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FED will Zinsen senken, vielleicht
22.03.24 09:45
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen zeigten in den vergangenen Tagen insgesamt nur eine verhaltene Bewegung in den USA und Deutschland, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen stehe aktuell bei 4,25% und der Bunds bei 2,40%. Das März-Meeting der FED habe zu niedrigeren Renditen, aber die Aktienmärkte in der freudigen Erwartung auf bevorstehende Zinssenkungen im Sommer zum Steigen geführt. Auch wenn die Zins-, Wachstums- und Inflationserwartungen angepasst worden seien, bleibe die FED wohl auf dem bereits im Dezember angedeuteten Fahrplan. Konjunkturell würden die USA in einer Wachstumsentschleunigung bleiben. Zwar hätten die Baubeginne im Februar mit einem kräftigen Wachstum überraschen können, jedoch gebe es weitere Hinweise darauf, dass sich die Verbraucherstimmung laut Erhebungen der Uni Michigan deutlich eintrübe.
In der Eurozone hätten sich dagegen die Konjunkturaussichten etwas mehr aufgehellt. Das Sorgenkind der Eurozone, Deutschland, habe mit einem zwei Jahreshoch in den ZEW-Konjunkturerwartungen im März punkten können. Außerdem habe sich die Handelsbilanz der Eurozone im Januar stark verbessert. Einen wichtigen Dämpfer hätten der insgesamt vorsichtig optimistischen Stimmung die HCOB Flash PMIs verpasst. Nach den schlechten PMIs würden die Anleger mit der EZB ungeduldig hinsichtlich der bevorstehenden Zinssenkung. Die FED werde wohl ebenfalls im Juni die Zinsen um einen viertel Prozentpunkt senken. Von diesem Vorgehen in Washington und Frankfurt seien sowohl die Finanzmärkte als auch HCOB Economics überzeugt.
Die USA hätten in den vergangenen Tage weitere Signale des Eintretens einer ökonomischen Wachstumsschwäche gesendet, auch wenn die Baubeginne mit einem Anstieg im Februar von 10,7% im Jahresvergleich auf einen annualisierten Wert von 1,521 Mio. habe glänzen können. Im Vormonat sei diese hingegen um 12,3% gesunken. Die Februarzahl habe damit die Konsensschätzung von 1,435 Mio. deutlich übertroffen. Die Schwäche sei vielmehr im Konsum zu sehen gewesen. Die Verbraucherstimmung der University of Michigan für die USA sei im März auf 76,5 und damit auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten gesunken, von 76,9 im Februar und unter den Prognosen von ebenfalls 76,9.
Die Verbraucher hätten nur wenige Signale wahrgenommen, dass sich die Wirtschaft derzeit verbessere oder verschlechtere, und viele würden sich mit einem Urteil über die Entwicklung der Wirtschaft zurückhalten, insbesondere auf lange Sicht, bis die Ergebnisse der Wahlen im November vorlägen. Im März-Meeting habe die FED den Leitzins auf der Spanne von 5,25% bis 5,5% belassen. FED-Chef Jerome Powell habe gesagt: "Wir machen weiterhin gute Fortschritte bei der Senkung der Inflation", aber es sei offensichtlich geworden, dass es einen anhaltenden Preisdruck im Dienstleistungssektor gebe, so Powell weiter.
Unterdessen werde das BIP-Wachstum in den USA für 2024, 2025 und 2026 etwas höher erwartet. Die PCE-Inflationsprognosen seien für 2024 unverändert gelassen, aber dafür 2025 leicht angehoben worden. Hingegen werde die Kernrate des PCE Deflators für dieses Jahr um 0,2 Prozentpunkte (2,6% statt 2,4%) höher eingeschätzt. Hinsichtlich der ersten Zinssenkung habe sich die FED in einer abwartenden Haltung gezeigt. Powell habe gesagt, die FED-Mitglieder hätten "zuversichtlicher sein" wollen, dass die Inflation auf das Ziel der Zentralbank von 2% zusteuere. Das habe auch die Grundsatzerklärung vom Mittwoch deutlich gemacht. Juni sei als Zielmonat für die erste mögliche Zinssenkung beibehalten worden.
In Europa seien die meisten Zahlen auffällig gut gewesen. Noch sei aber die Konjunktur nicht aus dem gröbsten raus. Deutschland habe verbesserte Konjunkturerwartungen vermelden können. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland seien im März 2024 den achten Monat in Folge auf +31,7 gestiegen, hätten damit den höchsten Stand seit Februar 2022 erreicht und die Markterwartungen von +20,5 übertroffen. In der Eurozone hätten positive Handelszahlen vermeldet werden können, die von guten deutschen Zahlen angetrieben gewesen seien. Die Eurozone habe im Januar 2024 einen Handelsbilanzüberschuss von 11,4 Milliarden Euro verzeichnet, verglichen mit einem Defizit von 32,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Die Exporte seien im Vergleich zum Vorjahr um 1,3% auf 225,9 Mrd. EUR gestiegen, getrieben durch den Versand verschiedener Industrieerzeugnisse.
Unterdessen seien die Importe um 16,1% auf 214,5 Mrd. EUR gesunken, was auf einen Rückgang der Akquisitionen in einer Vielzahl von Kategorien zurückzuführen sei, insbesondere auf mineralische Brennstoffe, Schmierstoffe und verwandte Rohstoffe. Die HCOB Flash PMIs für Deutschland und Frankreich hätten dann die gute Stimmung etwas vermiest. Zwar habe der zusammengesetzte PMI (Dienstleistungen und Industrie) für die Eurozone und Deutschland etwas besser als erwartet wachsen, aber noch kein Wachstum vermelden können, was vor allem auf die Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes zurückzuführen sei. Frankreichs PMI habe auf ganzer Linie enttäuscht, dieser sei wider Erwarten zurückgegangen und im Schrumpfungsbereich geblieben.
Geldpolitisch würden die Rufe der Anleger und der EZB-Ratsmitglieder lauter, aber nicht viel konkreter. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe bekräftigt, dass der Juni der Monat sei, in dem die politischen Entscheidungsträger eine Zinssenkung in Betracht ziehen würden, jedoch gewarnt, dass sich die EZB nicht auf eine im Voraus festgelegte Anzahl von Zinssenkungen festlegen werde, da dies von den eingehenden Daten abhänge.
Datenseitig würden die Analysten auf den ifo-Index für den März (22.3.) schauen. Dieser dürfte sich nicht allzu sehr verändert haben, wenn man die HCOB PMIs als Schätzung zugrunde lege. Auch interessant für Deutschland dürfte das von GfK erhobene Konsumklima sein. Das GfK-Konsumklima (26.03.) für Deutschland sei bis März leicht auf -29,0 von seinem 11-Monatstief im Februar von 29,6 gestiegen. Deutliche Verbesserungen dürften im April nicht kommen. Die Einzelhandelsdaten (27.03.) im Februar dürften entsprechend auch kaum zu überzeugen wissen.
In den USA interessiere die Analysten datenseitig im Immobilienbereich der Verkauf neuer Häuser im Februar (25.03.). Könnte auch hier bald schon eine Erholung des Immobilienmarktes eingeläutet werden, so wie sie bei den Baubeginnen im Februar sichtbar gewesen sei? Des Weiteren stünden Zahlen zum PCE Deflator für den Februar an (29.03.). Das HCOB Nowcast der Analysten erwarte für den PCE Deflator eine Jahresrate im Februar von 2,5% (0,3% MoM). Grundlage für diese Schätzung seien die bereits veröffentlichten Februarzahlen zur CPI-Inflation und den Produzentenpreisen. (Ausgabe vom 21.03.2024) (22.03.2024/alc/a/a)
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen stehe aktuell bei 4,25% und der Bunds bei 2,40%. Das März-Meeting der FED habe zu niedrigeren Renditen, aber die Aktienmärkte in der freudigen Erwartung auf bevorstehende Zinssenkungen im Sommer zum Steigen geführt. Auch wenn die Zins-, Wachstums- und Inflationserwartungen angepasst worden seien, bleibe die FED wohl auf dem bereits im Dezember angedeuteten Fahrplan. Konjunkturell würden die USA in einer Wachstumsentschleunigung bleiben. Zwar hätten die Baubeginne im Februar mit einem kräftigen Wachstum überraschen können, jedoch gebe es weitere Hinweise darauf, dass sich die Verbraucherstimmung laut Erhebungen der Uni Michigan deutlich eintrübe.
In der Eurozone hätten sich dagegen die Konjunkturaussichten etwas mehr aufgehellt. Das Sorgenkind der Eurozone, Deutschland, habe mit einem zwei Jahreshoch in den ZEW-Konjunkturerwartungen im März punkten können. Außerdem habe sich die Handelsbilanz der Eurozone im Januar stark verbessert. Einen wichtigen Dämpfer hätten der insgesamt vorsichtig optimistischen Stimmung die HCOB Flash PMIs verpasst. Nach den schlechten PMIs würden die Anleger mit der EZB ungeduldig hinsichtlich der bevorstehenden Zinssenkung. Die FED werde wohl ebenfalls im Juni die Zinsen um einen viertel Prozentpunkt senken. Von diesem Vorgehen in Washington und Frankfurt seien sowohl die Finanzmärkte als auch HCOB Economics überzeugt.
Die USA hätten in den vergangenen Tage weitere Signale des Eintretens einer ökonomischen Wachstumsschwäche gesendet, auch wenn die Baubeginne mit einem Anstieg im Februar von 10,7% im Jahresvergleich auf einen annualisierten Wert von 1,521 Mio. habe glänzen können. Im Vormonat sei diese hingegen um 12,3% gesunken. Die Februarzahl habe damit die Konsensschätzung von 1,435 Mio. deutlich übertroffen. Die Schwäche sei vielmehr im Konsum zu sehen gewesen. Die Verbraucherstimmung der University of Michigan für die USA sei im März auf 76,5 und damit auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten gesunken, von 76,9 im Februar und unter den Prognosen von ebenfalls 76,9.
Die Verbraucher hätten nur wenige Signale wahrgenommen, dass sich die Wirtschaft derzeit verbessere oder verschlechtere, und viele würden sich mit einem Urteil über die Entwicklung der Wirtschaft zurückhalten, insbesondere auf lange Sicht, bis die Ergebnisse der Wahlen im November vorlägen. Im März-Meeting habe die FED den Leitzins auf der Spanne von 5,25% bis 5,5% belassen. FED-Chef Jerome Powell habe gesagt: "Wir machen weiterhin gute Fortschritte bei der Senkung der Inflation", aber es sei offensichtlich geworden, dass es einen anhaltenden Preisdruck im Dienstleistungssektor gebe, so Powell weiter.
In Europa seien die meisten Zahlen auffällig gut gewesen. Noch sei aber die Konjunktur nicht aus dem gröbsten raus. Deutschland habe verbesserte Konjunkturerwartungen vermelden können. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland seien im März 2024 den achten Monat in Folge auf +31,7 gestiegen, hätten damit den höchsten Stand seit Februar 2022 erreicht und die Markterwartungen von +20,5 übertroffen. In der Eurozone hätten positive Handelszahlen vermeldet werden können, die von guten deutschen Zahlen angetrieben gewesen seien. Die Eurozone habe im Januar 2024 einen Handelsbilanzüberschuss von 11,4 Milliarden Euro verzeichnet, verglichen mit einem Defizit von 32,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Die Exporte seien im Vergleich zum Vorjahr um 1,3% auf 225,9 Mrd. EUR gestiegen, getrieben durch den Versand verschiedener Industrieerzeugnisse.
Unterdessen seien die Importe um 16,1% auf 214,5 Mrd. EUR gesunken, was auf einen Rückgang der Akquisitionen in einer Vielzahl von Kategorien zurückzuführen sei, insbesondere auf mineralische Brennstoffe, Schmierstoffe und verwandte Rohstoffe. Die HCOB Flash PMIs für Deutschland und Frankreich hätten dann die gute Stimmung etwas vermiest. Zwar habe der zusammengesetzte PMI (Dienstleistungen und Industrie) für die Eurozone und Deutschland etwas besser als erwartet wachsen, aber noch kein Wachstum vermelden können, was vor allem auf die Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes zurückzuführen sei. Frankreichs PMI habe auf ganzer Linie enttäuscht, dieser sei wider Erwarten zurückgegangen und im Schrumpfungsbereich geblieben.
Geldpolitisch würden die Rufe der Anleger und der EZB-Ratsmitglieder lauter, aber nicht viel konkreter. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe bekräftigt, dass der Juni der Monat sei, in dem die politischen Entscheidungsträger eine Zinssenkung in Betracht ziehen würden, jedoch gewarnt, dass sich die EZB nicht auf eine im Voraus festgelegte Anzahl von Zinssenkungen festlegen werde, da dies von den eingehenden Daten abhänge.
Datenseitig würden die Analysten auf den ifo-Index für den März (22.3.) schauen. Dieser dürfte sich nicht allzu sehr verändert haben, wenn man die HCOB PMIs als Schätzung zugrunde lege. Auch interessant für Deutschland dürfte das von GfK erhobene Konsumklima sein. Das GfK-Konsumklima (26.03.) für Deutschland sei bis März leicht auf -29,0 von seinem 11-Monatstief im Februar von 29,6 gestiegen. Deutliche Verbesserungen dürften im April nicht kommen. Die Einzelhandelsdaten (27.03.) im Februar dürften entsprechend auch kaum zu überzeugen wissen.
In den USA interessiere die Analysten datenseitig im Immobilienbereich der Verkauf neuer Häuser im Februar (25.03.). Könnte auch hier bald schon eine Erholung des Immobilienmarktes eingeläutet werden, so wie sie bei den Baubeginnen im Februar sichtbar gewesen sei? Des Weiteren stünden Zahlen zum PCE Deflator für den Februar an (29.03.). Das HCOB Nowcast der Analysten erwarte für den PCE Deflator eine Jahresrate im Februar von 2,5% (0,3% MoM). Grundlage für diese Schätzung seien die bereits veröffentlichten Februarzahlen zur CPI-Inflation und den Produzentenpreisen. (Ausgabe vom 21.03.2024) (22.03.2024/alc/a/a)


