Erweiterte Funktionen

Finanzmarkt: Renditen am Jahresende zu schnell gefallen


12.01.24 11:42
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2024 beginnt an den Märkten so spektakulär, wie das Jahr 2023 endete, so Jens Herdack, CEFA, CIIA bei der Weberbank.

Dem heftigen Renditerückgang bei Staatsanleihen im vierten Quartal 2023 folge bereits in den ersten Tagen des Jahres 2024 eine deutliche Gegenreaktion.

Zum Jahresende seien die Rentenmärkte von einem regelrechten Strudel erfasst worden. In Erwartung möglicher Leitzinssenkungen der Notenbanken hätten zehnjährige Bundesanleihen einen Rendite-Absturz von 3 auf nur noch 1,9 Prozent erlebt. Diese Entwicklung vor Augen hätten einige Notenbankvertreter noch 2023 begonnen, verbal gegenzulenken. Dies mache sich zum Jahresstart nun offensichtlich bemerkbar. So habe die Rendite innerhalb nur weniger Tage wieder auf 2,2 Prozent ansteigen können.

Die Analysten würden diesen Renditeanstieg als Einstiegschance für diejenigen Investoren sehen, die es im letzten Jahr aufgrund des sehr schnellen Renditerückgangs nicht geschafft hätten, rechtzeitig in Anleihen längerer Laufzeiten zu investieren. In ihren Augen könnte der Renditeanstieg durchaus noch eine Weile anhalten, da Sondereffekte die Inflationszahlen in Europa voraussichtlich nochmal steigen lassen würden. So werde in Deutschland die Anhebung der Steuer in Gastronomie und Energie, die Tabaksteuererhöhung in Italien und in Frankreich der Auslauf der Strompreisregulierung zu Buche schlagen. Das sollte die Diskussion um eine Zinssenkung der EZB weiter nach hinten verlagern.

Nicht außer Acht lassen sollten Investoren trotz wieder attraktiver gewordener Zinsen aber die Aktienmärkte. In der historischen Betrachtung seien die folgenden ein bzw. fünf Jahre nach der letzten Leitzinserhöhung der US-Notenbank im Schnitt sehr lohnenswerte Jahre sowohl für Festgeld-, Anleihen-, als auch Aktieninvestoren gewesen. Die höchsten Renditen hätten dabei aber im Schnitt die Aktienbesitzer erzielt. Festgeld-Anleger seien hingegen davon abhängig, ob sie den einmal vereinbarten vermeintlich attraktiven Zinssatz auch bei der nächsten Verlängerung der Anlage noch einmal erhalten würden. Anleihen-Investoren könnten sich den Zins hingegen länger sichern. Trotzdem seien die Aktieninvestoren am Ende diejenigen mit der höchsten Rendite geblieben. Eine gesunde Mischung aus Anleihen und Aktien sollte damit also eine attraktive Variante darstellen.

Und auch vor US-Wahljahren sollten sich Anleger nicht fürchten. In einer historischen Betrachtung seit 1935 zeige sich letztendlich ein gar nicht so großer Unterschied in der Börsenentwicklung zwischen Wahl- und Nicht-Wahl-Jahren. Zusätzlich würden 2024 wieder attraktive Gewinne der Unternehmen antizipiert. Nach der Jahresendrally 2023 könnten also zwischenzeitliche Kurskorrekturen durchaus zum Einstig in attraktive Unternehmen genutzt werden.

Vielen Investoren gelte ein Portfolio, welches zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen bestehe, als Lieferant einer idealen Mischung aus Rendite und Sicherheit. So habe ein Portfolio, welches in eben dieser Gewichtung in den globalen Aktienindex "MSCI World" und den internationalen Anleihenindex "Bloomberg Global Aggregate Euro hedged" investiere, seit dem Jahr 2000 eine durchschnittliche Rendite von 4,6 Prozent erzielen können. Gleichzeitig habe es den Wertverlust im schlechtesten Kalenderjahr auf 13 Prozent begrenzt, während ein reines Aktienportfolio einen Rückgang von gut 38 Prozent habe verkraften müssen.

Die Idee hinter der 60/40 Portfoliomischung liege in der häufig gegenläufigen Entwicklung von Anleihen und Aktien. 2022 sei diese Gegenläufigkeit hingegen zusammengebrochen, und sowohl der Aktienmarkt als auch der Anleihenmarkt hätten jeweils ca. 13 Prozent an Wert verloren. Somit sei jegliche Pufferwirkung ausgeblieben. Nicht wenige hätten damals die Frage nach der zukünftigen Sinnhaftigkeit einer solchen Portfoliomischung gestellt. Doch "Totgesagte leben länger": Das Jahr 2023 habe mit 11 Prozent Wertzuwachs eine klare Antwort gegeben. (12.01.2024/alc/a/a)