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Gelingt das Soft Landing?
08.10.24 12:00
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für eine sanfte Landung der US-Wirtschaft nach der ersten, durchaus deutlichen Zinssenkung der Fed als Hauptszenario für die meisten Marktteilnehmer noch zugenommen hat, so bleibt es eine in der Historie nur selten gelungene Konstellation nach einem abgeschlossenen Zinszyklus, so Karin Kunrath, CIO Raiffeisen Capital Management.
Man müsste bis ins Jahr 1995 zurückgehen, um ein vergleichbares Szenario zu finden, als sich der Leitzins der Notenbank zuvor von drei auf sechs Prozent binnen zwölf Monaten verdoppelt, sich danach jedoch keine Rezession mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt eingestellt habe. Bei aller Vorsicht mit historischen Vergleichen, könnte man die enormen Investitionen der 1990er Jahre in die Internet- und Mobilfunktechnologie mit dem jüngsten Investitionsschub im allgemeinen Ausbau der Digitalisierung sowie insbesondere in die AI-Technologie gleichsetzen, jeweils mit der Perspektive, dass deutliche Produktivitätsschübe generiert würden.
Aber auch strukturelle Ursachen könnten dafür sorgen, dass nach dreißig Jahren das Kunststück eines Soft Landings tatsächlich wieder gelingen könnte, denn die Gesamtwirtschaft hätte sich in diesem Zeitraum - je nach Region mehr oder weniger deutlich - von den Industriesektoren weiter in Richtung der Dienstleistungsbranchen verlagert. Dementsprechend würde die Divergenz zwischen den seit geraumer Zeit tendenziell negativen Frühindikatoren im verarbeitenden Gewerbe und den bis dato anhaltend positiven Signalen im Servicebereich erklärt werden können.
So ließe sich auch erklären, dass insbesondere die US-Wirtschaft nach wie vor ein robustes Wirtschaftswachstum aufweise, obwohl auch dort der Produktionsbereich schwächele. Generell würden Risikofaktoren nicht fehlen, die eine globale Rezession, wenn auch zeitverzögert und trotz aller Bemühungen der Notenbanken, doch noch auslösen könnten. Neben den weiter eskalierenden geopolitischen Konflikten, die jederzeit das Potential hätten, das globale Wirtschaftsgeschehen gehörig negativ zu beeinflussen, könnten auch über einen längeren Zeitraum unterbrochene Lieferketten für Preisdruck und damit neue Irritationen sorgen. Zumindest kurzfristig wäre auch eine, wie auch immer geartete, erhöhte Unsicherheit im Zuge der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten nicht zu vernachlässigen.
Die Renditen von EUR-Staatsanleihen würden nach Einschätzung der Experten weiter sinken. Die Experten würden sich daher nicht nur in Richtung sinkender Renditen deutscher Staatsanleihen positionieren, sondern auch in Erwartung sinkender Risikoprämien von Staatsanleihen aus Frankreich und Italien gegenüber deutschen Staatsanleihen. Bei US- und kanadischen Anleihen wären die Experten aktuell zurückhaltend, da sie am EUR-Markt stärkere Renditerückgänge erwarten würden als in Übersee, wo die wirtschaftliche Lage spürbar besser sei.
Die Experten blieben weiterhin positiv in Bezug auf EUR Investmentgrade-Unternehmensanleihen, würden jedoch ihre Position moderat reduzieren. Die Credit Spreads von EUR High-Yield- und Investmentgrade-Unternehmensanleihen hätten zuletzt keine neuen Tiefs gefunden, und Gewinnwarnungen würden sich langsam verbreiten. Gleichzeitig würden die Experten zunehmend negative Gewinnrevisionen beobachten. Die Kennzahlen des Schuldendiensts des Unternehmenssektors würden sich jedoch nach wie vor sehr solide präsentieren, trotzdem würden die Experten hier etwas Vorsicht walten lassen und Gewinne mitnehmen.
Die Risikoprämien von Schwellenländer-Hartwährungsanleihen wären zuletzt deutlich gesunken. Die Experten würden diese Anleiheklasse relativ zu anderen Spread-Assets nach wie vor als attraktiv erachten. Innerhalb der Emerging Markets würde sich in erster Linie China relativ zu anderen asiatischen Schwellenländern auf der schwachen Seite präsentieren. Konjunkturindikatoren wären zuletzt deutlich unter den Erwartungen veröffentlicht worden (Exporte, PMI's etc.). Dies könnte jedoch auch weitere staatliche Stimulus-Maßnahmen erwarten lassen.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen unverändert sehr fest präsentiert. Für Unterstützung hätte dabei eine abermals sehr gute Berichtssaison gesorgt, die erneut mehrheitlich positive Überraschungen gebracht hätte. Die Indikatoren der Experten würden aktuell ein sehr uneinheitliches Bild zeigen, und auch die geopolitischen Eskalationen der letzten Tage würden ihre aktuell neutrale Ausrichtung unterstützen.
Die Ankündigungen der chinesischen Regierung bezüglich Stimulus und Lockerung der Liquidität hätten zu starken Kursanstiegen bei chinesischen Aktien geführt. Dies hätte selbstverständlich auch dazu beigetragen, dass sich die Emerging Markets seit Mitte September deutlich besser entwickelt hätten als ihre Pendants aus den entwickelten Ländern. Dennoch hätte man damit im September gerade mal die Underperformance des Jahres aufholen können. Von einem stabilen Trend könne also weiterhin nicht gesprochen werden.
Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich in den letzten Wochen deutlich stärker präsentiert. Die zyklischen Industriemetalle hätten vom Stimulusprogramm in China profitieren können, während Energierohstoffe und insbesondere Edelmetalle von den geopolitischen Eskalationen profitiert hätten. (08.10.2024/alc/a/a)
Man müsste bis ins Jahr 1995 zurückgehen, um ein vergleichbares Szenario zu finden, als sich der Leitzins der Notenbank zuvor von drei auf sechs Prozent binnen zwölf Monaten verdoppelt, sich danach jedoch keine Rezession mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt eingestellt habe. Bei aller Vorsicht mit historischen Vergleichen, könnte man die enormen Investitionen der 1990er Jahre in die Internet- und Mobilfunktechnologie mit dem jüngsten Investitionsschub im allgemeinen Ausbau der Digitalisierung sowie insbesondere in die AI-Technologie gleichsetzen, jeweils mit der Perspektive, dass deutliche Produktivitätsschübe generiert würden.
Aber auch strukturelle Ursachen könnten dafür sorgen, dass nach dreißig Jahren das Kunststück eines Soft Landings tatsächlich wieder gelingen könnte, denn die Gesamtwirtschaft hätte sich in diesem Zeitraum - je nach Region mehr oder weniger deutlich - von den Industriesektoren weiter in Richtung der Dienstleistungsbranchen verlagert. Dementsprechend würde die Divergenz zwischen den seit geraumer Zeit tendenziell negativen Frühindikatoren im verarbeitenden Gewerbe und den bis dato anhaltend positiven Signalen im Servicebereich erklärt werden können.
So ließe sich auch erklären, dass insbesondere die US-Wirtschaft nach wie vor ein robustes Wirtschaftswachstum aufweise, obwohl auch dort der Produktionsbereich schwächele. Generell würden Risikofaktoren nicht fehlen, die eine globale Rezession, wenn auch zeitverzögert und trotz aller Bemühungen der Notenbanken, doch noch auslösen könnten. Neben den weiter eskalierenden geopolitischen Konflikten, die jederzeit das Potential hätten, das globale Wirtschaftsgeschehen gehörig negativ zu beeinflussen, könnten auch über einen längeren Zeitraum unterbrochene Lieferketten für Preisdruck und damit neue Irritationen sorgen. Zumindest kurzfristig wäre auch eine, wie auch immer geartete, erhöhte Unsicherheit im Zuge der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten nicht zu vernachlässigen.
Die Experten blieben weiterhin positiv in Bezug auf EUR Investmentgrade-Unternehmensanleihen, würden jedoch ihre Position moderat reduzieren. Die Credit Spreads von EUR High-Yield- und Investmentgrade-Unternehmensanleihen hätten zuletzt keine neuen Tiefs gefunden, und Gewinnwarnungen würden sich langsam verbreiten. Gleichzeitig würden die Experten zunehmend negative Gewinnrevisionen beobachten. Die Kennzahlen des Schuldendiensts des Unternehmenssektors würden sich jedoch nach wie vor sehr solide präsentieren, trotzdem würden die Experten hier etwas Vorsicht walten lassen und Gewinne mitnehmen.
Die Risikoprämien von Schwellenländer-Hartwährungsanleihen wären zuletzt deutlich gesunken. Die Experten würden diese Anleiheklasse relativ zu anderen Spread-Assets nach wie vor als attraktiv erachten. Innerhalb der Emerging Markets würde sich in erster Linie China relativ zu anderen asiatischen Schwellenländern auf der schwachen Seite präsentieren. Konjunkturindikatoren wären zuletzt deutlich unter den Erwartungen veröffentlicht worden (Exporte, PMI's etc.). Dies könnte jedoch auch weitere staatliche Stimulus-Maßnahmen erwarten lassen.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen unverändert sehr fest präsentiert. Für Unterstützung hätte dabei eine abermals sehr gute Berichtssaison gesorgt, die erneut mehrheitlich positive Überraschungen gebracht hätte. Die Indikatoren der Experten würden aktuell ein sehr uneinheitliches Bild zeigen, und auch die geopolitischen Eskalationen der letzten Tage würden ihre aktuell neutrale Ausrichtung unterstützen.
Die Ankündigungen der chinesischen Regierung bezüglich Stimulus und Lockerung der Liquidität hätten zu starken Kursanstiegen bei chinesischen Aktien geführt. Dies hätte selbstverständlich auch dazu beigetragen, dass sich die Emerging Markets seit Mitte September deutlich besser entwickelt hätten als ihre Pendants aus den entwickelten Ländern. Dennoch hätte man damit im September gerade mal die Underperformance des Jahres aufholen können. Von einem stabilen Trend könne also weiterhin nicht gesprochen werden.
Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich in den letzten Wochen deutlich stärker präsentiert. Die zyklischen Industriemetalle hätten vom Stimulusprogramm in China profitieren können, während Energierohstoffe und insbesondere Edelmetalle von den geopolitischen Eskalationen profitiert hätten. (08.10.2024/alc/a/a)


