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FED-Meeting: Warten auf eine Pause der Falken


31.10.23 16:00
Eric Sturdza Investments

Genf (www.anleihencheck.de) - Bisher haben die Annahmen der Marktteilnehmer eines länger anhaltenden hohen Zinsniveaus ("higher for longer") und einer sanften Landung - also einer schlimmstenfalls leicht sinkenden Wirtschaftsleistung - den Markt bestimmt, so Eric Vanraes, Portfoliomanager des E.I.Sturdza Strategic Bond Opportunities Fund bei Eric Sturdza Investments.

Anleger seien nun so weit, der Federal Reserve zu glauben und zu vertrauen, wenn sie verkünde, dass es 2024 keine Zinssenkungen geben werde. Jedoch sei auch schon vor zwei Jahren der FED geglaubt worden, als sie gesagt habe, dass die Inflation nur vorübergehend sei.

Deshalb würden die Experten annehmen, dass die FED die Schlüsselsätze auf ihrer nächsten Sitzung am 1. November unverändert lasse. Dies entspreche einer abwartenden Haltung, die von wirtschaftlichen Daten und wahrscheinlich auch den geopolitischen Spannungen beeinflusst werde.

Die US-amerikanische Wirtschaft sei im dritten Quartal 2023 um 4,9 Prozent gewachsen, was darauf hindeute, dass es keine harte Landung bzw. Rezession geben werde. Jedoch sei die Inflation mit 3,7% im September noch immer zu hoch. Unter normalen Bedingungen sollte die FED keine Pause bei den Zinserhöhungen einlegen und einen sehr aggressiven hawkishen Kurs der Geldstraffung aufnehmen, um die Inflation einzudämmen - das könnte sie über weitere Zinserhöhungen bis zu einem Zinssatz von 6% oder mehr erreichen. In diesem Zusammenhang würden die Aussagen Jerome Powells zur Geldstraffungspolitik der FED ausschlaggebend sein. Die Bilanzsumme liege bei unter 8 Billionen USD.

Seit der letzten Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) sei die Weltlage instabiler geworden. Es gebe ein hohes geopolitisches Risiko, vor allem im Nahen Osten, und ein signifikantes wirtschaftliches Risiko durch das geringere Wirtschaftswachstum in der Eurozone und China. Langfristige Anleiherenditen würden ebenso Anlass zur Sorge geben. In der vergangenen Woche habe die Rendite 10-jähriger US-Staatanleihen ein Niveau von 5% erreicht. Die schädlichen Auswirkungen auf die reale Wirtschaft würden sich in den nächsten Monaten zeigen.

Die FED sei sich bewusst, dass es eine Anhäufung potenzieller "schwarzer Schwäne" gebe. Wen kümmere beispielsweise heute noch die Pleite der Silicon Valley Bank vor sechs Monaten? Die Frage sei, ob die aktuelle Situation besser oder schlechter ausgehe?

In diesem Umfeld erscheine es sinnvoll, wenn die FED am 1. November eine "hawkische Pause" einlege, weiterhin die Inflation im Auge behalte, aber den Status Quo bei den US-Zinssätzen aufgrund wachsender Unsicherheiten beibehalte. (31.10.2023/alc/a/a)