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Fallen Angels: Panikkurse sind Kaufkurse!
22.12.15 10:13
StarCapital
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Verlauf des zweiten Halbjahres kamen hochverzinsliche USD-Unternehmensanleihen (High Yield) massiv unter Druck, so die Experten von StarCapital in ihrer aktuellen Ausgabe von "StarInvest".
Speziell in den letzten Wochen sei dies in einem regelrechten Kurssturz gemündet, ausgelöst durch Panikverkäufe nervöser Anleger. Zwei High-Yield-Fonds hätten sogar wegen Unverkäuflichkeit der Papiere die Rücknahmen einstellen müssen. Der Ausverkauf sei bei extrem hohen Umsätzen (sowohl bei Bonds als auch bei Verkaufsoptionen) erfolgt. Ebenfalls unter die Räder seien viele Währungen und (Staats-)Anleihen aus den Emerging Markets gekommen. Erinnerungen an die Krise in 2008 vor und nach der Lehman-Pleite würden wach.
Ausgelöst worden sei diese Entwicklung durch den steigenden US-Dollar und die fallenden Energie- und Rohstoffpreise. Man befürchte, dass dieser Trend anhalte und viele Staaten und Unternehmen deshalb Schwierigkeiten haben würden, ihre Dollar-Schulden zurückzuzahlen. Dies gelte natürlich insbesondere für jene Gläubiger, die davon besonders betroffen seien d.h. deren Einnahmen direkt von den erodierenden Öl- und Rohstoffpreisen tangiert würden.
Verstärkt werde das Desaster durch ein Phänomen, auf das die Experten bereits mehrfach hingewiesen hätten. Durch die verstärkte staatliche Regulierung der Banken, könnten diese nur noch wenige Handelsbestände in Anleihen halten und würden sich zunehmend von ihrer Funktion als "Market-Maker" verabschieden. Deshalb könne es schon bei kleineren Unsicherheiten zu scharfen Preisausschlägen mit Panikreaktionen kommen.
Die beiden Fonds der Experten StarCapital Argos und StarCapital Winbonds plus seien von dieser Entwicklung ebenfalls betroffen. Der Argos habe seit Jahresanfang 2,1% abgegeben, der Winbonds plus liege mit 2,7% im Minus (Stand: 20.12.). Dies sei ärgerlich, weil beide Fonds im Jahresverlauf schon über 6% im Plus gelegen hätten. Die Ursache liege darin begründet, dass die Experten traditionell einen der Anlageschwerpunkte in den "Fallen Angels" hätten, da diese langfristig ein optimales Chance-Risikoverhältnis im Rentenmanagement bieten würden.
Fallen Angels seien Anleihen von Emittenten aus dem Crossover-Bereich (BBB-/BB+), denen eine Herabstufung aus dem Investmentgrade in den High-Yield-Sektor drohe oder bei denen diese Abstufung bereits vollzogen worden sei. Da die meisten institutionellen Anleger solche Anleihen aus gesetzlichen oder regulatorischen Gründen nicht halten dürften, entstehe hier ein künstlicher Verkaufsdruck. Dieser habe mit der tatsächlichen Situation des Unternehmens wenig zu tun und biete deshalb oft exzellente Einstiegschancen.
Derzeit gebe es bei USD-Anleihen besonders viele "Fallen Angels" und damit besonders viel Verkaufsdruck, da die Zinsen im Dollarraum steigen würden und sich die Konjunktur gleichzeitig abschwäche. Dies belaste Unternehmen mit einer höheren Verschuldung, zum Beispiel aus dem Energie- und Rohstoffsektor. Gleichzeitig würden die Anleger höhere Sicherheitsprämien (Spreads) fordern, weil die Risikoaversion steige. Und dies alles stoße auf einen Markt, bei dem die Liquidität nicht mehr gegeben sei. All diese Faktoren zusammengenommen würden zu einer desaströsen Kursentwicklung bei den betroffenen Anleihen führen.
Die Experten hätten bereits im Frühjahr die damals noch positive Entwicklung genutzt und die Portefeuilles krisensicherer gemacht. Es seien fast alle Anleihen mit einer längeren Laufzeit als zehn Jahre verkauft worden, ebenso fast alle Papiere mit einem Rating schlechter 'BB', oder einer riskanteren Struktur (Perpetuals, Nachranganleihen, etc). Auch der Anteil der Fremdwährungsanleihen aus den Emerging Markets im Argos sei deutlich reduziert worden.
Durch diese Gewinnmitnahmen seien umfangreiche Barreserven von bis zu 40% aufgebaut worden, die Schlimmeres verhindert hätten und jetzt zur Wiederanlage zur Verfügung stünden. Allerdings hätten die Experten zu früh angefangen in höherverzinsliche Anleihen aus dem Energie- und Rohstoffbereich zu investieren. Nachdem die Abwärtsbewegung in diesem Sektor bereits seit mehr als vier Jahren andauere, hätten die Experten das weitere Verlustpotenzial nicht mehr so hoch eingeschätzt. Das sei sicher ein Fehler gewesen.
Wie sei die aktuelle Entwicklung einzuschätzen? Die Experten würden feststellen, dass sich die Schwächezeichen in der amerikanischen Konjunktur verstärken würden. Die Kursentwicklung von Kupfer (Dr. Copper) als Frühindikator spreche Bände. Deshalb sei die Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank ein Fehler gewesen und die Renditen würden bald wieder sinken.
Die Überschussproduktion von Erdöl und vielen Rohstoffen werde zwar noch eine ganze Zeit anhalten und die Preise niedrig halten. Doch auch dies sei keine Einbahnstraße, zumal die betroffenen Unternehmen ihre Investitionen in die Erschließung neuer Vorkommen drastisch kürzen würden. Selbst die totgesagte Kohle werde neben anderen fossilen Energieträgern noch auf Jahrzehnte unverzichtbar bleiben. Vielleicht würden sich die Investoren noch erinnern: Vor einigen Jahrzehnten habe der "Club of Rome" eine Analyse veröffentlicht, wonach der Welt in Kürze die Rohstoffe ausgehen würden. Auch diese Prognose habe sich als unsinnig erwiesen.
Die Experten würden die Kurseinbrüche bei vielen Unternehmensanleihen für völlig überzogen halten und hätten begonnen, ihre Liquidität schrittweise für Rückkäufe einzusetzen. Entgegen dem normalen Sicherheitsempfinden sei es viel weniger riskant, in einer Panik zu kaufen als in einer Euphorie! Allerdings würden die Experten sehr behutsam vorgehen, da die Abwärtstrends immer noch intakt seien.
So liege die Barreserve beim Argos immer noch bei 34% und im Winbonds plus bei 28%. Außerdem würden sich die Experten auf Anleihen sehr großer Unternehmen wie Glencore, Petrobras, Anglo American und Freeport McMoran konzentrieren, die die Experten nicht für ernsthaft gefährdet halten würden, zumal sie drastische Maßnahmen ergreifen würden, um ihre Kreditfähigkeit zu bewahren.
Glencore sei mit einem Jahresumsatz von über 200 Mrd. Dollar einer der größten Rohstoffhändler weltweit. Das Unternehmen sei gerade dabei, seine Schulden von 30 Mrd. USD auf 18 bis 19 Mrd. USD, durch eine bereits durchgeführte Kapitalerhöhung von 2,5 Mrd. USD, die Kürzung der Investitionen, Einstellung der Dividendenzahlungen und dem Verkauf und der Stilllegung von Minen und Vorkommen, abzubauen. Notfalls werde man auch einen Teil der Agrarhandelssparte verkaufen, die allein einen geschätzten Marktwert von über 10 Mrd. USD habe. Dollaranleihen von Glencore mit mittlerer Laufzeit würden derzeit eine Rendite von über 10% bringen. Das Rating liege derzeit (noch) bei BBB-.
Petrobras sei bis vor einigen Jahren mit einer Marktkapitalisierung von über 400 Mrd. USD eines der lukrativsten Öl- und Gasunternehmen weltweit gewesen. Das Unternehmen besitze eine implizite Garantie durch den brasilianischen Staat, der die Stimmenmehrheit halte und die staatlichen Investitionen darüber steuere. Vor kurzem sei es Petrobras erlaubt worden, erstmals seit langem die Benzinpreise zu erhöhen. Die brasilianische Regierung habe in den letzten Jahren versucht, die Inflation durch künstlich gedrückte Preise zu deckeln. Dollaranleihen von Petrobras mit mittlerer Laufzeit würden derzeit eine Rendite von über 12% bringen, und damit fast doppelt so viel wie vergleichbare Staatsanleihen, die ebenfalls über ein BB-Rating verfügen würden.
Die Experten seien der Überzeugung, dass Aktien keine sinnvolle Alternative zu Anleihen bieten würden. Dividenden seien nicht der neue Zins, wie derzeit von vielen Seiten postuliert werde. Anleihen würden eine feste Laufzeit, einen festen Zins und eine Rückzahlung zum Nominalwert bieten. Damit seien sie ganz anders kalkulierbar als Dividendenpapiere.
Der Königsweg bleibe nach wie vor ein ausgewogenes Depot aus Aktien und Anleihen. Allerdings würden quasi zinslose Staatsanleihen mit langer Laufzeit keinen Sinn geben. Hier erwerbe man nur Risiko ohne Rendite, statt Rendite ohne Risiko. Neu sei sicher, dass es auch im Anleihebereich keinen risikolosen Zins mehr gebe. Der renditebewusste Anleger müsse heute also zwangsläufig höhere Risiken und damit verbunden auch höhere Kursschwankungen in Kauf nehmen.
Viele Anfragen würden die Experten derzeit wegen der möglichen Ausfallrisiken erreichen. Wenn ein Unternehmen bankrott gehe, zahle es seine Anleihen nicht zurück. So etwas komme immer mal vor, aber bei großen Gesellschaften viel seltener als man gemeinhin glaube. Die Experten hätten derzeit mit Abengoa, einem spanischen Technologiekonzern, einen Pleitekandidaten im Depot (aktuelles Gewicht im Argos: 0,16%, im Winbonds: 0,18%). Das sei aber eher eine Ausnahme. In der Regel würden auch High Yield Anleihen im BB-B-Bereich pünktlich zurückbezahlt.
Beispiele: In den Jahren 2011/2012 seien Telekom-Anleihen massiv unter Druck gekommen, wegen erodierender Margen im Mobilfunk- und Festnetzgeschäft bei gleichzeitig hoher Verschuldung der Unternehmen. Die Eurobonds von Hellenic Telecom, einer Tochter der Deutschen Telecom, seien von 100 auf fast 50 zurückgefallen, nur um sich anschließend wieder dem Rückzahlungskurs anzunähern.
In den Jahren 2014/2015 sei Ähnliches mit russischen Unternehmensanleihen geschehen. Wegen der Ukraine-Krise und dem Ölpreisverfall seien zum Beispiel die Dollarbonds von Lukoil von 100 auf 75 gefallen, um sich später (trotz Ölkrise) wieder dem Nominalwert anzunähern.
Die Experten würden es als ihre Aufgabe ansehen, Anlegern ein höherverzinsliches Rentenportfolio mit einem möglichst optimalen Chance/Risiko-Verhältnis zusammenzustellen. Dabei müsse im heutigen Umfeld der historischen Niedrigzinsen bewusst ein überschaubares Risiko eingegangen werden, das sich in der Regel in einer höheren Schwankungsbreite in der Wertentwicklung ausdrücke. Alles andere gebe aus Sicht der Experten keinen Sinn. Die aktuellen panikartigen Verwerfungen in bestimmten Segmenten würden die Experten eher als Kaufgelegenheit sehen. (Ausgabe Dezember 2015) (22.12.2015/alc/a/a)
Speziell in den letzten Wochen sei dies in einem regelrechten Kurssturz gemündet, ausgelöst durch Panikverkäufe nervöser Anleger. Zwei High-Yield-Fonds hätten sogar wegen Unverkäuflichkeit der Papiere die Rücknahmen einstellen müssen. Der Ausverkauf sei bei extrem hohen Umsätzen (sowohl bei Bonds als auch bei Verkaufsoptionen) erfolgt. Ebenfalls unter die Räder seien viele Währungen und (Staats-)Anleihen aus den Emerging Markets gekommen. Erinnerungen an die Krise in 2008 vor und nach der Lehman-Pleite würden wach.
Ausgelöst worden sei diese Entwicklung durch den steigenden US-Dollar und die fallenden Energie- und Rohstoffpreise. Man befürchte, dass dieser Trend anhalte und viele Staaten und Unternehmen deshalb Schwierigkeiten haben würden, ihre Dollar-Schulden zurückzuzahlen. Dies gelte natürlich insbesondere für jene Gläubiger, die davon besonders betroffen seien d.h. deren Einnahmen direkt von den erodierenden Öl- und Rohstoffpreisen tangiert würden.
Verstärkt werde das Desaster durch ein Phänomen, auf das die Experten bereits mehrfach hingewiesen hätten. Durch die verstärkte staatliche Regulierung der Banken, könnten diese nur noch wenige Handelsbestände in Anleihen halten und würden sich zunehmend von ihrer Funktion als "Market-Maker" verabschieden. Deshalb könne es schon bei kleineren Unsicherheiten zu scharfen Preisausschlägen mit Panikreaktionen kommen.
Die beiden Fonds der Experten StarCapital Argos und StarCapital Winbonds plus seien von dieser Entwicklung ebenfalls betroffen. Der Argos habe seit Jahresanfang 2,1% abgegeben, der Winbonds plus liege mit 2,7% im Minus (Stand: 20.12.). Dies sei ärgerlich, weil beide Fonds im Jahresverlauf schon über 6% im Plus gelegen hätten. Die Ursache liege darin begründet, dass die Experten traditionell einen der Anlageschwerpunkte in den "Fallen Angels" hätten, da diese langfristig ein optimales Chance-Risikoverhältnis im Rentenmanagement bieten würden.
Fallen Angels seien Anleihen von Emittenten aus dem Crossover-Bereich (BBB-/BB+), denen eine Herabstufung aus dem Investmentgrade in den High-Yield-Sektor drohe oder bei denen diese Abstufung bereits vollzogen worden sei. Da die meisten institutionellen Anleger solche Anleihen aus gesetzlichen oder regulatorischen Gründen nicht halten dürften, entstehe hier ein künstlicher Verkaufsdruck. Dieser habe mit der tatsächlichen Situation des Unternehmens wenig zu tun und biete deshalb oft exzellente Einstiegschancen.
Derzeit gebe es bei USD-Anleihen besonders viele "Fallen Angels" und damit besonders viel Verkaufsdruck, da die Zinsen im Dollarraum steigen würden und sich die Konjunktur gleichzeitig abschwäche. Dies belaste Unternehmen mit einer höheren Verschuldung, zum Beispiel aus dem Energie- und Rohstoffsektor. Gleichzeitig würden die Anleger höhere Sicherheitsprämien (Spreads) fordern, weil die Risikoaversion steige. Und dies alles stoße auf einen Markt, bei dem die Liquidität nicht mehr gegeben sei. All diese Faktoren zusammengenommen würden zu einer desaströsen Kursentwicklung bei den betroffenen Anleihen führen.
Die Experten hätten bereits im Frühjahr die damals noch positive Entwicklung genutzt und die Portefeuilles krisensicherer gemacht. Es seien fast alle Anleihen mit einer längeren Laufzeit als zehn Jahre verkauft worden, ebenso fast alle Papiere mit einem Rating schlechter 'BB', oder einer riskanteren Struktur (Perpetuals, Nachranganleihen, etc). Auch der Anteil der Fremdwährungsanleihen aus den Emerging Markets im Argos sei deutlich reduziert worden.
Durch diese Gewinnmitnahmen seien umfangreiche Barreserven von bis zu 40% aufgebaut worden, die Schlimmeres verhindert hätten und jetzt zur Wiederanlage zur Verfügung stünden. Allerdings hätten die Experten zu früh angefangen in höherverzinsliche Anleihen aus dem Energie- und Rohstoffbereich zu investieren. Nachdem die Abwärtsbewegung in diesem Sektor bereits seit mehr als vier Jahren andauere, hätten die Experten das weitere Verlustpotenzial nicht mehr so hoch eingeschätzt. Das sei sicher ein Fehler gewesen.
Wie sei die aktuelle Entwicklung einzuschätzen? Die Experten würden feststellen, dass sich die Schwächezeichen in der amerikanischen Konjunktur verstärken würden. Die Kursentwicklung von Kupfer (Dr. Copper) als Frühindikator spreche Bände. Deshalb sei die Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank ein Fehler gewesen und die Renditen würden bald wieder sinken.
Die Experten würden die Kurseinbrüche bei vielen Unternehmensanleihen für völlig überzogen halten und hätten begonnen, ihre Liquidität schrittweise für Rückkäufe einzusetzen. Entgegen dem normalen Sicherheitsempfinden sei es viel weniger riskant, in einer Panik zu kaufen als in einer Euphorie! Allerdings würden die Experten sehr behutsam vorgehen, da die Abwärtstrends immer noch intakt seien.
So liege die Barreserve beim Argos immer noch bei 34% und im Winbonds plus bei 28%. Außerdem würden sich die Experten auf Anleihen sehr großer Unternehmen wie Glencore, Petrobras, Anglo American und Freeport McMoran konzentrieren, die die Experten nicht für ernsthaft gefährdet halten würden, zumal sie drastische Maßnahmen ergreifen würden, um ihre Kreditfähigkeit zu bewahren.
Glencore sei mit einem Jahresumsatz von über 200 Mrd. Dollar einer der größten Rohstoffhändler weltweit. Das Unternehmen sei gerade dabei, seine Schulden von 30 Mrd. USD auf 18 bis 19 Mrd. USD, durch eine bereits durchgeführte Kapitalerhöhung von 2,5 Mrd. USD, die Kürzung der Investitionen, Einstellung der Dividendenzahlungen und dem Verkauf und der Stilllegung von Minen und Vorkommen, abzubauen. Notfalls werde man auch einen Teil der Agrarhandelssparte verkaufen, die allein einen geschätzten Marktwert von über 10 Mrd. USD habe. Dollaranleihen von Glencore mit mittlerer Laufzeit würden derzeit eine Rendite von über 10% bringen. Das Rating liege derzeit (noch) bei BBB-.
Petrobras sei bis vor einigen Jahren mit einer Marktkapitalisierung von über 400 Mrd. USD eines der lukrativsten Öl- und Gasunternehmen weltweit gewesen. Das Unternehmen besitze eine implizite Garantie durch den brasilianischen Staat, der die Stimmenmehrheit halte und die staatlichen Investitionen darüber steuere. Vor kurzem sei es Petrobras erlaubt worden, erstmals seit langem die Benzinpreise zu erhöhen. Die brasilianische Regierung habe in den letzten Jahren versucht, die Inflation durch künstlich gedrückte Preise zu deckeln. Dollaranleihen von Petrobras mit mittlerer Laufzeit würden derzeit eine Rendite von über 12% bringen, und damit fast doppelt so viel wie vergleichbare Staatsanleihen, die ebenfalls über ein BB-Rating verfügen würden.
Die Experten seien der Überzeugung, dass Aktien keine sinnvolle Alternative zu Anleihen bieten würden. Dividenden seien nicht der neue Zins, wie derzeit von vielen Seiten postuliert werde. Anleihen würden eine feste Laufzeit, einen festen Zins und eine Rückzahlung zum Nominalwert bieten. Damit seien sie ganz anders kalkulierbar als Dividendenpapiere.
Der Königsweg bleibe nach wie vor ein ausgewogenes Depot aus Aktien und Anleihen. Allerdings würden quasi zinslose Staatsanleihen mit langer Laufzeit keinen Sinn geben. Hier erwerbe man nur Risiko ohne Rendite, statt Rendite ohne Risiko. Neu sei sicher, dass es auch im Anleihebereich keinen risikolosen Zins mehr gebe. Der renditebewusste Anleger müsse heute also zwangsläufig höhere Risiken und damit verbunden auch höhere Kursschwankungen in Kauf nehmen.
Viele Anfragen würden die Experten derzeit wegen der möglichen Ausfallrisiken erreichen. Wenn ein Unternehmen bankrott gehe, zahle es seine Anleihen nicht zurück. So etwas komme immer mal vor, aber bei großen Gesellschaften viel seltener als man gemeinhin glaube. Die Experten hätten derzeit mit Abengoa, einem spanischen Technologiekonzern, einen Pleitekandidaten im Depot (aktuelles Gewicht im Argos: 0,16%, im Winbonds: 0,18%). Das sei aber eher eine Ausnahme. In der Regel würden auch High Yield Anleihen im BB-B-Bereich pünktlich zurückbezahlt.
Beispiele: In den Jahren 2011/2012 seien Telekom-Anleihen massiv unter Druck gekommen, wegen erodierender Margen im Mobilfunk- und Festnetzgeschäft bei gleichzeitig hoher Verschuldung der Unternehmen. Die Eurobonds von Hellenic Telecom, einer Tochter der Deutschen Telecom, seien von 100 auf fast 50 zurückgefallen, nur um sich anschließend wieder dem Rückzahlungskurs anzunähern.
In den Jahren 2014/2015 sei Ähnliches mit russischen Unternehmensanleihen geschehen. Wegen der Ukraine-Krise und dem Ölpreisverfall seien zum Beispiel die Dollarbonds von Lukoil von 100 auf 75 gefallen, um sich später (trotz Ölkrise) wieder dem Nominalwert anzunähern.
Die Experten würden es als ihre Aufgabe ansehen, Anlegern ein höherverzinsliches Rentenportfolio mit einem möglichst optimalen Chance/Risiko-Verhältnis zusammenzustellen. Dabei müsse im heutigen Umfeld der historischen Niedrigzinsen bewusst ein überschaubares Risiko eingegangen werden, das sich in der Regel in einer höheren Schwankungsbreite in der Wertentwicklung ausdrücke. Alles andere gebe aus Sicht der Experten keinen Sinn. Die aktuellen panikartigen Verwerfungen in bestimmten Segmenten würden die Experten eher als Kaufgelegenheit sehen. (Ausgabe Dezember 2015) (22.12.2015/alc/a/a)


