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Der FED sind die Hände gebunden
28.04.16 12:07
GAM
Berlin (www.anleihencheck.de) - Seit der Finanzkrise gilt: Wenn es an den Finanzmärkten oder in der US-Wirtschaft Probleme gibt, ist stets die FED zur Stelle. Künftig wird dies aber nicht mehr so sein, und Anleger müssen sich auf diesen Wandel vorbereiten, so Sushil Wadhwani, Fondsmanager für den Vermögensverwalter GAM und CEO von Wadhwani Asset Management.
"Die Arbeitslosigkeit in den USA ist auf ein Niveau gefallen, auf dem eine weitere monetäre Lockerung bald nur noch um den Preis steigender Inflation zu haben sein wird. Damit werden der FED bei der nächsten Krise die Hände gebunden sein. Für Investoren bedeutet dies nichts weniger als einen Paradigmenwechsel", erkläre das ehemalige Mitglied des Monetary Policy Council der Bank of England. Die US-Wirtschaft befinde sich zwar aktuell in stabilem Fahrwasser. Doch wenn sich dies ändere, dürften klassische Anlagestrategien sowohl an den Aktien- als auch den Anleihemärkten in Schwierigkeiten geraten. "Insbesondere Investoren, die sich bislang auf Long-Positionen verlassen haben, könnten gezwungen sein, ihre Strategie zu überdenken", so der Experte.
Theoretisch könnte die FED recht zufrieden sein: Die US-Wirtschaft wachse in einem gesunden Tempo. Die Inflation sei unter Kontrolle. Die Arbeitslosigkeit sei seit der Finanzkrise von ihren Höchstständen von 10 Prozent auf rund fünf Prozent im März dieses Jahres gesunken. "Damit liegt die Arbeitslosenquote allerdings gefährlich nahe an der der sogenannten inflationsstabilen Arbeitslosenquote liegt, bei der sich Lohndruck aufzubauen beginnt. Diese "natürliche" Quote wird von den meisten Ökonomen auf rund fünf Prozent geschätzt", gebe Wadhwani zu bedenken. Das für 2016 erwartete Wachstum der US-Wirtschaft von rund 2,5 Prozent dürfte zu einem weiteren Absinken der Arbeitslosigkeit führen. "Wir rechnen damit, dass der anhaltende Aufschwung die Arbeitslosenquote auf rund 4,5 Prozent drückt, also deutlich unter das Gleichgewicht von fünf Prozent. Und das wird Konsequenzen für die Märkte haben", so Wadhwani.
Denn jenseits der Arbeitslosenquote hätten geldpolitische Lockerungsmaßnahmen fast zwangsläufig zu Preissteigerungen geführt. Seit der Lehman-Krise sei die FED jedes Mal eingesprungen, wenn die Nachrichtenlage schlecht gewesen sei. Damit sei es nun vorbei, erläutere Wadhwani: "Angesichts der aktuellen niedrigen Arbeitslosenquote ist nicht zu erkennen, wie die Notenbank diese Politik fortsetzen kann, ohne die Preisstabilität zu riskieren. Es bleibt noch etwas Zeit, aber wir schätzen, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten sechs Monaten auf ein Niveau fallen wird, bei dem die FED handlungsunfähig ist, wenn es zu einem Wachstumsknick kommen sollte."
Einen Mangel an möglichen Auslösern für Turbulenzen sehe der Experte auch angesichts der aktuell stabilen Lage nicht. So bleibe auch China ein Unsicherheitsfaktor. Zwar sei nach gängiger Meinung eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft notwendig, um die US-Wirtschaft zu gefährden. Allerdings könnte eine chinesische Schwäche zu Wechselkursschwankungen führen, die die chinesischen Währungsreserven unter Druck setzen würden. "Es ist durchaus möglich, dass Sorgen um einen Absturz des Renminbi größere Turbulenzen an den Finanzmärkten nach sich ziehen", schätze Wadhwani. Anleger müssten sich in Situationen wie dieser darauf einstellen, dass die Unterstützung seitens der FED ausbleibe. Nach Wadhwanis Einschätzung könne diese Entwicklung die Fähigkeit von Aktien, attraktive Renditen zu generieren, mittelfristig deutlich beschränken und die Märkte für schwere Rücksetzer verwundbar machen. (28.04.2016/alc/a/a)
"Die Arbeitslosigkeit in den USA ist auf ein Niveau gefallen, auf dem eine weitere monetäre Lockerung bald nur noch um den Preis steigender Inflation zu haben sein wird. Damit werden der FED bei der nächsten Krise die Hände gebunden sein. Für Investoren bedeutet dies nichts weniger als einen Paradigmenwechsel", erkläre das ehemalige Mitglied des Monetary Policy Council der Bank of England. Die US-Wirtschaft befinde sich zwar aktuell in stabilem Fahrwasser. Doch wenn sich dies ändere, dürften klassische Anlagestrategien sowohl an den Aktien- als auch den Anleihemärkten in Schwierigkeiten geraten. "Insbesondere Investoren, die sich bislang auf Long-Positionen verlassen haben, könnten gezwungen sein, ihre Strategie zu überdenken", so der Experte.
Denn jenseits der Arbeitslosenquote hätten geldpolitische Lockerungsmaßnahmen fast zwangsläufig zu Preissteigerungen geführt. Seit der Lehman-Krise sei die FED jedes Mal eingesprungen, wenn die Nachrichtenlage schlecht gewesen sei. Damit sei es nun vorbei, erläutere Wadhwani: "Angesichts der aktuellen niedrigen Arbeitslosenquote ist nicht zu erkennen, wie die Notenbank diese Politik fortsetzen kann, ohne die Preisstabilität zu riskieren. Es bleibt noch etwas Zeit, aber wir schätzen, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten sechs Monaten auf ein Niveau fallen wird, bei dem die FED handlungsunfähig ist, wenn es zu einem Wachstumsknick kommen sollte."
Einen Mangel an möglichen Auslösern für Turbulenzen sehe der Experte auch angesichts der aktuell stabilen Lage nicht. So bleibe auch China ein Unsicherheitsfaktor. Zwar sei nach gängiger Meinung eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft notwendig, um die US-Wirtschaft zu gefährden. Allerdings könnte eine chinesische Schwäche zu Wechselkursschwankungen führen, die die chinesischen Währungsreserven unter Druck setzen würden. "Es ist durchaus möglich, dass Sorgen um einen Absturz des Renminbi größere Turbulenzen an den Finanzmärkten nach sich ziehen", schätze Wadhwani. Anleger müssten sich in Situationen wie dieser darauf einstellen, dass die Unterstützung seitens der FED ausbleibe. Nach Wadhwanis Einschätzung könne diese Entwicklung die Fähigkeit von Aktien, attraktive Renditen zu generieren, mittelfristig deutlich beschränken und die Märkte für schwere Rücksetzer verwundbar machen. (28.04.2016/alc/a/a)


