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Feuerwehreinsatz der FED: Zinssenkung wegen Corona-Krise


04.03.20 13:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Am gestrigen Dienstag (3. März) hat die FED überraschend den Leitzins in den USA um 50 Basispunkte gesenkt, so die Experten von "FONDS professionell".

Er liege nun in einem Korridor zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Mit diesem Schritt habe die US-Notenbank die Märkte überrumpelt: Die nächste Notenbanksitzung, auf der planmäßig über die Höhe des Leitzinses entschieden werden sollte, finde eigentlich erst in zwei Wochen statt, berichte die "Tagesschau".

Grund für den Feuerwehreinsatz der FED sei die grassierende Corona-Epidemie. Die Währungshüter hätten kürzlich erklärt, die Lage im Auge zu behalten und nötigenfalls zu reagieren. Das sei nun passiert - mit unerwarteter Deutlichkeit: So stark wie am gestrigen Tag habe die Notenbank die Leitzinsen seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesenkt, kommentiere der "Tagesspiegel". Die Epidemie berge "Risiken für die wirtschaftliche Aktivität", habe die FED mitgeteilt. Experten würden unter dieser Prämisse sogar zwei weitere Zinssenkungen für möglich halten.

Am US-Anleihemarkt würden bereits weitere Zinsschritte nach unten eingepreist, berichte BNY Mellon. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bewege sich Richtung ein Prozent. "Diese Kursreaktion könnte allerdings kurzlebig sein, wenn Risikoanlagen den Zinsschritt gut aufnehmen", sage Paul Brain, Fondsmanager bei der US-Investmentgesellschaft. Die Suche nach sicheren Häfen könne sich auch dann wieder beruhigen, wenn der Schwerpunkt der Notenbank künftig nicht auf Zinssenkungen liege, sondern auf anderen Maßnahmen.

Nicht jeder sei überzeugt, dass Zinssenkungen die richtige Antwort auf die Corona-Krise seien. "Was, wenn die Märkte jetzt den Glauben an die Unabhängigkeit der FED verlieren, da einige Marktteilnehmer und Präsident Trump zuvor stark auf eine Zinssenkung gedrängt haben?", frage Christian Scherrmann, USA-Spezialist der DWS. "Was, wenn die FED mehr Risiken sieht als die Märkte, was die Unsicherheit noch verstärken würde?" Die Zinssenkung helfe der Finanzierung von Verbrauchern und Unternehmen, könne aber keine löchrigen Lieferketten reparieren, kritisiere der Ökonom.

Ins gleiche Horn stoße Franck Dixmier: "Intervention von Zentralbanken sind in dieser Phase nutzlos, ja sogar schädlich", sage der Anleihechef bei Allianz Global Investors. Die eigentlichen Aufgaben der FED - Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu sichern - seien beide erfüllt. "Eine Zinssenkung wird einen Angebotsschock nicht beheben können. In der Zwischenzeit verbrennt die FED Munition, die sie im Falle einer schweren Rezession vielleicht noch benötigt", warne Dixmier. (04.03.2020/alc/a/a)