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Gegenwind am Rentenmarkt bläst mittelstark bis kräftig
28.01.22 13:30
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Stimmung der Anleger an den internationalen Kapitalmärkten hat sich seit Jahresbeginn deutlich eingetrübt, so die Analysten der Weberbank.
Von der Euphorie des Jahres 2021 sei zuletzt nicht mehr viel zu spüren gewesen. Was es damit auf sich habe, und wie die Analysten die Lage an den Märkten einschätzen würden, könne in der neuen Ausgabe von "Finanzmarkt aktuell" gelesen werden.
Das neue Börsenjahr sei noch jung, aber dennoch seien die Sorgenfalten bei vielen Anlegern bereits tief. Die Liste der Reizthemen habe es allerdings auch in sich. Man könne mit der Inflation anfangen. Bekanntlich steige die Inflation seit Wochen an und habe inzwischen Werte erreicht, die wohl außerhalb der Komfortzone eines jeden Notenbankers liegen dürfte: 5 Prozent im Euroraum und nahezu 7 Prozent in den USA. Das eigentlich Überraschende hieran seien aber nicht so sehr die Werte an sich, sondern die Reaktion der Zentralbanker auf eben diese. Allen voran die US-Notenbank FED halte die hohe Inflation nicht mehr für temporär, sondern für hartnäckig. Binnen kurzer Zeit habe sich damit ihre Einschätzung und auch die der Europäischen Zentralbank deutlich gewandelt.
Es sei nunmehr klar: Die Geldpolitik drehe und die Zeiten von tiefen Leitzinsen sowie milliardenschweren Anleihekäufen würden sich langsam aber sicher dem Ende entgegenneigen. Diese Erkenntnisse seien allerdings nicht ganz neu, sondern seit der Sitzung der US-Notenbank FED im Oktober 2021 wohl bekannt. Unbekannt sei bislang aber noch gewesen, wie schnell die Straffung der Geldpolitik in den USA und später dann auch in Europa erfolgen würde. Zumindest die FED habe bei diesem Thema nun für etwas mehr Klarheit gesorgt.
Am Mittwoch dieser Woche habe sich der FED-Chef Jerome Powell abermals zu den Möglichkeiten mehrerer Leitzinsanhebungen, eines Stopps der Anleihekäufe und sogar einer Reduzierung der Bilanzsumme noch in diesem Jahr geäußert. Letzteres habe die Analysten, wie auch viele andere Marktbeobachter, überrascht, verdeutliche es doch, dass die FED es eiliger mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik haben könnte als bislang gedacht. Ein Umstand, den es im Auge zu behalten gelte.
Es gebe wahrlich bessere Nachrichten für Anleiheinvestoren als die Aussicht auf steigende Leitzinsen und schwindende Anleihekäufe der Zentralbanken. Und so verwundere es auch nicht, dass die Kurse von Rentenpapieren seit einigen Wochen beständig fallen und die sich gegenläufig entwickelnden Renditen steigen würden.
Für zusätzliche Verstimmung bei Anlegern habe zuletzt die Verschärfung des Ukraine-Konflikts gesorgt. Die Fronten zwischen der Nato und Russland hätten sich weiter verhärtet und ein Ende der Eskalationsspirale sei momentan nicht absehbar. Vieles scheine möglich und weitere Sanktionen seien wohl unausweichlich. Das Szenario eines Stopps der russischen Gas- und Öllieferungen nach Europa sei denkbar. Die Folge wären weiter steigende Energiepreise, die wiederum die Inflation und die Anleiherenditen zumindest temporär weiter nach oben treiben dürften.
In nächster Zeit könnte es also weiter ungemütlich an den Rentenmärkten bleiben, weshalb die Analysten aktuell größere Laufzeitenrisiken in den Rentenportfolien vermeiden würden. Stattdessen würden die Analysten es weiter für empfehlenswert halten, auf inflationsgeschützte Anleihen und Rentenpapiere mit vergleichsweise kurzen Laufzeiten, aber attraktiven Renditeaufschlägen zu setzen. Hierzu würden beispielsweise Unternehmensanleihen mittlerer Bonität aus den Industrie- und Schwellenländern zählen.
Die Aktienmärkte hätten einen klassischen Fehlstart im neuen Jahr hingelegt. Pünktlich mit dem Jahreswechsel sei es mit den Kursen bergab gegangen. Die Talfahrt habe sich nach den jüngsten Äußerungen der US-Notenbank noch beschleunigt. Besonders betroffen seien sogenannte Wachstumswerte, womit Aktien von Unternehmen gemeint seien, deren Gewinne vor allem in ferner Zukunft vermutet würden. Ein prominentes Beispiel seien Technologietitel, deren Leitbarometer, die US-amerikanische NASDAQ 100, seit Jahresanfang rund 13 Prozent verloren habe. Demgegenüber würden die Kursrückgänge am europäischen Aktienmarkt vergleichsweise überschaubar ausfallen.
Zurzeit würden Anleger offensichtlich aus Sorge vor steigenden Zinsen einen großen Bogen um Aktien machen. Vorsicht sei in der Tat angebracht, übermäßiger Pessimismus aber nicht. Im Gegenteil: Aktuelle Unternehmensumfragen würden zeigen, dass die Konjunkturaussichten weiter sehr positiv eingeschätzt würden. Das Wirtschaftswachstum werde in diesem Jahr voraussichtlich überdurchschnittlich hoch ausfallen. Entsprechend würden die Analysten für die Entwicklung der Unternehmensgewinne einen Zuwachs im hohen einstelligen Prozentbereich erwarten.
In diesem Zusammenhang würden die Analysten Aktien aus den Bereichen zyklischer Konsum, Finanzen, Technologie und zunehmend auch Schwellenländeraktien für besonders attraktiv halten. Auch hätten sich die Aktienbewertungen im Zuge der Kurskorrektur der letzten Tage deutlich ermäßigt und würden nun zumeist nicht mehr auf teuren Niveaus handeln. Die relative Attraktivität von Aktien habe sich dadurch erhöht, und die Kursentwicklung in den kommenden Wochen sollte somit gut unterstützt bleiben. Es sei aber davon auszugehen, dass das Jahr 2022 von weiteren Kursschwankungen geprägt sein werde, da die genannten Risikothemen weiterhin präsent bleiben würden. (28.01.2022/alc/a/a)
Von der Euphorie des Jahres 2021 sei zuletzt nicht mehr viel zu spüren gewesen. Was es damit auf sich habe, und wie die Analysten die Lage an den Märkten einschätzen würden, könne in der neuen Ausgabe von "Finanzmarkt aktuell" gelesen werden.
Das neue Börsenjahr sei noch jung, aber dennoch seien die Sorgenfalten bei vielen Anlegern bereits tief. Die Liste der Reizthemen habe es allerdings auch in sich. Man könne mit der Inflation anfangen. Bekanntlich steige die Inflation seit Wochen an und habe inzwischen Werte erreicht, die wohl außerhalb der Komfortzone eines jeden Notenbankers liegen dürfte: 5 Prozent im Euroraum und nahezu 7 Prozent in den USA. Das eigentlich Überraschende hieran seien aber nicht so sehr die Werte an sich, sondern die Reaktion der Zentralbanker auf eben diese. Allen voran die US-Notenbank FED halte die hohe Inflation nicht mehr für temporär, sondern für hartnäckig. Binnen kurzer Zeit habe sich damit ihre Einschätzung und auch die der Europäischen Zentralbank deutlich gewandelt.
Es sei nunmehr klar: Die Geldpolitik drehe und die Zeiten von tiefen Leitzinsen sowie milliardenschweren Anleihekäufen würden sich langsam aber sicher dem Ende entgegenneigen. Diese Erkenntnisse seien allerdings nicht ganz neu, sondern seit der Sitzung der US-Notenbank FED im Oktober 2021 wohl bekannt. Unbekannt sei bislang aber noch gewesen, wie schnell die Straffung der Geldpolitik in den USA und später dann auch in Europa erfolgen würde. Zumindest die FED habe bei diesem Thema nun für etwas mehr Klarheit gesorgt.
Am Mittwoch dieser Woche habe sich der FED-Chef Jerome Powell abermals zu den Möglichkeiten mehrerer Leitzinsanhebungen, eines Stopps der Anleihekäufe und sogar einer Reduzierung der Bilanzsumme noch in diesem Jahr geäußert. Letzteres habe die Analysten, wie auch viele andere Marktbeobachter, überrascht, verdeutliche es doch, dass die FED es eiliger mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik haben könnte als bislang gedacht. Ein Umstand, den es im Auge zu behalten gelte.
Für zusätzliche Verstimmung bei Anlegern habe zuletzt die Verschärfung des Ukraine-Konflikts gesorgt. Die Fronten zwischen der Nato und Russland hätten sich weiter verhärtet und ein Ende der Eskalationsspirale sei momentan nicht absehbar. Vieles scheine möglich und weitere Sanktionen seien wohl unausweichlich. Das Szenario eines Stopps der russischen Gas- und Öllieferungen nach Europa sei denkbar. Die Folge wären weiter steigende Energiepreise, die wiederum die Inflation und die Anleiherenditen zumindest temporär weiter nach oben treiben dürften.
In nächster Zeit könnte es also weiter ungemütlich an den Rentenmärkten bleiben, weshalb die Analysten aktuell größere Laufzeitenrisiken in den Rentenportfolien vermeiden würden. Stattdessen würden die Analysten es weiter für empfehlenswert halten, auf inflationsgeschützte Anleihen und Rentenpapiere mit vergleichsweise kurzen Laufzeiten, aber attraktiven Renditeaufschlägen zu setzen. Hierzu würden beispielsweise Unternehmensanleihen mittlerer Bonität aus den Industrie- und Schwellenländern zählen.
Die Aktienmärkte hätten einen klassischen Fehlstart im neuen Jahr hingelegt. Pünktlich mit dem Jahreswechsel sei es mit den Kursen bergab gegangen. Die Talfahrt habe sich nach den jüngsten Äußerungen der US-Notenbank noch beschleunigt. Besonders betroffen seien sogenannte Wachstumswerte, womit Aktien von Unternehmen gemeint seien, deren Gewinne vor allem in ferner Zukunft vermutet würden. Ein prominentes Beispiel seien Technologietitel, deren Leitbarometer, die US-amerikanische NASDAQ 100, seit Jahresanfang rund 13 Prozent verloren habe. Demgegenüber würden die Kursrückgänge am europäischen Aktienmarkt vergleichsweise überschaubar ausfallen.
Zurzeit würden Anleger offensichtlich aus Sorge vor steigenden Zinsen einen großen Bogen um Aktien machen. Vorsicht sei in der Tat angebracht, übermäßiger Pessimismus aber nicht. Im Gegenteil: Aktuelle Unternehmensumfragen würden zeigen, dass die Konjunkturaussichten weiter sehr positiv eingeschätzt würden. Das Wirtschaftswachstum werde in diesem Jahr voraussichtlich überdurchschnittlich hoch ausfallen. Entsprechend würden die Analysten für die Entwicklung der Unternehmensgewinne einen Zuwachs im hohen einstelligen Prozentbereich erwarten.
In diesem Zusammenhang würden die Analysten Aktien aus den Bereichen zyklischer Konsum, Finanzen, Technologie und zunehmend auch Schwellenländeraktien für besonders attraktiv halten. Auch hätten sich die Aktienbewertungen im Zuge der Kurskorrektur der letzten Tage deutlich ermäßigt und würden nun zumeist nicht mehr auf teuren Niveaus handeln. Die relative Attraktivität von Aktien habe sich dadurch erhöht, und die Kursentwicklung in den kommenden Wochen sollte somit gut unterstützt bleiben. Es sei aber davon auszugehen, dass das Jahr 2022 von weiteren Kursschwankungen geprägt sein werde, da die genannten Risikothemen weiterhin präsent bleiben würden. (28.01.2022/alc/a/a)


