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FED-Sitzung: US-Realzinsen werden um 50 Punkte steigen


27.01.22 12:30
Candriam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank FED hat heute Abend ihre geldpolitischen Sitzungen eröffnet, so Nicolas Forest, Global Head of Fixed Income bei Candriam.

Im Dezember habe sie angesichts der Jahresinflation von 7 Prozent eine erste Kehrtwende vollzogen: Sie habe das Ende ihres Programms zur quantitativen Lockerung angekündigt und die Tür für eine erste Anhebung ihres Leitzinses im Jahr 2022 geöffnet.

In der Zwischenzeit hätten die Märkte ihre Erwartungen für Zinserhöhungen deutlich erhöht (4 Erhöhungen um 25 Punkte für 2022). Und die Befürchtung einer Bilanzverkürzung in Verbindung mit erhöhten geopolitischen Risiken habe zu einer Verschärfung der finanziellen Bedingungen geführt.

Daher seien heute Abend alle Augen auf Washington gerichtet gewesen. FED-Vorsitzender Jerome Powell habe die beiden wichtigsten Fragen vom Jahresanfang beantwortet: Wie hoch werde das Tempo der Zinserhöhungen im Jahr 2022 sein und wie werde die Reduzierung der Bilanz ausfallen?

Zunächst habe er klargestellt, dass die FED beabsichtige, die Zinsen auf der nächsten Sitzung im März zum ersten Mal anzuheben. Sie werde die Ankäufe von Vermögenswerten wie geplant Anfang März einstellen, und Marktteilnehmer würden von der ersten Anhebung eine Verringerung der Bilanz erwarten, die derzeit fast 9.000 Milliarden Dollar betrage.

In diesem Zusammenhang würden die Experten weiterhin mit 4 Leitzinserhöhungen rechnen und seien der Ansicht, dass die Reduzierung der Bilanz zu einem Anstieg der US-Realzinsen um fast 50 Punkte führen dürfte.

In seiner zweiten Amtszeit habe Powell die geldpolitische Straffung mit einem klaren Auftrag eröffnet: Er habe die Anleger und die US-Verbraucher davon überzeugen wollen, dass die Inflation auf 2 Prozent zurückgehen könne, ohne dass es zu finanziellen Spannungen komme. Obwohl die Märkte die heutige Erklärung begrüßt hätten, müsse man die Finanzierungsbedingungen der US-Unternehmen in den kommenden Monaten genau beobachten. Und während der Pressekonferenz hätten sich die Credit Spreads aufgrund des aggressiven Tons des Vorsitzenden ausgeweitet.

Morgen werde Frankfurt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dort halte die Europäische Zentralbank (EZB) nächste Woche ihre erste geldpolitische Sitzung ab und werde sich wahrscheinlich weigern, mit den USA gleichzuziehen. Sie ziehe es vor, abzuwarten und negative Zinsen und eine akkommodierende Rhetorik beizubehalten. Eine Position, die das ganze Jahr über nur schwer zu halten sein werde. (27.01.2022/alc/a/a)