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Finanzmärkte: Schweizer Zinsen für deutsche Sparer?
26.04.16 10:35
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die Kritik deutscher Politiker an der EZB-Geldpolitik scheint nicht abzunehmen, so Karsten Junius, Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.
Verantwortlich gemacht werde die EZB vor allem dafür, dass Sparer in Deutschland immer geringere Zinserträge erwirtschaften würden. Die Altersvorsorge würde so viel schwieriger. Die Kritiker würden meist unterstellen, dass die Zinsen in Deutschland deutlich höher wären, wenn nur die Bundesbank wieder allein die Leitzinsen bestimmen könnte. Aber gliche dann das Zinsniveau nicht vielleicht eher dem in der Schweiz?
EZB-Präsident Draghi habe sich auf erst recht nicht an den Vorstellungen einzelner Politiker gesehen. Und er habe angefügt, dass er nicht seiner letzten Pressekonferenz bemüßige klar zu stellen, dass die EZB ihre Geldpolitik nicht an einem Land ausrichte und glaube, dass die EZB mit einem nicht-italienischen Präsidenten eine andere Politik betreiben würde. Genau das würden aber wohl viele EZB-Kritiker in Deutschland zu glauben scheinen und dies sei tatsächlich ein interessantes Gedankenspiel. Wie sähe die Geldpolitik aus, wenn die Bundesbank wieder zuständig wäre? Vier unterschiedliche Szenarien seien dabei denkbar.
(1) Wenn die Bundesbank die Geldpolitik für den ganzen Euroraum bestimmen würde, käme auch sie nicht an der Tatsache vorbei, dass die Inflation aktuell bei null liege, die Nachfrage zu schwach und die Arbeitslosigkeit zu hoch sei. Ihre geldpolitischen Instrumente würde sie eventuell anders einsetzen, aber die Zinsen wären wohl kaum höher als es aktuell der Fall ist.
(2) Wenn die Bundesbank nur für die deutsche Geldpolitik zuständig wäre und der Euro bliebe, dann wäre sie dennoch mit einer Inflationsrate von 0,3% konfrontiert, die auch für deutsche Verhältnisse zu niedrig sei. Gleichzeitig wäre sie vermutlich mit starken Kapitalzuflüssen konfrontiert, da die Nachhaltigkeit des Euroraums an den Finanzmärkten in Frage gestellt würde. Das Resultat wären vermutlich erneut sehr geringe Zinsen.
(3) Würde der Euro in Deutschland aufgegeben und stattdessen die D-Mark wieder eingeführt, dann wäre die Geldpolitik nicht einfacher. Ähnlich wie in der Schweiz, würden viele Anleger in Deutschland anlegen wollen, was zu einer starken Aufwertung der Währung führte. Um diese zu begrenzen, müsste die Bundesbank die Zinsen sicherlich unter das aktuelle Niveau absenken.
(4) Wenn die Bundesbank im letzten Fall verhindert wollte, dass ausländisches Kapital zu Aufwertungsdruck beim Wechselkurs führe, wären Kapitalverkehrskontrollen notwendig. Diese einzuführen, wäre ökonomisch zwar denkbar, wenngleich institutionell mit keinem Konzept europäischer Integration vorstellbar. Aber selbst mit Kapitalverkehrskontrollen, wäre das Zinsniveau in Deutschland kaum höher als aktuell.
Schließlich müsste eine Antwort gefunden werden, wie der strukturell hohe deutsche Sparüberschuss angelegt werden könnte. Er würde ebenfalls massiv auf das inländische Zinsniveau drücken. Insgesamt bleibe der Schluss, dass deutsche Sparer ohne EZB-Geldpolitik eher mit den aktuellen Schweizer Zinsniveaus als mit historisch höheren deutschen Zinsen kalkulieren müssten. (26.04.2016/alc/a/a)
Verantwortlich gemacht werde die EZB vor allem dafür, dass Sparer in Deutschland immer geringere Zinserträge erwirtschaften würden. Die Altersvorsorge würde so viel schwieriger. Die Kritiker würden meist unterstellen, dass die Zinsen in Deutschland deutlich höher wären, wenn nur die Bundesbank wieder allein die Leitzinsen bestimmen könnte. Aber gliche dann das Zinsniveau nicht vielleicht eher dem in der Schweiz?
EZB-Präsident Draghi habe sich auf erst recht nicht an den Vorstellungen einzelner Politiker gesehen. Und er habe angefügt, dass er nicht seiner letzten Pressekonferenz bemüßige klar zu stellen, dass die EZB ihre Geldpolitik nicht an einem Land ausrichte und glaube, dass die EZB mit einem nicht-italienischen Präsidenten eine andere Politik betreiben würde. Genau das würden aber wohl viele EZB-Kritiker in Deutschland zu glauben scheinen und dies sei tatsächlich ein interessantes Gedankenspiel. Wie sähe die Geldpolitik aus, wenn die Bundesbank wieder zuständig wäre? Vier unterschiedliche Szenarien seien dabei denkbar.
(2) Wenn die Bundesbank nur für die deutsche Geldpolitik zuständig wäre und der Euro bliebe, dann wäre sie dennoch mit einer Inflationsrate von 0,3% konfrontiert, die auch für deutsche Verhältnisse zu niedrig sei. Gleichzeitig wäre sie vermutlich mit starken Kapitalzuflüssen konfrontiert, da die Nachhaltigkeit des Euroraums an den Finanzmärkten in Frage gestellt würde. Das Resultat wären vermutlich erneut sehr geringe Zinsen.
(3) Würde der Euro in Deutschland aufgegeben und stattdessen die D-Mark wieder eingeführt, dann wäre die Geldpolitik nicht einfacher. Ähnlich wie in der Schweiz, würden viele Anleger in Deutschland anlegen wollen, was zu einer starken Aufwertung der Währung führte. Um diese zu begrenzen, müsste die Bundesbank die Zinsen sicherlich unter das aktuelle Niveau absenken.
(4) Wenn die Bundesbank im letzten Fall verhindert wollte, dass ausländisches Kapital zu Aufwertungsdruck beim Wechselkurs führe, wären Kapitalverkehrskontrollen notwendig. Diese einzuführen, wäre ökonomisch zwar denkbar, wenngleich institutionell mit keinem Konzept europäischer Integration vorstellbar. Aber selbst mit Kapitalverkehrskontrollen, wäre das Zinsniveau in Deutschland kaum höher als aktuell.
Schließlich müsste eine Antwort gefunden werden, wie der strukturell hohe deutsche Sparüberschuss angelegt werden könnte. Er würde ebenfalls massiv auf das inländische Zinsniveau drücken. Insgesamt bleibe der Schluss, dass deutsche Sparer ohne EZB-Geldpolitik eher mit den aktuellen Schweizer Zinsniveaus als mit historisch höheren deutschen Zinsen kalkulieren müssten. (26.04.2016/alc/a/a)


