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GAM-Expertin Amy Kam: Vision 2020 für chinesische Anleihen


22.10.19 12:15
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Chinas inländischer Anleihenmarkt ist der drittgrößte der Welt, so Amy Kam, Investmentmanagerin im globalen Fixed Income Team bei GAM mit Schwerpunkt auf die asiatischen Anleihemärkte.

Die JP Morgan GBI-EM Indices würden zu den meistverwendeten Indices ihrer Art zählen. Im Februar 2020 würden sich diese zwei Schwergewichte zusammenschließen, wenn JP Morgan beginne, China schrittweise in seine Indices für Schwellenländer-Staatsanleihen aufzunehmen. Durch die Anfang September bekannt gegebene Aufnahme würden Erwartungen zufolge Monat für Monat rund 3 Milliarden USD in Chinas Anleihenmarkt fließen.

Die Entscheidung sei keine besonders große Überraschung, habe China doch bereits seit 2016 auf der Beobachtungsliste von J.P. Morgan gestanden, die eine Indexaufnahme von der Entwicklung des Marktes und der Resonanz der Anleger abhängig gemacht hätten. Im April dieses Jahres sei China bereits in einen ähnlichen Bloomberg Barclays Index aufgenommen worden. FTSE Russell habe sich indes gegen eine Aufnahme Chinas in den wichtigen World Government Bond Index entschieden, aber eingeräumt, dass Pekings Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu seinen Staatsanleihen für ausländische Anleger "einen bedeutenden Fortschritt darstellen".

Die Experten seien der Auffassung, dass China zwar vor internen und externen Herausforderungen stehe, aber fest entschlossen zu sein scheine, Strukturreformen umzusetzen, die inländischen Märkte zu deregulieren und den Yuan (CNY) zu internationalisieren.

In einem bedeutenden Schritt zur Öffnung des inländischen Anleihenmarktes habe die Regierung 2017 den Startschuss für das Bond-Connect-Programm gegeben. Die grenzüberschreitende Plattform verbinde Chinas und Hongkongs Anleihenmärkte; ausländischen Anlegern werde der Zugang zum chinesischen Markt dadurch erheblich erleichtert. Im September 2019 habe zudem das staatliche chinesische Devisenamt (SAFE) die strengen Quotenbeschränkungen aufgehoben, die bis dahin für die Programme für qualifizierte ausländische institutionelle Anleger (QFII) gegolten hätten.

Insgesamt sei der Anteil der ausländischen Direktinvestitionen in China in den ersten sieben Monaten des Jahres 2019 um 7,3% gestiegen und dürfte künftig noch schneller zulegen. Die Experten seien der Auffassung, dass die Aufnahme in die globalen Indices für China eine wichtige Quelle für Kapitalzuflüsse sein werde.

Während die Änderungen nach und nach greifen würden, bleibe jedoch die Unsicherheit, wie sich die langfristigen Effekte darstellen würden. Markus Heider, Investmentmanager im Emerging Market Fixed Income Team von GAM, glaube, dass Chinas Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM Global Diversified Index die Grundlagen des Index verändern werde. Märkte, die auf den Fertigungssektor ausgerichtet seien und relativ niedrige Renditen erbringen würden, würden an Bedeutung gewinnen, während Rohstoffproduzenten an Bedeutung verlieren würden. Im Index werde China die maximal zulässige Gewichtung von 10% erhalten, sodass im Gegenzug die Gewichtungen einiger Schwellenländer wie Thailand, Kolumbien und Malaysia um einen Prozentpunkt abnehmen dürften.

Diese Indexaufnahme sei ein wichtiger Meilenstein, nicht nur für China, sondern generell für die Schwellenländer. Auf CNY lautende Anleihen, die für ausländische Anleger zuvor nicht zugänglich gewesen seien, würden potenziell so sehr zulegen, dass ähnliche Papiere kleinerer Emittenten in den Schatten gestellt würden. Wir sind zuversichtlich, dass sich für uns dadurch weitere Möglichkeiten ergeben werden, um uns erfolgreich auf dem chinesischen Markt für inländische Anleihen zu bewegen, so die Experten von GAM Investments. (22.10.2019/alc/a/a)