Erweiterte Funktionen
Finanzmärkte: Negativzinsen werden immer normaler
12.04.16 12:42
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Der Begriff "Nullzinsgrenze" hätte eigentlich schon letztes Jahr zum Unwort des Jahres erklärt werden müssen, so Karsten Junius, Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.
Nach Dänemark, der Schweiz, Euroland und Schweden hätten dieses Jahr auch die Zentralbanken von Japan und Ungarn negative Einlagezinsen eingeführt. Strafzinsen seien dies nicht. Eher würden sich die Anzeichen mehren, dass auch die ökonomischen Gleichgewichtszinsen derzeit im negativen Bereich lägen. Je stärker negative Zinsen aber als geldpolitisches Instrument genutzt würden, desto weniger effektiv dürften sie wirken.
Als die EZB und die SNB 2014 negative Einlagezinsen eingeführt hätten, sei das Vielfach fast als Tabubruch angesehen worden. Entsprechend habe sich auch der Ausdruck "Strafzins" breitgemacht. Dieser Begriff sei von Beginn an unangemessen gewesen, da es nicht Aufgabe einer Notenbank sei, Sparer zu belohnen oder zu bestrafen. Stattdessen würden sie die Zinsen so zu setzen versuchen, dass sie Anreize zu mehr oder weniger Sparen liefern würden. Niedrige Zinsen sollten Sparer dazu bringen, mehr zu konsumieren oder zu investieren.
Für negative Zinsen gelte das gleiche. Sie hätten lediglich eine noch plakativere Abschreckungswirkung. Diese sei teilweise so groß, dass Geschäftsbanken negative Einlagesätze an ihre Privatkundschaft nicht weitergeben würden. Das führe dann zu der paradoxen Situation, dass Banken sich am Geldmarkt günstiger finanzieren könnten als über die Spareinlagen ihrer Kunden.
Um ihre Profitabilität zu bewahren, hätten einige Schweizer Banken als Reaktion auf die Einführung von negativen Einlagezinsen daher ihre Kreditzinsen erhöhen müssen. Dies zeige die Schwierigkeiten der Zentralbanken, im aktuellen Umfeld die Kreditvergabe zu stimulieren. Die Kreditnachfrage hänge vom Zinsniveau ab, während das Kreditangebot auch von der Steilheit der Zinsstrukturkurve abhänge - also von den Margen, die Banken verdienen könnten.
Die SNB habe mit der Einführung von negativen Einlagezinsen vor allem weitere Kapitalzuflüsse und somit einen stärkeren Schweizer Franken verhindern wollen. Es lasse sich inzwischen sagen, dass ihr dies weitgehend geglückt sei. Selbstverständlich sei dies nicht, wie das Beispiel Japans und Eurolands zeigen würden, wo die Außenwerte des Yen bzw. des Euro nach den letzten Zinssenkungen sogar angestiegen seien. Verwundern dürfe dies nicht.
Je normaler negative Zinsen würden, desto weniger abschreckend würden sie wirken. Die Analysten würden es daher auch nicht mehr für hilfreich halten, die Zinsniveaus weiter zu senken. Wenn Zentralbanken Zinsen senken würden, würden sie das Zinsniveau am Kapitalmarkt unter den natürlichen oder ökonomischen Gleichgewichtszins - also die Rendite von neuen Investitionsprojekten zu senken versuchen.
Der gleiche Anreizeffekt auf die Investitionstätigkeit ließe sich aber auch von der andere Seite realisieren - indem der ökonomische Gleichgewichtszins sich erhöht habe. Dieser lasse sich zwar nicht technisch genau bestimmen. Aber klar sagen lasse sich, dass eine expansivere Fiskalpolitik und Strukturreformen ihn erhöhen würden. Die Wirtschaftspolitik sollte entsprechend auf diese Maßnahmen umschwenken, je normaler und damit ineffektiver negative Zinsen würden. (12.04.2016/alc/a/a)
Nach Dänemark, der Schweiz, Euroland und Schweden hätten dieses Jahr auch die Zentralbanken von Japan und Ungarn negative Einlagezinsen eingeführt. Strafzinsen seien dies nicht. Eher würden sich die Anzeichen mehren, dass auch die ökonomischen Gleichgewichtszinsen derzeit im negativen Bereich lägen. Je stärker negative Zinsen aber als geldpolitisches Instrument genutzt würden, desto weniger effektiv dürften sie wirken.
Als die EZB und die SNB 2014 negative Einlagezinsen eingeführt hätten, sei das Vielfach fast als Tabubruch angesehen worden. Entsprechend habe sich auch der Ausdruck "Strafzins" breitgemacht. Dieser Begriff sei von Beginn an unangemessen gewesen, da es nicht Aufgabe einer Notenbank sei, Sparer zu belohnen oder zu bestrafen. Stattdessen würden sie die Zinsen so zu setzen versuchen, dass sie Anreize zu mehr oder weniger Sparen liefern würden. Niedrige Zinsen sollten Sparer dazu bringen, mehr zu konsumieren oder zu investieren.
Um ihre Profitabilität zu bewahren, hätten einige Schweizer Banken als Reaktion auf die Einführung von negativen Einlagezinsen daher ihre Kreditzinsen erhöhen müssen. Dies zeige die Schwierigkeiten der Zentralbanken, im aktuellen Umfeld die Kreditvergabe zu stimulieren. Die Kreditnachfrage hänge vom Zinsniveau ab, während das Kreditangebot auch von der Steilheit der Zinsstrukturkurve abhänge - also von den Margen, die Banken verdienen könnten.
Die SNB habe mit der Einführung von negativen Einlagezinsen vor allem weitere Kapitalzuflüsse und somit einen stärkeren Schweizer Franken verhindern wollen. Es lasse sich inzwischen sagen, dass ihr dies weitgehend geglückt sei. Selbstverständlich sei dies nicht, wie das Beispiel Japans und Eurolands zeigen würden, wo die Außenwerte des Yen bzw. des Euro nach den letzten Zinssenkungen sogar angestiegen seien. Verwundern dürfe dies nicht.
Je normaler negative Zinsen würden, desto weniger abschreckend würden sie wirken. Die Analysten würden es daher auch nicht mehr für hilfreich halten, die Zinsniveaus weiter zu senken. Wenn Zentralbanken Zinsen senken würden, würden sie das Zinsniveau am Kapitalmarkt unter den natürlichen oder ökonomischen Gleichgewichtszins - also die Rendite von neuen Investitionsprojekten zu senken versuchen.
Der gleiche Anreizeffekt auf die Investitionstätigkeit ließe sich aber auch von der andere Seite realisieren - indem der ökonomische Gleichgewichtszins sich erhöht habe. Dieser lasse sich zwar nicht technisch genau bestimmen. Aber klar sagen lasse sich, dass eine expansivere Fiskalpolitik und Strukturreformen ihn erhöhen würden. Die Wirtschaftspolitik sollte entsprechend auf diese Maßnahmen umschwenken, je normaler und damit ineffektiver negative Zinsen würden. (12.04.2016/alc/a/a)


