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FED und Griechenland - Sorgenkinder der Anleihemärkte


30.07.15 12:58
Jupiter AM

London (www.anleihencheck.de) - Eine zugeknöpfte US Federal Reserve und unerledigte Aufgaben in Griechenland werden auf den Anleihemärkten weiterhin für Beunruhigung sorgen, so die Experten von Jupiter Asset Management (Jupiter AM).

Australische Staatsanleihen hingegen könnten eine Möglichkeit zur Risikominderung darstellen und Länder wie Zypern und Indien würden ausgewählte Anlagechancen bieten.

Der schärfere Tonfall der FED bei der Veröffentlichung ihrer Leitlinien habe die allgemeine Nervosität bezüglich des Ausblicks für die US-Geldpolitik noch gesteigert - und sich als Problem für die Anleihemärkte erwiesen. Infolgedessen habe sich das Risiko einer geldpolitischen Fehlentscheidung nach Ansicht der Experten erhöht.

Dennoch würden die Experten eine mögliche Zinserhöhung im kommenden September nicht als Verkaufssignal für Anleihen betrachten. Die Experten würden glauben, das Aufwärtspotenzial des globalen Wachstums und der Inflation sei in einem Umfeld begrenzt, in dem hohe Schuldenstände und alternde Bevölkerungen in weiten Teilen der entwickelten Welt wohl weiterhin ein großes Hemmnis darstellen würden.

Zudem seien in den USA viele Anzeichen für eine "gute Deflation" wie etwa effizientere Geschäftsprozesse festzustellen. Diese hätten dafür gesorgt, dass der Inflationsdruck bisher im Zaum gehalten worden sei. Die Experten würden nicht damit rechnen, dass die Weltwirtschaft in der Lage wäre, deutlich höhere Zinsen zu verkraften und daher erwarten, dass eine Straffung der globalen Zinspolitik schrittweise erfolgen werde. In diesem Zusammenhang würden die Experten weiterhin positiv für den US-Dollar bleiben.

Die unendliche Griechenland-Geschichte werde unterdessen weiter die Schlagzeilen bestimmen und für Phasen erhöhter Volatilität bei Unternehmensanleihen sowie bei Staatsanleihen aus Peripherieländern sorgen.

In den nächsten Monaten werde es wohlmöglich zu weiteren Konflikten zwischen Griechenland und seinen Geldgebern kommen. Daher hätten die Experten vor der dortigen Parlamentsabstimmung am 15. Juli auf ihre Position in griechischen Staatsanleihen Gewinne mitgenommen. Letzten Endes würden die Experten erwarten, dass die negativen Folgen eines Grexit in Anbetracht der Tatsache, dass das Land weniger als zwei Prozent des europäischen BIP ausmache und der Großteil seiner Staatsanleihen vom öffentlichen Sektor gehalten werde, wohl kaum das Ausmaß der Lehman-Pleite erreichen werde.

Ein Ausverkauf bei Staatsanleihen aus Peripherieländern (wie in Spanien, Italien und Portugal) könnte zu aggressiveren Interventionen seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) führen, um die Renditen unter Kontrolle zu halten. Infolgedessen würden die Experten es für vernünftig halten, eine starke Gewichtung auf mittel- bis langfristige Staatsanleihen mit AAA-Rating vorzunehmen, mit dem Ziel einer Minderung der deflationären Extremrisiken.

Der Ausblick für zypriotische Staatsanleihen, die die Experten ihrem Portfolio in diesem Jahr hinzugefügt hätten, gefalle den Experten. Im Gegensatz zu dem in Griechenland herrschenden Durcheinander scheine Zypern mit seinem Reformprogramm auf Kurs zu liegen. Hauptursache für die Zypern-Krise im Jahr 2012 sei nicht die Kreditaufnahme durch den Staat, sondern der überhöhte Verschuldungsgrad des Finanzsektors gewesen. Und nicht nur die Wirtschaft habe sich in den letzten Jahren kräftig erholt, auch der Bankensektor sei seither erfolgreich rekapitalisiert worden.

Obwohl die Staatsverschuldung auf einem hohen Niveau verharre, habe sich die Haushaltsentwicklung verbessert. Der Inselstaat verstoße nicht mehr gegen die Auflagen des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit - im Gegensatz zu einigen seiner größeren Pendants. Die Anleihen würden derzeit eine relativ hohe Rendite unter staatlichen Emittenten bieten und würden möglicherweise für das quantitative Lockerungsprogramm der EZB in Betracht gezogen.

Der Ausblick der Experten für die Schwellenländer bleibe zurückhaltend, insbesondere für China, deren Konjunkturdaten erneut enttäuschend ausgefallen seien. Die Einschätzung der Experten basiere auf den schwachen wirtschaftlichen Fundamentaldaten über die gesamten Emerging Markets hinweg sowie auf ihrer positiven Einschätzung für den US-Dollar, der für Spannungspunkte in bereits verschuldeten Volkswirtschaften sorgen könnte.

Indien sei eine beachtenswerte Ausnahme von dieser Einschätzung. Die Anleihepositionen der Experten in Lokalwährung würden auf einer anziehenden Konjunktur und der Überzeugung der Experten basieren, dass weitere Zinssenkungen wahrscheinlich seien.

Darüber hinaus importiere Indien einen Großteil der Energie, die das Land benötige, daher dürften sich anhaltend schwache Ölpreise als positiv erweisen. Weiterhin würden die Experten in den Schwellenländern über ausgewählte Positionen in kurzfristigen russischen Papieren in den Sektoren Energie und Rohstoffe, darunter Gazprom und Lukoil verfügen. Die Abneigung von Anlegern gegenüber Russland seit Beginn des Ukrainekonflikts habe bedeutet, dass die Experten in der Lage gewesen seien, Unternehmen zu finden, deren Bilanzen nach Ansicht der Experten so stark seien wie diejenigen von Unternehmen mit AA- oder A-Rating. Jedoch seien diese Anleihen zu Renditen gehandelt worden, die typischerweise eher zu Anleihen mit BB- oder B-Rating passen würden.

Australische Staatsanleihen (abgesichert) seien eine Kernposition innerhalb des Portfolios. Die Zinssenkung der Reserve Bank of Australia um 0,25 Prozent im Mai untermauere die Investitionen der Experten in die währungsgesicherten Anleihen des Landes und die Experten würden den Ausblick für die Binnenkonjunktur nach wie vor negativ einschätzen. Die Einschätzung der Experten basiere auf einem niedrigen Niveau der Unternehmensinvestitionen, schwachen Kohle- und Eisenerzpreisen, einem nicht wettbewerbsfähigen Wechselkurs und geringem Einkommenswachstum.

Die Experten würden glauben, dass die konjunkturelle Abkühlung in China die australische Wirtschaft weiter belasten werde, während die starken Staatsfinanzen darauf hindeuten würden, dass die Sorge hinsichtlich einer möglichen Herabstufung Australiens überzogen sei. Eine erhebliche Verschlechterung der Fundamentaldaten müsste eintreten, damit es zu einer Herabstufung käme.

Nach Ansicht der Experten schneide Australien bei den Kennzahlen bezüglich seiner Verschuldung derzeit im Vergleich zu anderen führenden Industrieländern ausgesprochen gut ab. (30.07.2015/alc/a/a)