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Fed auf Kollisionskurs mit Trump
31.01.25 10:45
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Nach der Zentralbanksitzung in den USA und im Vorfeld der EZB-Sitzung blieben die Bewegungen an den Anleihemärkten eher überschaubar, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes (4,51%) seien seit dem vergangenen Freitag gefallen, die der zehnjährigen Bunds (2,52%) hätten sich nur minimal bewegt. Die US-Notenbank habe den Leitzins auf ihrer Sitzung im Januar 2025 im Einklang mit den Erwartungen konstant im Bereich von 4,25% bis 4,5% gehalten. Die Zentralbank habe ihren Zinssenkungszyklus nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen im Jahr 2024, die sich auf einen vollen Prozentpunkt summiert hätten, pausiert.
Der Vorsitzende Jerome Powell habe gesagt, die Fed habe es nicht eilig, die Zinssätze zu senken. Mit der Fed im abwartenden Modus sei die Gefahr einer direkten Konfrontation mit dem US-Präsidenten Trump fast schon vorprogrammiert. Wie erwartet, habe Trump sofort die Fed kritisiert und geschrieben: "Weil Jay Powell und die Fed es nicht geschafft haben, das Problem zu stoppen, das sie mit der Inflation geschaffen haben, werde ich es tun, indem ich die Fesseln für die amerikanische Energieproduktion löse." Ein Eingriff in die Geldpolitik müsse man darunter nicht verstehen. Trotz einer soliden Wirtschaftslage fürchte Trump wohl eine Verlangsamung des Wachstums durch länger anhaltend hohe Zinsen. Das könnte zusätzlich zum nicht so richtig aufblühenden Industriesektor zum Problem für die Trump-Administration werden, was vor allem in den Zahlen für Auftragseingänge für langlebige Güter und dem PMI für das verarbeitende Gewerbe in den vergangenen Tagen untermauert worden sei.
Die Eurozone habe vor allem schrumpfende bis minimal wachsende Umfragedaten gehabt, darunter den GfK Konsumklimaindikator und die HCOB Flash PMIs, die keine Hoffnung auf eine rasche Erholung der Währungsunion bringen konnten. Daher werde die EZB wohl kaum um eine Zinssenkung um 25 Basispunkte in ihrem Januar-Meeting (30.01.) herumkommen, es könnte sogar eine Diskussion aufkommen, die Zinsen stärker zu senken.
Die Zentralbank habe am Mittwoch ihren Leitzins bei 4,25 bis 4,5 Prozent belassen und eine Pause angedeutet. Fed-Vorsitzender Jay Powell habe erklärt, die Notenbank hätte "es nicht eilig, ihren geldpolitischen Kurs anzupassen". Trump habe auf Truth Social die Zentralbank kritisiert und gemeint, die Inflation wäre kein Problem gewesen, hätte die Fed weniger Zeit mit Diversität, Gender-Ideologie, grüner Energie und Klimawandel verbracht. Die einstimmige Entscheidung der Fed, die Zinssätze beizubehalten, sei nur wenige Tage nach Trumps Forderung nach starken Zinssenkungen gefolgt. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank habe erklärt, die US-Inflation bleibe "etwas erhöht" und habe den früheren Hinweis auf "Fortschritte" bei der Erreichung des 2-Prozent-Ziels gestrichen.
Präsident Trump, der vor dem Fed-Meeting in Davos deutliche Zinssenkungen gefordert habe, scheine im Vergleich zu Fed-Präsident Jay Powell besorgter um die wirtschaftliche Dynamik als um die Preisentwicklung im Land zu sein. Er sehe in länger anhaltend hohen Zinsen die Gefahr eines Abwürgens des Wirtschaftswachstums. Seine Sorgen dürften sich durch die jüngsten Daten aus dem Industriesektor vertieft haben. Die Auftragseingänge für langlebige Industriegüter in den USA seien im Dezember 2024 um 2,2% auf 276,1 Milliarden US-Dollar gesunken, nachdem sie im November um 2% nach unten revidiert worden seien und weit unter den Markterwartungen eines Anstiegs von 0,6% gelegen hätten. Der S&P Global Flash US Composite PMI sei im Januar 2025 auf 52,4 gesunken, gegenüber 55,4 im Dezember, und habe damit die schwächste Expansion im privaten Sektor seit neun Monaten signalisiert. Das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe (PMI bei 50,1 gegenüber 49,4 im Dezember) habe sich nach sechs Monaten des Rückgangs minimal fortgesetzt, während der Dienstleistungssektor (PMI bei 52,8 gegenüber 56,8) langsamer, aber nachhaltig gewachsen sei.
Die Wirtschaft der Eurozone zeige weiterhin keine optimistischen Signale. Besonders enttäuschend sei der deutsche Konsum gewesen. Der GfK Konsumklimaindikator für Deutschland mit der Prognose für Februar sei auf -22,4 von revidierten -21,3 im Vormonat gesunken und habe die Markterwartungen von -20 verfehlt. Etwas mehr Optimismus habe der Einkaufsmanagerindex in der Eurozone und speziell in Deutschland gebracht. Der HCOB Eurozone Composite Flash PMI sei im Januar 2025 von 49,6 auf 50,2 gestiegen und habe die Markterwartungen von 49,7 übertroffen. Dies markiere die erste Expansion der privaten Wirtschaftsaktivität in der Eurozone seit August 2024. Die Expansion sei ausschließlich vom Dienstleistungssektor getragen worden (51,4 gegenüber 51,6 im Dezember 2024), was den starken Rückgang bei den Herstellern (46,1 gegenüber 45,1) ausgeglichen habe. Auf nationaler Ebene sei der Aufschwung von Deutschland getragen worden, während sich der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit in Frankreich abgeschwächt habe.
Es werde erwartet, dass die EZB auf ihrer Sitzung im Januar 2025 die Zinssätze um 25 Basispunkte senke, was die fünfte Senkung seit Juni 2024 darstelle. Der Leitzins würde damit auf 2,75% sinken, den niedrigsten Stand seit Anfang 2023. Anleger würden auf Signale für den weiteren Jahresverlauf achten, jedoch sei es unwahrscheinlich, dass die EZB sich zu weiteren Zinssenkungen äußere. Die Inflation in der Eurozone habe sich im Dezember auf 2,4% beschleunigt, hauptsächlich aufgrund von Basiseffekten. Das Wirtschaftswachstum bleibe schwach - in Q4 sei das BIP der Eurozone stagniert, in Deutschland und Frankreich habe ein Minus von 0,2% bzw. 0,1% zu Buche gestanden - und die Aussichten seien schwierig, insbesondere angesichts drohender Zölle durch die Trump-Regierung. Die Futures-Märkte würden mit drei Zinssenkungen in der ersten Jahreshälfte 2025 rechnen, mit einer möglichen Pause im April. HCOB Economics erwarte lediglich zwei Zinssenkungen in diesem Jahr.
Das Datenhighlight in den USA seien die PCE-Daten (31.01.), deren Deflator für die Fed einer der wichtigsten Preisindikatoren sei. Der Konsens erwarte für die Headline-Daten im Dezember ein Wachstum von 2,6% im Jahresvergleich, nach 2,4% im November. Weitere wichtige Daten seien die Industrieaufträge (04.02.), das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (07.02.) und die NonFarm Payrolls (07.02.), bei denen ein Anstieg um 156.000 im Januar erwartet werde, verglichen mit 256.000 im Dezember. In der Eurozone seien die Einzelhandelsumsätze (07.02.) und in Deutschland (31.01.) sowie die Entwicklung des Verbraucherpreisindex in Deutschland (03.02.) von Interesse. Angesichts des drohenden Handelskonflikts mit den USA dürften auch die Handelszahlen aus Deutschland (07.02.) für Anleger wichtig sein. (Ausgabe vom 30.01.2025) (31.01.2025/alc/a/a)
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes (4,51%) seien seit dem vergangenen Freitag gefallen, die der zehnjährigen Bunds (2,52%) hätten sich nur minimal bewegt. Die US-Notenbank habe den Leitzins auf ihrer Sitzung im Januar 2025 im Einklang mit den Erwartungen konstant im Bereich von 4,25% bis 4,5% gehalten. Die Zentralbank habe ihren Zinssenkungszyklus nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen im Jahr 2024, die sich auf einen vollen Prozentpunkt summiert hätten, pausiert.
Der Vorsitzende Jerome Powell habe gesagt, die Fed habe es nicht eilig, die Zinssätze zu senken. Mit der Fed im abwartenden Modus sei die Gefahr einer direkten Konfrontation mit dem US-Präsidenten Trump fast schon vorprogrammiert. Wie erwartet, habe Trump sofort die Fed kritisiert und geschrieben: "Weil Jay Powell und die Fed es nicht geschafft haben, das Problem zu stoppen, das sie mit der Inflation geschaffen haben, werde ich es tun, indem ich die Fesseln für die amerikanische Energieproduktion löse." Ein Eingriff in die Geldpolitik müsse man darunter nicht verstehen. Trotz einer soliden Wirtschaftslage fürchte Trump wohl eine Verlangsamung des Wachstums durch länger anhaltend hohe Zinsen. Das könnte zusätzlich zum nicht so richtig aufblühenden Industriesektor zum Problem für die Trump-Administration werden, was vor allem in den Zahlen für Auftragseingänge für langlebige Güter und dem PMI für das verarbeitende Gewerbe in den vergangenen Tagen untermauert worden sei.
Die Eurozone habe vor allem schrumpfende bis minimal wachsende Umfragedaten gehabt, darunter den GfK Konsumklimaindikator und die HCOB Flash PMIs, die keine Hoffnung auf eine rasche Erholung der Währungsunion bringen konnten. Daher werde die EZB wohl kaum um eine Zinssenkung um 25 Basispunkte in ihrem Januar-Meeting (30.01.) herumkommen, es könnte sogar eine Diskussion aufkommen, die Zinsen stärker zu senken.
Präsident Trump, der vor dem Fed-Meeting in Davos deutliche Zinssenkungen gefordert habe, scheine im Vergleich zu Fed-Präsident Jay Powell besorgter um die wirtschaftliche Dynamik als um die Preisentwicklung im Land zu sein. Er sehe in länger anhaltend hohen Zinsen die Gefahr eines Abwürgens des Wirtschaftswachstums. Seine Sorgen dürften sich durch die jüngsten Daten aus dem Industriesektor vertieft haben. Die Auftragseingänge für langlebige Industriegüter in den USA seien im Dezember 2024 um 2,2% auf 276,1 Milliarden US-Dollar gesunken, nachdem sie im November um 2% nach unten revidiert worden seien und weit unter den Markterwartungen eines Anstiegs von 0,6% gelegen hätten. Der S&P Global Flash US Composite PMI sei im Januar 2025 auf 52,4 gesunken, gegenüber 55,4 im Dezember, und habe damit die schwächste Expansion im privaten Sektor seit neun Monaten signalisiert. Das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe (PMI bei 50,1 gegenüber 49,4 im Dezember) habe sich nach sechs Monaten des Rückgangs minimal fortgesetzt, während der Dienstleistungssektor (PMI bei 52,8 gegenüber 56,8) langsamer, aber nachhaltig gewachsen sei.
Die Wirtschaft der Eurozone zeige weiterhin keine optimistischen Signale. Besonders enttäuschend sei der deutsche Konsum gewesen. Der GfK Konsumklimaindikator für Deutschland mit der Prognose für Februar sei auf -22,4 von revidierten -21,3 im Vormonat gesunken und habe die Markterwartungen von -20 verfehlt. Etwas mehr Optimismus habe der Einkaufsmanagerindex in der Eurozone und speziell in Deutschland gebracht. Der HCOB Eurozone Composite Flash PMI sei im Januar 2025 von 49,6 auf 50,2 gestiegen und habe die Markterwartungen von 49,7 übertroffen. Dies markiere die erste Expansion der privaten Wirtschaftsaktivität in der Eurozone seit August 2024. Die Expansion sei ausschließlich vom Dienstleistungssektor getragen worden (51,4 gegenüber 51,6 im Dezember 2024), was den starken Rückgang bei den Herstellern (46,1 gegenüber 45,1) ausgeglichen habe. Auf nationaler Ebene sei der Aufschwung von Deutschland getragen worden, während sich der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit in Frankreich abgeschwächt habe.
Es werde erwartet, dass die EZB auf ihrer Sitzung im Januar 2025 die Zinssätze um 25 Basispunkte senke, was die fünfte Senkung seit Juni 2024 darstelle. Der Leitzins würde damit auf 2,75% sinken, den niedrigsten Stand seit Anfang 2023. Anleger würden auf Signale für den weiteren Jahresverlauf achten, jedoch sei es unwahrscheinlich, dass die EZB sich zu weiteren Zinssenkungen äußere. Die Inflation in der Eurozone habe sich im Dezember auf 2,4% beschleunigt, hauptsächlich aufgrund von Basiseffekten. Das Wirtschaftswachstum bleibe schwach - in Q4 sei das BIP der Eurozone stagniert, in Deutschland und Frankreich habe ein Minus von 0,2% bzw. 0,1% zu Buche gestanden - und die Aussichten seien schwierig, insbesondere angesichts drohender Zölle durch die Trump-Regierung. Die Futures-Märkte würden mit drei Zinssenkungen in der ersten Jahreshälfte 2025 rechnen, mit einer möglichen Pause im April. HCOB Economics erwarte lediglich zwei Zinssenkungen in diesem Jahr.
Das Datenhighlight in den USA seien die PCE-Daten (31.01.), deren Deflator für die Fed einer der wichtigsten Preisindikatoren sei. Der Konsens erwarte für die Headline-Daten im Dezember ein Wachstum von 2,6% im Jahresvergleich, nach 2,4% im November. Weitere wichtige Daten seien die Industrieaufträge (04.02.), das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (07.02.) und die NonFarm Payrolls (07.02.), bei denen ein Anstieg um 156.000 im Januar erwartet werde, verglichen mit 256.000 im Dezember. In der Eurozone seien die Einzelhandelsumsätze (07.02.) und in Deutschland (31.01.) sowie die Entwicklung des Verbraucherpreisindex in Deutschland (03.02.) von Interesse. Angesichts des drohenden Handelskonflikts mit den USA dürften auch die Handelszahlen aus Deutschland (07.02.) für Anleger wichtig sein. (Ausgabe vom 30.01.2025) (31.01.2025/alc/a/a)


