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FED: Knappe Entscheidung zu erwarten


05.12.25 11:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Es könnte eine knappe Entscheidung werden, wenn am kommenden Mittwoch (10.12.) die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) der US-Notenbank Fed zu ihrer Sitzung zusammenkommen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Unsere Analyse der jüngsten Reden und Interviews zeigt: Rund 50 % der stimmberechtigten FOMC-Mitglieder dürften eine Leitzinssenkung befürworten, während 33 % eine Beibehaltung des Leitzinsniveaus unterstützen dürften, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG weiter. Offen bleibe die Haltung der restlichen 17 %, deren Stimmen den Ausschlag geben könnten.

Dennoch würden die Analysten erwarten, dass die Fed den Leitzins, der derzeit in der Spanne von 3,75–4,00 % liege, bei ihrer Sitzung nächste Woche um 25 Basispunkte senken werde. Anschließend dürfte vorerst Schluss mit weiteren Zinsschritten sein. In der zweiten Jahreshälfte von 2026 rechne man aufgrund einer stärker politisierten Fed mit weiteren Leitzinssenkungen, da mit dem Amtszeitende von Fed-Chef Jerome Powell im Mai 2026 fest davon auszugehen sei, dass US-Präsident Donald Trump einen dovishen Nachfolger ernennen werde, der eine deutlich lockerere Geldpolitik umsetzen dürfte.

Aktuell kristallisiere sich mehr und mehr heraus, dass Kevin Hassett Trumps Favorit für den Fed-Vorsitz sei. Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus am Dienstag (02.12.), bei der auch Hassett anwesend gewesen sei, habe Trump erklärt, dass unter den Anwesenden ein "potenzieller Fed-Vorsitzender" sei. Zuvor habe Trump bereits erklärt, dass sich die Anzahl der Kandidaten auf nur noch einen reduziert habe. Damit habe er Hasset quasi schon zum neuen Fed-Vorsitzenden gekürt. Laut Trump werde die offizielle Bekanntgabe der Fed-Nachfolge Anfang Januar erfolgen.

Hassett sei Ökonom und sei während Trumps erster Amtszeit Vorsitzender des Council of Economic Advisers gewesen. Seit Januar 2025 sei er Direktor des National Economic Council, einer Institution, die die US-Regierung bei der Koordinierung wirtschaftspolitischer Maßnahmen unterstütze. Zuvor habe er von 1992 bis 1997 als Ökonom in der Forschungs- und Statistikabteilung des Fed-Gouverneursrats gearbeitet. Der 63-Jährige gelte als enger Vertrauter Trumps und als Verfechter einer wachstumsorientierten Politik und habe sich in der Vergangenheit stark für eine lockere Geldpolitik ausgesprochen.

Im Vergleich zu früheren Fed-Vorsitzenden, wie Jay Powell, Janet Yellen und Ben Bernanke, bringe Hassett jedoch deutlich weniger geldpolitische Erfahrung und ein begrenztes Verständnis der Finanzmärkte mit. Seine Ernennung würde eine klare Abkehr von der bisherigen Linie der Fed bedeuten und die Unabhängigkeit der Notenbank stärker in den Fokus der politischen Debatte rücken.

Die Datenlage sei seit der Oktober-Entscheidung nahezu unverändert. Zwar sei der Government Shutdown inzwischen beendet, doch die US-Behörden veröffentlichten wichtige Indikatoren weiterhin nur schrittweise. Eine der wenigen aktualisierten Zahlen stamme aus dem Arbeitsmarktbericht für September und sei damit eigentlich schon veraltet: Die Nonfarm Payrolls hätten mit 119.000 neu geschaffenen Stellen über den Erwartungen von 50.000 gelegen, seien aber schwach im historischen Vergleich geblieben.

Neue Daten zum Arbeitsmarkt (für Oktober und November) und zur Verbraucherpreisinflation (für November) würden am 16.12. bzw. am 18.12. veröffentlicht werden, also erst nach der Fed-Entscheidung. Alternative Indikatoren hätten aber bestärkt, dass sich der US-Arbeitsmarkt weiter abgekühlt habe. Etwa zeige der ADP-Report für November einen überraschenden Beschäftigungsrückgang um 32.000 Stellen (erwartet worden sei ein Plus von 10.000 Stellen), was die Erwartungen einer Zinssenkung durch die Fed zusätzlich stützen dürfte.

Powells Aussage bei der Pressekonferenz der Oktober-Sitzung, die Entscheidung im Dezember sei "keine ausgemachte Sache", habe die Erwartungen an eine weitere Zinssenkung erheblich gedämpft: Die an den Terminmärkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung der Geldpolitik sei in den Wochen nach der Sitzung zeitweise auf 30 % gefallen – vor der Pressekonferenz habe sie noch bei knapp 100 % gelegen.

Ende November habe der Vize-Chef des FOMC, John Williams, die Zinssenkungsfantasien mit einigen dovishen Äußerungen jedoch wieder angeheizt, sodass die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung zuletzt auf 90 % geklettert sei, die für eine Beibehaltung des Zinsniveaus sei entsprechend auf etwa 10 % gefallen. Williams habe in seiner Rede argumentiert, dass die Geldpolitik "moderat restriktiv" sei, weshalb er "Raum für eine weitere Anpassung [der Leitzinsen] in naher Zukunft" sehe. Zudem habe er auf den sich abschwächenden Arbeitsmarkt verwiesen.

Von den insgesamt zwölf stimmberechtigten FOMC-Mitgliedern identifizierten die Analysten Michelle Bowman, Christopher Waller und Stephen Miran als klare Befürworter einer Zinssenkung im Dezember. Ebenso dürfte sich John Williams diesem Lager anschließen. Skeptisch gegenüber einer weiteren Lockerung hätten sich Susan Collins, Austan Goolsbee, Alberto Musalem und Jeffrey Schmid geäußert. Letzterer habe bereits im Oktober gegen die Zinssenkung gestimmt. Auch etwas vorsichtiger, aber nicht entschieden hawkish, seien die Aussagen von Philip Jefferson und Michael Barr gewesen.

Nicht zum geldpolitischen Kurs seit der letzten Sitzung hätten sich Jerome Powell und Lisa Cook geäußert. Im Fall von Powell, als Vorsitzendem des FOMC, sei diese Zurückhaltung besonders ungewöhnlich. Angesichts der deutlich gespaltenen Meinungen im Ausschuss dürfte sein Schweigen jedoch eine bewusste Strategie sein, um die Debatte nicht zusätzlich zu polarisieren. Stattdessen habe John Williams – der traditionell die gleiche Linie wie Powell vertrete – mit seiner dovishen Rede wohl die Zinssenkung signalisiert, die Powell selbst bevorzuge. Powell würden die Analysten deshalb als Befürworter einer Zinssenkung werten. Lisa Cook, die üblicherweise mit Powell abstimme, dürfte sich ebenfalls dieser Position anschließen.

Zähle man Jefferson und Barr zu den Befürwortern einer Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus, ergebe sich ein 6:6-Gleichstand, eine Pattsituation, die es in der Geschichte des FOMC bislang noch nie gegeben habe. Tatsächlich enthielten die offiziellen Regeln des FOMC keine explizite Bestimmung für den Fall eines Stimmengleichstands und auch der Vorsitzende Powell verfüge über kein formelles Tie-Break-Recht. Theoretisch könne eine erneute Abstimmung innerhalb derselben Sitzung erfolgen, wenngleich dies nicht vorgeschrieben sei. Falls keine Mehrheit zustande komme, würde dies vermutlich bedeuten, dass der Status quo bestehe bleibe und eine Zinssenkung ausbleibe.

Entscheidend werde also sein, ob Powell einen Konsens bilden könne und weitere FOMC-Mitglieder überzeugen könne. Sollte es ihm beispielsweise gelingen, Jefferson und Barr auf seine Seite zu ziehen, stünde es 8:4 für eine Zinssenkung. Beide hätten sich kurz nach der Oktober-Sitzung vorsichtig gegenüber weiteren Zinsschritten geäußert, als die von Powell vorgegebene Linie noch eher in Richtung einer Beibehaltung tendiert habe. Es sei offen, ob Jefferson und Barr ihre Meinung inzwischen geändert hätten. Sie tendierten jedoch oft dazu, die Mehrheitsmeinung im Direktorium zu unterstützen. Das gebe Powell Spielraum, sie für eine Zinssenkung zu gewinnen.

In jedem Fall zeige die Auswertung der Analysten, dass das FOMC gespalten sei. Das sei ein Grund, warum sie weitere Zinssenkungen über Dezember hinaus vorerst für unwahrscheinlich halten würden. Außerdem bestünden weiterhin Inflationsrisiken, weshalb die Fed es vermeiden dürfte, die Geldpolitik zu aggressiv zu lockern.

Das Lieblingszitat der Analysten stamme vom Präsidenten der Richmond Fed, Thomas Barkin: "You may notice nothing I just said gives any guidance for our next meeting. That’s intentional, as I think we have a lot to learn between now and then." (05.12.2025/alc/a/a)