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Die FED muss austarieren


17.06.19 15:30
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Eskalation der Handelsspannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China lässt Anleger eine starke Verlangsamung des globalen Wachstums befürchten: Die Volatilität an den Aktienmärkten steigt, während die Inflationserwartungen trotz einer leichten Erholung der Kerninflation und einem Anstieg der Konsumausausgaben weiter fallen, so Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors.

Im Ergebnis würden die Märkte nun mehr als drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte in den nächsten zwölf Monaten erwarten. Zusätzlich erhöhe sich der politische Druck dadurch, dass Präsident Trump die Wirtschaftsleistung um jeden Preis aufrechterhalten wolle.

FED-Präsident Jerome Powell werde deswegen austarieren müssen: Auch wenn die widerstandsfähige US-Wirtschaft kein Argument für eine Änderung der Geldpolitik liefere, werde er wahrscheinlich darauf verweisen, dass die Zentralbank zu einem "Fed Put" bereit sei, um eventuelle Belastungen durch Handelsspannungen auszugleichen.

Damit würde die FED signalisieren, dass sie die Botschaft der Märkte, die finanziellen Bedingungen nicht weiter zu straffen, gehört habe. In einer Rede, die Powell am 4. Juni in Chicago gehalten habe, habe er gesagt, dass die FED die Folgen der Spannungen genau beobachte und bereit sei, bei Bedarf angemessen zu reagieren. Damit habe er eine Tür für eine Zinssenkung geöffnet, ohne sie ausdrücklich zu erwähnen.

Die Experten würden inzwischen davon ausgehen, dass der nächste FED-Schritt eine Zinssenkung und keine -erhöhung sein werde. Allerdings werde die FED diese Entscheidung nicht auf der FED-Sitzung am 19. Juni bekanntgeben. Dafür würden mehrere Gründe sprechen:

- Die robuste US-Wirtschaft stütze sich auf privaten Konsum und ein Vollbeschäftigungsziel, das bereits übertroffen worden sei. Es würde mehr Zeit und einen Kranz an Daten brauchen, die eine reale Konjunkturverlangsamung bestätigen würden, um Prognosen nach unten zu korrigieren.

- Die Normalisierung der Geldpolitik sei nach neun Zinserhöhungen auf Eis gelegt worden. Ausgehende von einen historisch niedrigen Niveau liege der Leitzins nun zwischen 2,25% und 2,50%. Der Spielraum der Zentralbank sei daher begrenzt: Der Zeitpunkt von Zinssenkungen müsse gut kalkuliert werden, um die maximale Effizienz zu gewährleisten.

- Die US-Aktienmärkte lägen trotz Volatilität nahe an historischen Höchstständen und würden weiterhin einen der längsten Aufwärtszyklen der Geschichte erleben.

- Powell müsse geldpolitische Fehler vermeiden: Auch wenn es unwahrscheinlich sei, könne ein förderliches Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und China nicht ausgeschlossen werden. Das könnte die US-Wirtschaft widerbeleben und zu höherer Inflation und Inflationserwartungen führen.

Wenn die Rede weniger "dovish" als erwartet ausfalle, könnten sowohl Aktien- als auch Rentenanleger vorübergehend enttäuscht reagieren. Die Experten würden glauben, dass jede Korrektur der US-Zinsen eine Gelegenheit biete, die Duration in US-Anleihen zu erhöhen. (17.06.2019/alc/a/a)