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Fed: Auf der Geisterbahn?


24.10.25 11:53
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Da die US-Statistikbehörden wegen des "government shutdown" wohl auch in der Berichtswoche geschlossen bleiben, ist unwahrscheinlich, dass die eigentlich anstehenden Wachstumszahlen zum Q3 publiziert werden, so die Analysten der Helaba.

Die Notenbanksitzung sei daher unter den absehbaren Ereignissen "the only game in town" - außer vielleicht Aktivitäten im Vorfeld von Halloween am Freitag.

An Wettmärkten wie Polymarket und am Futuremarkt setze man die Chance für eine Reduktion der Federal Funds Rate am 29. Oktober um 25 Basispunkte derzeit bei fast 100% an. Es wäre daher eine große Überraschung, wenn sich das FOMC mehrheitlich anders entscheiden würde. Gewagter Tipp: Trumps Gefolgsmann Stephen Miran würde erneut für einen 50er Schritt stimmen.

Allerdings würden ungewöhnlich viele unabhängige Beobachter die aktuelle Lockerung der Geldpolitik durch die Fed kritisch sehen. So sei die These, dass die Zölle nur einen Preisniveau-, aber keinen dauerhaften Inflationseffekt haben würden, unbewiesen. Mangels vergleichbarer Erfahrungen tappe die Notenbank da wie alle anderen Ökonomen im Dunkeln. Tatsächlich könnte die derzeit zu beobachtende zeitliche Streckung der Weitergabe durch die Unternehmen die Inflationserwartungen mehr steigen lassen als ein kurzer Schock. Wiederholungen des Mantras "Die langfristigen Inflationserwartungen sind gut verankert!" würden die selbst von Fed-Vertretern geäußerte Position übertünchen, dass es aus geldpolitischer Sicht zum Handeln schon zu spät wäre, wenn diese erst mal ins Rutschen gekommen seien.

Gleichzeitig lasse eine spürbare konjunkturelle Eintrübung auf sich warten. Würden die Statistiker die BIP-Zahlen veröffentlichen, würde wohl mit rund 3% annualisierter Vorquartalsrate erneut ein überdurchschnittlicher Wert gemeldet werden. Das Sorgenkind Nummer Eins der Fed - der Arbeitsmarkt - sei aktuell äußerst schwer zu interpretieren, selbst wenn die Daten verfügbar wären. Angesichts der Vollbremsung bei der Nettozuwanderung seien Schätzungen für den monatlichen Stellenaufbau, der für eine mittelfristig stabile Arbeitslosenquote erforderlich sei, in den Bereich null bis 50.000 gesunken. Dies gelte es bei der Interpretation der "schwachen" Arbeitsmarktdaten der vergangenen Monate zu bedenken.

Schon im September sei das Meinungsbild bei den Geldpolitikern alles andere als einheitlich gewesen. Laut den Projektionen, die sie vor der eigentlichen Sitzung erstellt hätten, würden genauso viele FOMC-Mitglieder bis Ende 2025 eine Zinssenkung um 75 Basispunkte für angemessen halten wie 50 oder weniger. Laut Jerome Powells Rede am 14. Oktober habe sich bis zu diesem Zeitpunkt seit der Septembersitzung "wenig geändert".

Schließlich würden kräftig steigende Aktienkurse und der seit Jahresbeginn deutlich schwächere US-Dollar schon seit Monaten für eine Lockerung der monetären Bedingungen sorgen, über die die Geldpolitik auf die US-Wirtschaft wirke - ganz ohne Leitzinssenkungen. Die primären Argumente für eine Senkung der Federal Funds Rate seien daher wohl die Unsicherheit durch den reduzierten Datenfluss und die Hoffnung, dass die Risiken einer möglicherweise unangemessenen Lockerung derzeit kleiner seien als jene einer zu restriktiven Politik.

Bisher hätten die Analysten für das vierte Quartal insgesamt nur einen Zinsschritt erwartet. Setze die Fed im Dezember aus? Die Prognose der Analysten, wie es auf den kommenden FOMC-Sitzungen weitergehe, hänge insbesondere davon ab, welche Signale das Kommuniqué am 29. Oktober und die sich anschließende Pressekonferenz mit Fed-Chair Powell senden würden. Die Analysten der Helaba werden in diesem Licht den prognostizierten Pfad für den US-Leitzins überprüfen. (24.10.2025/alc/a/a)