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Fed trotzt politischem Druck
23.07.25 17:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Am 29. und 30. Juli tritt das Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank Fed zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Auf Basis ihrer Analyse der jüngsten Reden und Interviews der FOMC-Mitglieder würden die Analysten erwarten, dass die Fed die Leitzinsen unverändert belassen werde. Etwa zwei Drittel der stimmberechtigten Mitglieder hätten sich - direkt oder indirekt - für eine Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus ausgesprochen. Nur zwei Mitglieder hätten Offenheit für eine Zinssenkung bei der Juli-Sitzung signalisiert. Insgesamt habe sich aber ein bemerkenswert homogenes Meinungsbild gezeigt, das sich eng an den jüngsten Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell orientiere.
Seit Dezember 2024 halte die Fed die Federal Funds Rate (FFR) in der Spanne von 4,25-4,50%. Die Prognose der Analysten sehe zwei Zinssenkungen von jeweils 25 Basispunkten bis zum Jahresende vor, womit die FFR in der Spanne von 3,75-4,00% landen dürfte. Diese Einschätzung decke sich auch mit dem aktuellen Dot Plot aus den Juni-Projektionen des FOMC sowie den Erwartungen der Finanzmärkte.
Als Gründe für die abwartende Haltung der Fed identifizieren die Analysten der Hamburg Commercial Bank mehrere Faktoren:
Erstens bleibe die Inflation ein zentrales Thema in den USA. Auch wenn sich die Teuerung zuletzt etwas abgeschwächt habe, liege sie seit vier Jahren über dem 2%-Ziel der Fed. Maßnahmen wie die Abschiebung illegaler Einwanderer könnten zu höheren Löhnen und damit zu zusätzlichem Inflationsdruck führen. Die bisher beschlossenen Zölle dürften noch nicht ihre volle Inflationswirkung entfaltet haben. Dazu kämen noch neue Zölle, die ab dem 1. August in Kraft treten sollten. Im Juni sei die CPI-Inflation in den USA bereits auf 2,7% (Headline, YoY) bzw. 2,9% (Kernrate, YoY) gestiegen - ob sich in diesem Anstieg bereits Zolleffekte widerspiegeln würden, sei derzeit unklar. Die Unsicherheit aufgrund der US-Zollpolitik bleibe aber sehr hoch.
Zweitens sende der Arbeitsmarkt gemischte Signale. Der offizielle Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls) für Juni sei mit +139.000 Stellen solide ausgefallen. Gleichzeitig würden alternative Indikatoren wie der ADP-Bericht und der ISM-Index auf eine nachlassende Dynamik hindeuten. Während die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zuletzt rückläufig gewesen sei, würden sich die fortlaufenden Anträge auf dem höchsten Stand seit 2021 befidnen. Unterm Strich zeige sich der Arbeitsmarkt in den USA aber noch relativ robust.
Drittens sehe das neue Budgetpaket ("One Big Beautiful Bill") der Republikaner unter anderem Unternehmenssteuersenkungen und Konsumanreize vor. Maßnahmen wie die geplante Steuerfreiheit für Trinkgelder könnten die Binnennachfrage zusätzlich stützen.
Die geldpolitische Debatte werde zudem vom politischen Druck auf die Fed überschattet. US-Präsident Donald Trump habe in mehreren öffentlichen Äußerungen rasche Zinssenkungen gefordert und der Notenbank vorgeworfen, durch zu hohe Zinssätze unnötige Kosten in Milliardenhöhe zu verursachen. Medienberichten zufolge prüfe das Weiße Haus sogar, Powell vorzeitig zu ersetzen - obwohl dessen Amtszeit als Fed-Präsident regulär erst im Mai 2026 ende. Als mögliche Nachfolger würden unter anderem das ehemalige FOMC-Mitglied Kevin Warsh, US-Finanzminister Scott Bessent sowie Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett genannt. Trump habe quasi als Einstellungsvoraussetzung die Forderung formuliert, dass der Nachfolger bzw. die Nachfolgerin die Zinsen senken müsse.
In seiner Rede beim Notenbankforum im portugiesischen Sintra Anfang Juli habe Powell die Unabhängigkeit der Fed mit Nachdruck verteidigt und politische Einflussversuche entschieden zurückgewiesen. Unterstützung habe er von internationalen Notenbankern erhalten, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde und BoE-Gouverneur Andrew Bailey. Auch die Mehrheit der FOMC-Mitglieder habe in ihren jüngsten Aussagen deutlich gemacht, dass sie das Mandat der Fed verteidigen und sich nicht von politischen Erwägungen leiten lassen würden. Aus Sicht der Analysten sende die Fed damit ein wichtiges Signal der Geschlossenheit hinter Powell an Märkte und Politik.
Zwei FOMC-Mitglieder seien in ihrer Einschätzung aber deutlich vom Konsens abgewichen: Christopher Waller und Michelle Bowman hätten sich offen für eine Zinssenkung bereits im Juli gezeigt. Während Waller auf die nachlassende Inflation verwiesen habe, habe Bowman die Risiken für den Arbeitsmarkt betont. Ob diese Positionierungen auch strategische Motive im Hinblick auf eine mögliche Nachfolge Powells beinhalten könnten, lasse sich nicht abschließend beurteilen - der Zeitpunkt der Aussagen sei jedoch spannend. Bowman habe zuvor als traditionell hawkish gegolten, was ihre jüngste Positionierung umso interessanter mache.
Das Lieblingszitat der Analysten der Hamburg Commercial Bank stammt vom Fed-Chef Jerome Powell, der sich beim Notenbankertreffen in Sintra Anfang Juli klar zur Unabhängigkeit der Fed bekannte: "I’m very focused on just doing my job. The things that matter are using our tools to achieve the goals that congress has given us, maximum employment, price stability, financial stability. And that’s what we focus on, 100%. […] If we’re going to do that successfully, we need to do it in a completely non-political way, which means we don’t take sides." (23.07.2025/alc/a/a)
Auf Basis ihrer Analyse der jüngsten Reden und Interviews der FOMC-Mitglieder würden die Analysten erwarten, dass die Fed die Leitzinsen unverändert belassen werde. Etwa zwei Drittel der stimmberechtigten Mitglieder hätten sich - direkt oder indirekt - für eine Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus ausgesprochen. Nur zwei Mitglieder hätten Offenheit für eine Zinssenkung bei der Juli-Sitzung signalisiert. Insgesamt habe sich aber ein bemerkenswert homogenes Meinungsbild gezeigt, das sich eng an den jüngsten Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell orientiere.
Seit Dezember 2024 halte die Fed die Federal Funds Rate (FFR) in der Spanne von 4,25-4,50%. Die Prognose der Analysten sehe zwei Zinssenkungen von jeweils 25 Basispunkten bis zum Jahresende vor, womit die FFR in der Spanne von 3,75-4,00% landen dürfte. Diese Einschätzung decke sich auch mit dem aktuellen Dot Plot aus den Juni-Projektionen des FOMC sowie den Erwartungen der Finanzmärkte.
Als Gründe für die abwartende Haltung der Fed identifizieren die Analysten der Hamburg Commercial Bank mehrere Faktoren:
Erstens bleibe die Inflation ein zentrales Thema in den USA. Auch wenn sich die Teuerung zuletzt etwas abgeschwächt habe, liege sie seit vier Jahren über dem 2%-Ziel der Fed. Maßnahmen wie die Abschiebung illegaler Einwanderer könnten zu höheren Löhnen und damit zu zusätzlichem Inflationsdruck führen. Die bisher beschlossenen Zölle dürften noch nicht ihre volle Inflationswirkung entfaltet haben. Dazu kämen noch neue Zölle, die ab dem 1. August in Kraft treten sollten. Im Juni sei die CPI-Inflation in den USA bereits auf 2,7% (Headline, YoY) bzw. 2,9% (Kernrate, YoY) gestiegen - ob sich in diesem Anstieg bereits Zolleffekte widerspiegeln würden, sei derzeit unklar. Die Unsicherheit aufgrund der US-Zollpolitik bleibe aber sehr hoch.
Drittens sehe das neue Budgetpaket ("One Big Beautiful Bill") der Republikaner unter anderem Unternehmenssteuersenkungen und Konsumanreize vor. Maßnahmen wie die geplante Steuerfreiheit für Trinkgelder könnten die Binnennachfrage zusätzlich stützen.
Die geldpolitische Debatte werde zudem vom politischen Druck auf die Fed überschattet. US-Präsident Donald Trump habe in mehreren öffentlichen Äußerungen rasche Zinssenkungen gefordert und der Notenbank vorgeworfen, durch zu hohe Zinssätze unnötige Kosten in Milliardenhöhe zu verursachen. Medienberichten zufolge prüfe das Weiße Haus sogar, Powell vorzeitig zu ersetzen - obwohl dessen Amtszeit als Fed-Präsident regulär erst im Mai 2026 ende. Als mögliche Nachfolger würden unter anderem das ehemalige FOMC-Mitglied Kevin Warsh, US-Finanzminister Scott Bessent sowie Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett genannt. Trump habe quasi als Einstellungsvoraussetzung die Forderung formuliert, dass der Nachfolger bzw. die Nachfolgerin die Zinsen senken müsse.
In seiner Rede beim Notenbankforum im portugiesischen Sintra Anfang Juli habe Powell die Unabhängigkeit der Fed mit Nachdruck verteidigt und politische Einflussversuche entschieden zurückgewiesen. Unterstützung habe er von internationalen Notenbankern erhalten, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde und BoE-Gouverneur Andrew Bailey. Auch die Mehrheit der FOMC-Mitglieder habe in ihren jüngsten Aussagen deutlich gemacht, dass sie das Mandat der Fed verteidigen und sich nicht von politischen Erwägungen leiten lassen würden. Aus Sicht der Analysten sende die Fed damit ein wichtiges Signal der Geschlossenheit hinter Powell an Märkte und Politik.
Zwei FOMC-Mitglieder seien in ihrer Einschätzung aber deutlich vom Konsens abgewichen: Christopher Waller und Michelle Bowman hätten sich offen für eine Zinssenkung bereits im Juli gezeigt. Während Waller auf die nachlassende Inflation verwiesen habe, habe Bowman die Risiken für den Arbeitsmarkt betont. Ob diese Positionierungen auch strategische Motive im Hinblick auf eine mögliche Nachfolge Powells beinhalten könnten, lasse sich nicht abschließend beurteilen - der Zeitpunkt der Aussagen sei jedoch spannend. Bowman habe zuvor als traditionell hawkish gegolten, was ihre jüngste Positionierung umso interessanter mache.
Das Lieblingszitat der Analysten der Hamburg Commercial Bank stammt vom Fed-Chef Jerome Powell, der sich beim Notenbankertreffen in Sintra Anfang Juli klar zur Unabhängigkeit der Fed bekannte: "I’m very focused on just doing my job. The things that matter are using our tools to achieve the goals that congress has given us, maximum employment, price stability, financial stability. And that’s what we focus on, 100%. […] If we’re going to do that successfully, we need to do it in a completely non-political way, which means we don’t take sides." (23.07.2025/alc/a/a)


