Eurozone: Inflationsrate im Dezember sollte merklichen Anstieg verbuchen


06.01.20 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen wird eine Vielzahl von marktrelevanten Daten veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Inflationsrate in der Eurozone für den Monat Dezember sollte einen merklichen Anstieg verbuchen. Dies sei vor allem der Entwicklung des Ölpreises bzw. der Energiepreise geschuldet. Die Teuerung ex Energie und Nahrungsmittel (Kernrate) dürfte sich nicht verändert haben. Des Weiteren von Interesse seien die diversen Konjunkturfrühindikatoren. Die vorliegenden Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe würden für die meisten Euroländer einen Rückgang ausweisen. Im Dienstleistungsbereich sei dagegen bei den finalen Ergebnissen mit einem Anstieg zu rechnen. Die EU Sentiment Indikatoren dürften ein ähnliches Bild zeichnen. Man habe in der Industrie einen Rückgang und im Dienstleistungsgewerbe einen Anstieg angesetzt.

Das Wirtschaftsvertrauen sollte sich in Summe leicht eingetrübt haben, was vor allem auf den klaren Rücksetzer des Konsumentenvertrauens zurückzuführen sei. Mit dem Sentix Index stehe der erste Konjunkturfrühindikator für den Monat Jänner an. Die Analysten würden mit einem neuerlichen Anstieg rechnen, die Stimmungsaufhellung sollte aber weniger prägnant ausfallen als Ende 2019. Zuletzt seien realwirtschaftliche Kenngrößen wie die Arbeitsmarkt- und Industriedaten von Relevanz. In Deutschland würden die Analysten nach dem scharfen Einknicken des Outputs in den Monaten zuvor mit einem gewissen Rebound der Industrieproduktion rechnen. Doch auch in den anderen Euroländern dürfte der Output im November im Vergleich zum Vormonat zumeist zugelegt haben.

In Summe würden die Analysten den anstehenden Datenreigen folgendermaßen interpretieren: Der Inflationsanstieg Ende 2019 sei nur vorübergehend. Der Auftrieb der Energiepreise und somit der gesamten Teuerung dürfte bis ins Frühjahr wieder abebben. Die Stimmungsindikatoren würden auf kein weiteres Einknicken der Konjunktur schließen lassen. Der Industriebereich bleibe aber zunächst die Achillesferse der Konjunkturentwicklung. Allerdings schlage sich die Rezession in der Industrie bislang kaum am Arbeitsmarkt nieder. Der Dienstleistungsbereich stütze die Wirtschaftslage und sorge auch in naher Zukunft für ein in Summe geringes aber positives Wachstum der Gesamtwirtschaft.

In diesem Umfeld werde die EZB wohl ihre abwartende Haltung beibehalten und unverändert eine prinzipielle Bereitschaft für zusätzliche Stimulierungsschritte signalisieren (wait and see mit easing bias). Die Geldpolitik bleibe also nach Einschätzung der Analysten darauf ausgerichtet, die Zinsen und Anleiherenditen niedrig zu halten. Der jüngste Anstieg der Renditen von deutschen Staatsanleihen würden die Analysten nicht als Auftakt für einen fortgesetzten Trend werten. (Ausgabe vom 03.01.2020) (06.01.2020/alc/a/a)