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FED beendet Anleihenkäufe schon bald


18.12.13 13:40
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Am 16. Dezember 2008 begann die FED ein geldpolitisches Experiment, so die Experten von MFS Investment Management.

Die FED habe den Leitzins auf annähernd Null gesenkt und angekündigt, über die Vorzüge von Staatsanleihenkäufen nachzudenken. Fünf Jahre später lägen die Zinsen immer noch bei fast 0%. Die FED befinde sich in der dritten Runde des Quantitative Easing und habe seit 2008 für etwa 3 Bio. USD Wertpapiere gekauft.

Die Vorteile dieses Experiments würden heiß diskutiert. Fest stehe aber, dass die bis dato einzigartige Lockerung der Geldpolitik Einkommen und BIP kaum gesteigert habe. Noch immer würden sich die USA im schwächsten Aufschwung aller Zeiten befinden - die typische Konsequenz eines Schuldenabbaus nach einer Krise. Außerdem würden die Experten wissen, dass die Liquiditätsspritzen der FED große Auswirkungen auf die Asset-Preise hätten. Wohnimmobilien seien teurer geworden und Aktienkurse so hoch wie nie: Es fehle nur noch eine Inflation im herkömmlichen Sinne.

Als die FED mit dem Gelddrucken begonnen habe, hätten alle gedacht, die Inflation sei nicht weit. Daran erinnern wir uns noch sehr gut, so die Experten von MFS Investment Management. Im 4. Quartal 2008 habe die Verbraucherpreisinflation 1,6% betragen, und das von der FED bevorzugte Maß, die Kerninflation, habe bei 1,7% gelegen. Heute seien es nur noch 1,0% bzw. 1,2%. Der Inflationsdruck sei nicht gestiegen, sondern habe nachgelassen - trotz der lockeren Geldpolitik der FED. Die Teuerung bleibe unter dem Zielwert von 2%.

Heute scheine es, als ob die amerikanische Notenbank und auch die Märkte vom Quantitative Easing genug hätten. Auch wenn die FED im September kalte Füße bekommen habe, werde sie die Anleihekäufe bald beenden. Die Experten würden davon ausgehen, dass sie diese schon sehr bald zurückfahren werde.

Tapering bedeute aber nicht automatisch eine restriktivere Geldpolitik. Doch die FED habe noch immer Probleme, dies auch den Marktteilnehmern zu vermitteln. Ganz oben auf der Liste stehe die sogenannte "Forward Guidance". Die FED wolle den Märkten klar sagen, auf welcher Grundlage sie festlege, ob die Zinsen nahe Null bleiben würden oder die Geldpolitik restriktiver werde.

Forward Guidance könne sehr wohl zeitgleich mit dem Tapering eingeführt werden, aber natürlich müsse es glaubwürdig sein. Die FED könnte beispielsweise sagen, dass die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6,5% (bzw. 6% oder gar 5,5%) fallen und die Inflation über einen bestimmten Wert steigen müsse, bevor der Leitzins angehoben oder der Mindestreservezins gesenkt werde.

Aber niemand wisse, wie die Märkte auf einen Wechsel vom Quantitative Easing zu Forward Guidance reagieren würden. Anders ausgedrückt: Die FED starte ein neues Experiment innerhalb ihres Experiments! Niedrige Inflation und lockere Geldpolitik gebe es nicht nur in den USA.

Letzten Monat habe die EZB die Märkte mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte überrascht. Mit nur noch 0,9% habe die Inflation im November den zehnten Monat in Folge unterhalb ihres Zielwerts von 2% gelegen. Die Emerging Markets würden sich sogar am Rande einer Deflation befinden. Die Zinssenkung sei auch ein Versuch gewesen, die Aufwertung des Euro aufzuhalten - die nicht nur die Inflation gedämpft habe, sondern auch die fragile Erholung bremse.

Insgesamt sei die Inflation in den OECD-Ländern nach Angaben des Research Hauses BCA (Bank Credit Analyst) auf 1,5% gefallen und liege in 80% aller Industrieländer unter 2%. Überkapazitäten, Schuldenabbau und das schwache Wachstum hätten es den Zentralbanken schwer gemacht, ihre Inflationsziele zu erreichen. Das spreche dafür, dass weltweit weiter für ausreichend Liquidität gesorgt werde. Zudem würden dadurch die Asset-Preise und die Konjunktur in den Industrieländern auch im nächsten Jahr gestützt.

In punkto Disinflation seien die Emerging Markets ein Stück weit eine Ausnahme. In vielen Ländern seien Geld- und Kreditmenge enorm gestiegen, ebenso wie der Lohndruck. Die Inflation der Emerging Markets liege bei 4% bis 5%. Damit sei sie zwar um ein bis zwei Prozentpunkte niedriger als noch vor zwei Jahren, aber immer noch deutlich höher als in den Industrieländern.

Der Preisdruck habe eine restriktivere Geldpolitik, schwächeres Wachstum und geringere Wachstumserwartungen zur Folge gehabt. Das habe wiederum zu niedrigeren Rohstoffpreisen und einer geringeren Inflation in den USA und weltweit geführt. Das immer schwächere Wachstum in den Emerging Markets sei ein Grund, warum sich Emerging-Market-Aktien wohl unterdurchschnittlich entwickeln würden. (18.12.2013/alc/a/a)