Erweiterte Funktionen
FED: Zinsentscheidung in der Datenlücke
21.10.25 15:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei der bevorstehenden Sitzung des Federal Market Open Committee (FOMC) am 28. und 29. Oktober 2025 dürfte die US-Notenbank FED den Leitzins senken, so Dr. Cyrus de la Rubia und Nils Müller von der Hamburg Commercial Bank.
Ihre Analyse aktueller Reden und Interviews ergebe, dass rund 67% der stimmberechtigten Mitglieder diesen Schritt unterstützen dürften. Eine beachtliche Minderheit von etwa 25% habe in ihren Äußerungen hingegen für eine Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus plädiert und sich entsprechend vorsichtiger geäußert.
Derzeit liege die Federal Funds Rate (FFR) in der Spanne von 4,00 bis 4,25%. Für die Oktober-Sitzung erwarte die Hamburg Commercial Bank eine Senkung um 25 Basispunkte (Bps) auf 3,75 bis 4,00%. Auch für die Sitzung im Dezember rechne sie mit einer weiteren Reduktion um 25 Bps. Diese Einschätzung decke sich mit den Erwartungen der Finanzmärkte, die Zinssenkungen im Oktober und Dezember mit Wahrscheinlichkeiten von 99% bereits weitgehend eingepreist hätten.
Die Inflation gemessen am Verbraucherpreisindex (CPI) habe im August mit 2,9% (Gesamtrate, YoY) bzw. 3,1% (Kernrate, YoY) deutlich über dem 2%-Ziel der FED gelegen. Das hausinterne Nowcasting-Modell der Hamburg Commercial Bank prognostiziere für September einen Anstieg der Gesamtinflation auf 3,1%, während die Kerninflation leicht auf 3,0% zurückgehen dürfte. In den kommenden Monaten bleibe zu beobachten, inwieweit sich die neuen US-Einfuhrzölle in den Verbraucherpreisen niederschlagen würden. Die FOMC-Mitglieder würden inzwischen zunehmend damit rechnen, dass die Zolleffekte temporär bleiben würden und kein persistenter Inflationsschub entstehe.
Die finale BIP-Zahl für das zweite Quartal habe sich mit einem annualisierten Wachstum von 3,8% (QoQ) relativ solide erwiesen und liege damit über den durchschnittlichen Wachstumsraten der letzten Jahre. Die finale BIP-Schätzung habe positiv überrascht, weil bei der Erst- und Zweitschätzung noch ein deutlich langsameres und unterdurchschnittliches Wachstum ermittelt worden sei. Auch die Binnennachfrage habe bei der finalen Schätzung kräftig zulegen können: Gegenüber der Zweitschätzung sei sie um einen Prozentpunkt auf 2,9% revidiert worden und liege damit leicht über dem historischen Durchschnitt. Insgesamt würden diese Zahlen eine robuste Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft trotz geopolitischer Unsicherheiten und eines restriktiven Zinsumfelds signalisieren.
Die Dynamik des Arbeitsmarktes habe in den letzten Monaten merklich nachgelassen. Im August seien lediglich 22.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden, während die Arbeitslosenquote auf 4,3% gestiegen sei.
Die FED stehe damit vor einem geldpolitischen Dilemma: Einerseits spreche die erhöhte Inflation für eine restriktive Haltung, andererseits signalisiere der schwächelnde Arbeitsmarkt eine konjunkturelle Abkühlung, die eine expansive Geldpolitik nahelege.
Die Einschätzung der FED werde zusätzlich durch den anhaltenden Government Shutdown erschwert: Viele Behörden seien derzeit stillgelegt, was zu einem Ausfall zentraler Datenveröffentlichungen geführt habe. So liege beispielsweise der für die FED wichtige Arbeitsmarktbericht für September nicht vor, sodass die Notenbank mit einem ähnlichen Informationsstand wie vor der Sitzung im September agiere.
Einige inoffizielle Indikatoren, darunter der ADP-Beschäftigungsbericht, würden dennoch etwas Orientierung geben: Mit einem monatlichen Rückgang um 32.000 Stellen im September habe sich das Bild eines schwächelnden Arbeitsmarktes verdichtet. Auch die am 24. Oktober erwarteten CPI-Daten für September würden eine der wenigen verfügbaren offiziellen Quellen darstellen, die der FED vor der Sitzung zur Verfügung stünden. Zwar könnten sie kurzfristig neue Impulse zur Einschätzung der Inflationsentwicklung liefern, doch dürfte ihre Veröffentlichung die geldpolitische Entscheidung in der kommenden Woche nicht grundlegend in Frage stellen.
Die meisten FOMC-Mitglieder hätten bereits signalisiert, dass sich ihre Einschätzung seit der September-Sitzung kaum verändert habe. Zuletzt habe FED-Chef Jerome Powell dies in seiner Rede am 14. Oktober bestätigt. Gleichzeitig habe er vor zunehmenden Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt gewarnt, was die Hamburg Commercial Bank als klares Signal für eine Zinssenkung in der kommenden Woche werte.
Einige stimmberechtigte Mitglieder, darunter Michael Barr (Direktorium), Austan Goolsbee (Chicago) und Jeffrey Schmid (Kansas City), hätten hingegen für eine abwartende Haltung plädiert. Auch nicht stimmberechtigte Mitglieder wie Beth Hammack (Cleveland), Lorie Logan (Dallas) und Raphael Bostic (Atlanta) hätten sich zuletzt eher hawkish und weniger offen gegenüber weiteren Zinssenkungen gezeigt.
Besonders auffällig sei die Position des neuen FOMC-Mitglieds Stephen Miran, der erneut eine Zinssenkung um 50 Basispunkte gefordert habe. Bereits bei der September-Sitzung sei er das einzige Mitglied des FED-Rates gewesen, das für einen solch drastischen Schritt plädiert habe. Seine erneute Forderung überrasche daher kaum.
Miran gelte als ausgesprochen Trump-nah und sei von Präsident Trump für einen vakanten Sitz im FED-Direktorium nominiert worden. Seine geldpolitischen Positionen würden sich auffallend stark mit den Forderungen Trumps nach deutlich niedrigeren Zinsen decken. Kritiker würden Miran vorwerfen, die Unabhängigkeit der FED zu untergraben und geldpolitische Entscheidungen stärker politisch motiviert zu treffen. Er selbst weise diese Vorwürfe jedoch zurück und betone, dass seine Entscheidungen allein auf ökonomischer Analyse basieren würden. Dennoch sei er innerhalb des FOMC ein klarer Außenseiter mit einer deutlich dovisheren Haltung als die Mehrheit seiner Kolleginnen und Kollegen.
Das Lieblingszitat der Hamburg Commercial Bank stamme vom Präsidenten der Minneapolis FED, Neel Kashkari: "If I had to guess which mistake we’re making, I think we’re more likely overestimating the degree of slowdown." Mit dieser Aussage stelle Kashkari in Frage, ob die FED die konjunkturelle Schwäche möglicherweise überschätze. Er positioniere sich damit klar im Lager jener, die für eine maßvolle geldpolitische Lockerung plädieren würden und spreche sich zugleich gegen einen aggressiven Zinssenkungszyklus aus. (21.10.2025/alc/a/a)
Ihre Analyse aktueller Reden und Interviews ergebe, dass rund 67% der stimmberechtigten Mitglieder diesen Schritt unterstützen dürften. Eine beachtliche Minderheit von etwa 25% habe in ihren Äußerungen hingegen für eine Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus plädiert und sich entsprechend vorsichtiger geäußert.
Derzeit liege die Federal Funds Rate (FFR) in der Spanne von 4,00 bis 4,25%. Für die Oktober-Sitzung erwarte die Hamburg Commercial Bank eine Senkung um 25 Basispunkte (Bps) auf 3,75 bis 4,00%. Auch für die Sitzung im Dezember rechne sie mit einer weiteren Reduktion um 25 Bps. Diese Einschätzung decke sich mit den Erwartungen der Finanzmärkte, die Zinssenkungen im Oktober und Dezember mit Wahrscheinlichkeiten von 99% bereits weitgehend eingepreist hätten.
Die Inflation gemessen am Verbraucherpreisindex (CPI) habe im August mit 2,9% (Gesamtrate, YoY) bzw. 3,1% (Kernrate, YoY) deutlich über dem 2%-Ziel der FED gelegen. Das hausinterne Nowcasting-Modell der Hamburg Commercial Bank prognostiziere für September einen Anstieg der Gesamtinflation auf 3,1%, während die Kerninflation leicht auf 3,0% zurückgehen dürfte. In den kommenden Monaten bleibe zu beobachten, inwieweit sich die neuen US-Einfuhrzölle in den Verbraucherpreisen niederschlagen würden. Die FOMC-Mitglieder würden inzwischen zunehmend damit rechnen, dass die Zolleffekte temporär bleiben würden und kein persistenter Inflationsschub entstehe.
Die finale BIP-Zahl für das zweite Quartal habe sich mit einem annualisierten Wachstum von 3,8% (QoQ) relativ solide erwiesen und liege damit über den durchschnittlichen Wachstumsraten der letzten Jahre. Die finale BIP-Schätzung habe positiv überrascht, weil bei der Erst- und Zweitschätzung noch ein deutlich langsameres und unterdurchschnittliches Wachstum ermittelt worden sei. Auch die Binnennachfrage habe bei der finalen Schätzung kräftig zulegen können: Gegenüber der Zweitschätzung sei sie um einen Prozentpunkt auf 2,9% revidiert worden und liege damit leicht über dem historischen Durchschnitt. Insgesamt würden diese Zahlen eine robuste Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft trotz geopolitischer Unsicherheiten und eines restriktiven Zinsumfelds signalisieren.
Die Dynamik des Arbeitsmarktes habe in den letzten Monaten merklich nachgelassen. Im August seien lediglich 22.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden, während die Arbeitslosenquote auf 4,3% gestiegen sei.
Die Einschätzung der FED werde zusätzlich durch den anhaltenden Government Shutdown erschwert: Viele Behörden seien derzeit stillgelegt, was zu einem Ausfall zentraler Datenveröffentlichungen geführt habe. So liege beispielsweise der für die FED wichtige Arbeitsmarktbericht für September nicht vor, sodass die Notenbank mit einem ähnlichen Informationsstand wie vor der Sitzung im September agiere.
Einige inoffizielle Indikatoren, darunter der ADP-Beschäftigungsbericht, würden dennoch etwas Orientierung geben: Mit einem monatlichen Rückgang um 32.000 Stellen im September habe sich das Bild eines schwächelnden Arbeitsmarktes verdichtet. Auch die am 24. Oktober erwarteten CPI-Daten für September würden eine der wenigen verfügbaren offiziellen Quellen darstellen, die der FED vor der Sitzung zur Verfügung stünden. Zwar könnten sie kurzfristig neue Impulse zur Einschätzung der Inflationsentwicklung liefern, doch dürfte ihre Veröffentlichung die geldpolitische Entscheidung in der kommenden Woche nicht grundlegend in Frage stellen.
Die meisten FOMC-Mitglieder hätten bereits signalisiert, dass sich ihre Einschätzung seit der September-Sitzung kaum verändert habe. Zuletzt habe FED-Chef Jerome Powell dies in seiner Rede am 14. Oktober bestätigt. Gleichzeitig habe er vor zunehmenden Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt gewarnt, was die Hamburg Commercial Bank als klares Signal für eine Zinssenkung in der kommenden Woche werte.
Einige stimmberechtigte Mitglieder, darunter Michael Barr (Direktorium), Austan Goolsbee (Chicago) und Jeffrey Schmid (Kansas City), hätten hingegen für eine abwartende Haltung plädiert. Auch nicht stimmberechtigte Mitglieder wie Beth Hammack (Cleveland), Lorie Logan (Dallas) und Raphael Bostic (Atlanta) hätten sich zuletzt eher hawkish und weniger offen gegenüber weiteren Zinssenkungen gezeigt.
Besonders auffällig sei die Position des neuen FOMC-Mitglieds Stephen Miran, der erneut eine Zinssenkung um 50 Basispunkte gefordert habe. Bereits bei der September-Sitzung sei er das einzige Mitglied des FED-Rates gewesen, das für einen solch drastischen Schritt plädiert habe. Seine erneute Forderung überrasche daher kaum.
Miran gelte als ausgesprochen Trump-nah und sei von Präsident Trump für einen vakanten Sitz im FED-Direktorium nominiert worden. Seine geldpolitischen Positionen würden sich auffallend stark mit den Forderungen Trumps nach deutlich niedrigeren Zinsen decken. Kritiker würden Miran vorwerfen, die Unabhängigkeit der FED zu untergraben und geldpolitische Entscheidungen stärker politisch motiviert zu treffen. Er selbst weise diese Vorwürfe jedoch zurück und betone, dass seine Entscheidungen allein auf ökonomischer Analyse basieren würden. Dennoch sei er innerhalb des FOMC ein klarer Außenseiter mit einer deutlich dovisheren Haltung als die Mehrheit seiner Kolleginnen und Kollegen.
Das Lieblingszitat der Hamburg Commercial Bank stamme vom Präsidenten der Minneapolis FED, Neel Kashkari: "If I had to guess which mistake we’re making, I think we’re more likely overestimating the degree of slowdown." Mit dieser Aussage stelle Kashkari in Frage, ob die FED die konjunkturelle Schwäche möglicherweise überschätze. Er positioniere sich damit klar im Lager jener, die für eine maßvolle geldpolitische Lockerung plädieren würden und spreche sich zugleich gegen einen aggressiven Zinssenkungszyklus aus. (21.10.2025/alc/a/a)


