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Eurozone: Ein leichter Anstieg auf 3,5% p.a. für die Oktober-Inflation erwartet
22.10.21 09:15
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Das Beste kommt zum Schluss - so jedenfalls das Motto der nächsten Woche mit Blick auf die Datenveröffentlichungen in der Eurozone, werden doch die Schwergewichte allesamt am Freitag veröffentlicht (natürlich tagt zuvor noch die EZB), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Im Fokus stehe in Zeiten wie diesen zweifelsohne die Schnellschätzung für die Euro-Inflation im Oktober. Am vergangenen Mittwoch seien die detaillierten Inflationsdaten für die Eurozone im September veröffentlicht worden, die aber keine großen Überraschungen mit sich gebracht hätten. Die Teuerung sei im Vormonat um 3,4% p.a. gestiegen, wobei die Energiepreise mit einem Anstieg von 17,6% p.a. der Haupttreiber gewesen seien. Ausgehend von den täglichen Strompreisen und den wöchentlichen Kraftstoffpreisen dürften die Energiepreise im Oktober einen nochmals stärkeren Anstieg gegenüber dem Vormonat (p.m.) ausweisen, sodass die Gesamtinflation bis zum Jahresende 3,7% p.a. erreichen könnte. Für die Oktober-Inflation würden die Analysten der RBI einen leichten Anstieg auf 3,5% p.a. erwarten, der von den Energiepreisen herrühre, während sie die Kernrate marginal niedriger prognostizieren würden.
Gleichzeitig gelte: Selbst wenn die Energiepreise in weiterer Folge nicht sinken sollten, würden die Basiseffekte so stark sein (immer geringer ausfallende Energiepreisanstiege im Vorjahresvergleich), dass sich die Inflation im Jahr 2022 von den aktuell luftigen Höhen wieder Richtung Süden bewegen werde. Die Überwälzung höherer Energiekosten auf andere Konsumgüterpreise sei bisher begrenzt. Allerdings gebe es erste dahingehende Anzeichen, da Verkehrsdienstleistungen und Urlaubsreisen etwas von ihrem typischen saisonalen Muster abweichen würden.
Trotz des jüngsten Anstiegs sind marktbasierte Inflationserwartungen weiter im Einklang mit dem 2%-Ziel der EZB (ILS 5JF5J bei 1,95%), scheinen jedoch auch das Risiko einer etwaigen Überwälzung gestiegener Inputkosten (nicht nur, aber auch Energie) widerzuspiegeln, was eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnte, so die Analysten der RBI. Die Gewerkschaften in Deutschland würden bereits deutliche Lohnerhöhungen für 2022 fordern. Wie Philip Lane, der Chefvolkswirt der EZB, erklärt habe, bedeute jedoch selbst eine einmalige Lohnerhöhung zum Ausgleich höherer Energiepreise nicht unbedingt, dass die Inflation mittelfristig konstant über 2% liegen werde.
Während die Inflations-Schnellschätzung einen ersten Eindruck der Preisdynamik im noch laufenden Oktober liefere, erfolge mit den (vorläufigen) Schnellschätzungen zum BIP im 3. Quartal ein Blick zurück auf die Konjunktur in den Sommermonaten. Neben der Eurozone seien mit Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien am kommenden Freitag sämtliche Schwergewichte vertreten (und Österreich). Sie alle eine die Tatsache, dass die Konjunktur zwischen Juli und September wie bereits im Quartal zuvor unter dem Eindruck der Frühjahrs-Lockerungen gestanden habe. So würden die Analysten der RBI für die Eurozone mit einem Plus von 2,0% p.q. und folglich mit einer ähnlich hohen Dynamik wie im 2. Quartal (2,2% p.q.) rechnen. Spanien, Österreich und Frankreich sollten im 3. Quartal etwas stärker und Italien etwas schwächer als die Eurozone gewachsen sein. Die österreichische Konjunktur werde damit im Sommerhalbjahr (Q2, Q3) zu den konjunkturellen Spitzenreitern gehören (das Q2 sei bereits überdurchschnittlich stark gewesen), was aber lediglich als "Gegenbewegung" zum schwachen Winterhalbjahr zu sehen sei.
Für Deutschland würden die Analysten der RBI und der Konsens einen ähnlich hohen BIP-Quartalszuwachs wie in der gesamten Eurozone erwarten, auch wenn sich die deutsche Industrie im 3. Quartal nochmals deutlich schärferem Gegenwind ausgesetzt gesehen habe. Das dürfte allerdings von (konsumnahen) Dienstleistungen mehr als kompensiert worden sein.
Im Gegensatz zu Europa werde das BIP-Wachstum im 3. Quartal in den USA deutlich niedriger ausfallen als im Vorquartal. Der private Konsum sei bis dato der mit Abstand größte Treiber der Konjunkturdynamik gewesen, welcher sich jedoch zuletzt vor allem für langlebige Konsumgüter wie etwa KFZ abgeschwächt habe, auch aufgrund der Lieferengpässe.
Neben den Daten sei kommende Woche die EZB-Zinssitzung ein Highlight. Zwar stünden keine Beschlüsse an, allerdings gelte es in der Pressekonferenz auf Hinweise zu achten. Erstens hätten sich zuletzt die Leitzinserwartungen am Markt stark verschoben und so werde eine erste Anhebung des Einlagesatzes um 10 BP für Ende 2022 gepreist. Dies stehe klar im Widerspruch zur aktuellen Forward Guidance der EZB und so wäre alles andere als ein entschiedenes Auftreten gegen diese Spekulationen ein Signal für einen möglichen Meinungsschwenk. Die Analysten der RBI würden erwarten, dass Lagarde weiterhin unveränderte Leitzinsen für einen viel längeren Zeithorizont in Aussicht stelle.
Zweitens seien zuletzt immer wieder Gerüchte über den Fortgang der Anleihekäufe im kommenden Jahr aufgetaucht (ab März neues Programm anstelle von PEPP oder PEPP und APP, höhere Käufe von Anleihen internationaler Emittenten, flexiblere Ausgestaltung mit Übergewichtung Peripherie bei Bedarf). Ob diese Indiskretion eher von Einzelinteressen getragen würden oder als gezieltes Vorbereiten von Markterwartungen aufzufassen seien, sei unklar.
Ein nächster Entschluss zu den Anleihekäufen solle im Dezember fallen, aktuell würden die Fachgruppen an den möglichen Alternativen arbeiten. Es werde spannend, ob Lagarde in irgendeiner Weise bereits Stellung beziehe - sei es, indem sie Gerüchte kommentiere, sei es, dass sie frei heraus die Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung lenke. Unserer Einschätzung nach besteht mehr Unsicherheit zu den Details als zu einem grundlegenden Punkt: Wir sind so wie viele Beobachter der Meinung, dass die Anleihekäufe im März 2022 nicht abrupt reduziert, sondern diese im Jahr 2022 graduell reduziert werden, so die Analysten der RBI. Zudem gebe es für die EZB nach Ansicht der Analysten der RBI kein Argument, aggressiver als die FED vorzugehen. (22.10.2021/alc/a/a)
Im Fokus stehe in Zeiten wie diesen zweifelsohne die Schnellschätzung für die Euro-Inflation im Oktober. Am vergangenen Mittwoch seien die detaillierten Inflationsdaten für die Eurozone im September veröffentlicht worden, die aber keine großen Überraschungen mit sich gebracht hätten. Die Teuerung sei im Vormonat um 3,4% p.a. gestiegen, wobei die Energiepreise mit einem Anstieg von 17,6% p.a. der Haupttreiber gewesen seien. Ausgehend von den täglichen Strompreisen und den wöchentlichen Kraftstoffpreisen dürften die Energiepreise im Oktober einen nochmals stärkeren Anstieg gegenüber dem Vormonat (p.m.) ausweisen, sodass die Gesamtinflation bis zum Jahresende 3,7% p.a. erreichen könnte. Für die Oktober-Inflation würden die Analysten der RBI einen leichten Anstieg auf 3,5% p.a. erwarten, der von den Energiepreisen herrühre, während sie die Kernrate marginal niedriger prognostizieren würden.
Gleichzeitig gelte: Selbst wenn die Energiepreise in weiterer Folge nicht sinken sollten, würden die Basiseffekte so stark sein (immer geringer ausfallende Energiepreisanstiege im Vorjahresvergleich), dass sich die Inflation im Jahr 2022 von den aktuell luftigen Höhen wieder Richtung Süden bewegen werde. Die Überwälzung höherer Energiekosten auf andere Konsumgüterpreise sei bisher begrenzt. Allerdings gebe es erste dahingehende Anzeichen, da Verkehrsdienstleistungen und Urlaubsreisen etwas von ihrem typischen saisonalen Muster abweichen würden.
Trotz des jüngsten Anstiegs sind marktbasierte Inflationserwartungen weiter im Einklang mit dem 2%-Ziel der EZB (ILS 5JF5J bei 1,95%), scheinen jedoch auch das Risiko einer etwaigen Überwälzung gestiegener Inputkosten (nicht nur, aber auch Energie) widerzuspiegeln, was eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnte, so die Analysten der RBI. Die Gewerkschaften in Deutschland würden bereits deutliche Lohnerhöhungen für 2022 fordern. Wie Philip Lane, der Chefvolkswirt der EZB, erklärt habe, bedeute jedoch selbst eine einmalige Lohnerhöhung zum Ausgleich höherer Energiepreise nicht unbedingt, dass die Inflation mittelfristig konstant über 2% liegen werde.
Für Deutschland würden die Analysten der RBI und der Konsens einen ähnlich hohen BIP-Quartalszuwachs wie in der gesamten Eurozone erwarten, auch wenn sich die deutsche Industrie im 3. Quartal nochmals deutlich schärferem Gegenwind ausgesetzt gesehen habe. Das dürfte allerdings von (konsumnahen) Dienstleistungen mehr als kompensiert worden sein.
Im Gegensatz zu Europa werde das BIP-Wachstum im 3. Quartal in den USA deutlich niedriger ausfallen als im Vorquartal. Der private Konsum sei bis dato der mit Abstand größte Treiber der Konjunkturdynamik gewesen, welcher sich jedoch zuletzt vor allem für langlebige Konsumgüter wie etwa KFZ abgeschwächt habe, auch aufgrund der Lieferengpässe.
Neben den Daten sei kommende Woche die EZB-Zinssitzung ein Highlight. Zwar stünden keine Beschlüsse an, allerdings gelte es in der Pressekonferenz auf Hinweise zu achten. Erstens hätten sich zuletzt die Leitzinserwartungen am Markt stark verschoben und so werde eine erste Anhebung des Einlagesatzes um 10 BP für Ende 2022 gepreist. Dies stehe klar im Widerspruch zur aktuellen Forward Guidance der EZB und so wäre alles andere als ein entschiedenes Auftreten gegen diese Spekulationen ein Signal für einen möglichen Meinungsschwenk. Die Analysten der RBI würden erwarten, dass Lagarde weiterhin unveränderte Leitzinsen für einen viel längeren Zeithorizont in Aussicht stelle.
Zweitens seien zuletzt immer wieder Gerüchte über den Fortgang der Anleihekäufe im kommenden Jahr aufgetaucht (ab März neues Programm anstelle von PEPP oder PEPP und APP, höhere Käufe von Anleihen internationaler Emittenten, flexiblere Ausgestaltung mit Übergewichtung Peripherie bei Bedarf). Ob diese Indiskretion eher von Einzelinteressen getragen würden oder als gezieltes Vorbereiten von Markterwartungen aufzufassen seien, sei unklar.
Ein nächster Entschluss zu den Anleihekäufen solle im Dezember fallen, aktuell würden die Fachgruppen an den möglichen Alternativen arbeiten. Es werde spannend, ob Lagarde in irgendeiner Weise bereits Stellung beziehe - sei es, indem sie Gerüchte kommentiere, sei es, dass sie frei heraus die Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung lenke. Unserer Einschätzung nach besteht mehr Unsicherheit zu den Details als zu einem grundlegenden Punkt: Wir sind so wie viele Beobachter der Meinung, dass die Anleihekäufe im März 2022 nicht abrupt reduziert, sondern diese im Jahr 2022 graduell reduziert werden, so die Analysten der RBI. Zudem gebe es für die EZB nach Ansicht der Analysten der RBI kein Argument, aggressiver als die FED vorzugehen. (22.10.2021/alc/a/a)
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