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FED: Die ersten zaghaften Schritte in Richtung eines eher hawkishen Kurses


17.06.21 12:15
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Diesmal lässt es sich nicht leugnen: Die US-Notenbank hat ihre ersten zaghaften Schritte in Richtung eines eher hawkishen Kurses gemacht, so Oliver Blackbourn, Multi-Asset Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

Das sei an den Märkten sofort zu spüren gewesen. Während es keine unmittelbare Kursänderung gegeben habe, seien in den Medianprognosen für die Zinssätze zwei Erhöhungen für Ende 2023 angekündigt worden. Außerdem sei endlich über ein Tapering gesprochen worden. Der Vorsitzende Powell habe jedoch angedeutet, dass ein Beginn des Tapering noch "in weiter Ferne" liege, da der FOMC weiterhin nach weiteren Fortschritten in der Wirtschaft Ausschau halte.

Die Wirtschaftsprognosen der FED seien angestiegen, da die Notenbank festgestellt habe, dass das Wachstum in diesem Jahr noch stärker ausfallen werde, als sie bereits prognostiziert habe. Die erwartete Wachstumsrate von 7% liege nun über den Konsenserwartungen der Ökonomen, obwohl die Prognostiker für das Wachstum im Jahr 2022 optimistischer seien als die US-Notenbank. Ansonsten würden die Prognosen der FED nun eine klare Tendenz zu einer über dem Ziel liegenden Inflation in den kommenden Jahren zeigen. Die PCE-Inflation werde für die nächsten drei Jahre über dem Zielwert erwartet.

Die Zinsstrukturkurve habe rasch reagiert, wobei der untere Bereich der Kurve die größte Bewegung verzeichnet habe. Die Renditen 5-jähriger US-Staatsanleihen seien um rund 0,1% gestiegen, und auch die Benchmark-Rendite für 10-jährige Anleihen sei angestiegen. Die Bewegung sei von den Realrenditen beherrscht worden. Jedoch habe der Fünfjahreswert einen Anstieg von 0,2% verzeichnet, da die Märkte die Verschiebung der Zinsprognosen innerhalb dieses Zeitrahmens berücksichtigt hätten. Im Gegensatz dazu seien die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen nahezu konstant geblieben, denn die längerfristige Zinsprognose der FED sei mit 2,5% unverändert geblieben. Dies diene schon seit einiger Zeit als Referenzpunkt für die am längsten laufenden Treasuries.

Wie immer angesichts der Bedeutung der FED für die globalen Märkte habe es sofortige Reaktionen in allen Anlageklassen gegeben. Der US-Dollar habe gegenüber dem Euro zugelegt, da Währungen weiterhin auf Veränderungen der Realrenditen reagieren würden. Eine höhere Realrendite mache den Greenback für Anleger attraktiver. Gleichzeitig hätten die höheren Realrenditen den US-Aktienmarkt unmittelbar nach der Erklärung belastet. Die hohen Bewertungen seien nämlich durch die niedrigen Renditen gerechtfertigt worden. Während sich der S&P 500 recht schnell erholt habe, hätten die Emerging Markets die Auswirkungen sowohl eines stärkeren US-Dollars als auch höherer US-Realrenditen zu spüren bekommen. (17.06.2021/alc/a/a)