% verortet habe, habe Schnabel gemeint, dieser sei "misleading". Ein neutraler Zins in diesem Bereich gäbe der EZB noch einiges an Spielraum für weitere Zinsschritte nach unten, um von restriktiver zu neutraler Geldpolitik überzugehen.
Die konjunkturelle Lage in den USA scheine sich am aktuellen Rand etwas abzuschwächen. Der Arbeitsmarkt habe sich wohl etwas abgeschwächt, wie die Veröffentlichung der Nonfarm Payrolls und der JOLTS in den letzten Wochen gezeigt habe. Am Freitag seien dann sowohl die Einzelhandels- als auch die Industrieproduktionsdaten erschienen. Die Einzelhandelsumsätze in den USA seien im Januar 2025 um 0,9% gegenüber dem Vormonat zurückgegangen, deutlich schlechter als die Prognosen eines Rückgangs von 0,1% und nach einem nach oben korrigierten Anstieg von 0,7% im Dezember. Dies sei der größte Rückgang der Einzelhandelsumsätze seit März 2023 gewesen, wobei schlechtes Wetter und Brände in Los Angeles die Verbraucherausgaben belastet hätten. Positiv überrascht habe hingegen die Industrieproduktion, die im Januar 2025 um 0,5% gestiegen sei und damit die Markterwartungen von 0,3% übertroffen habe, nach einem bereits nach oben korrigierten Anstieg von 1% im Dezember.
Ein wesentlicher Treiber dieses Wachstums sei ein Beitrag von 0,2 Prozentpunkten aus der Produktion von Flugzeugen und Teilen gewesen, nachdem ein Arbeitsstopp bei einem großen Flugzeughersteller zuvor beendet worden sei. Auch die Produktion von Versorgungsunternehmen sei um 7,2% gesprungen, da die Produktion von Elektrizitäts- und Erdgasversorgungsunternehmen um 6,1% bzw. 15,4% zugenommen habe.
Am Sonntag (23.02.) stünden die Bundestagswahlen in Deutschland an und würden vermutlich in der kommenden Woche die Märkte bewegen. Datenseitig sei auf die Frühindikatoren bzw. den HCOB Flash PMIs (21.02.) sowie den Ifo-Geschäftsklimaindex am Montag (24.03.) zu achten. In den USA stünden die Auftragseingänge langlebiger Güter am Donnerstag (27.02.) sowie die PCE-Inflationsdaten am Freitag (28.02.) an, die von besonderer Bedeutung für das weitere Vorgehen der Fed sein sollten. Außerdem würden heute die Außenminister und nächste Woche die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 in Südafrika zusammentreffen. Es werde berichtet, dass aus den USA weder Finanzminister Scott Bessent noch Außenminister Marco Rubio teilnehmen würden. Eine solche Entscheidung wäre höchst ungewöhnlich, da die USA traditionell eine führende Rolle bei den G20-Treffen einnähmen. Dennoch entspreche es Trumps Vorgehensweise, transnationalen Institutionen und Treffen eine geringere Bedeutung beizumessen als bilateralen Gesprächen. (Ausgabe vom 20.02.2025) (21.02.2025/alc/a/a)


