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European Green Bond Standard: Starten grüne Anleihen jetzt durch?


06.02.25 09:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Kurz vor Weihnachten 2024 trat der European Green Bond Standard (EuGBS) in Kraft, so Ronald Van Steenweghen, Rentenfondsmanager bei DPAM.

Dieser "Goldstandard" für nachhaltige Anleihen solle Greenwashing bekämpfen, Transparenz und Rechenschaftspflichten verbessern und die Übereinstimmung mit der EU-Taxonomie gewährleisten.
Der Markt habe den neuen Standard schnell angenommen: Der italienische Energieversorger A2A wolle mit einer 500-Mio.-Euro-Anleihe Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur, Energieeffizienz und Abfallwirtschaft finanzieren. Der französische Staatsbetrieb Île-de-France Mobilités habe einen European Green Bond im Wert von 1 Mrd. Euro begeben, um eines der größten Verkehrsnetze der Welt zu modernisieren und zu dekarbonisieren.

Sei das der Beginn einer Welle von europäischen grünen Anleihen?

Abwarten. Die starke Anlegernachfrage und potenzielle Preisvorteile könnten die Kosten der anspruchsvolleren Berichterstattung ausgleichen. Außerdem könnte der Standard die Harmonisierung bei der Offenlegung und Berichterstattung vorantreiben und damit Anlegern einen besseren Einblick in die Umweltauswirkungen von Anleihen gewähren. Standardisierte Daten könnten die Auswirkungen verschiedener Emittenten besser vergleich- und bewertbar machen. Mehr Transparenz und Verantwortlichkeit sowie hochwertigere Bewertungen von Zweitgutachtern würden das Marktvertrauen in grüne Anleihen stärken.

Erhebliche Unsicherheiten bestünden jedoch weiterhin. Sowohl A2A als auch Île-de-France Mobilités hätten bereits grüne Anleihen begeben und ihre Anpassung an den EuGBS frühzeitig signalisiert. Der eigentliche Test werde kommen, wenn Emittenten beginnen, die Flexibilität von 15% für Aktivitäten zu nutzen, die nicht von der EU-Taxonomie abgedeckt würden. Ob die Anleger dann begeistert zugreifen würden, bleibe abzuwarten.

Versorgungs- und Mobilitätsunternehmen würden sich besonders gut für eine vollständige Anpassung an die EU-Taxonomie eignen. Die Bekämpfung des Klimawandels erfordere jedoch in allen Sektoren erhebliche Investitionen. Unternehmen mit hohen Emissionen, die sich ernsthaft um Transition bemühen würden, könnten - mit Anstrengung - einen Beitrag zu den Zielen der Taxonomie leisten. Viele Emittenten hätten jedoch immer noch Schwierigkeiten, an genaue Daten heranzukommen, um die Einhaltung der obligatorischen Do No Significant Harm- und Minimum Social Safeguards-Anforderungen zu gewährleisten.

Der Lackmustest werde kommen, wenn Emittenten mit weniger offensichtlicher Ausrichtung den Markt erschließen würden. Die Anleger würden nicht bereit sein, einen erheblichen Aufschlag für europäische grüne Anleihen im Vergleich zu den weiter verbreiteten und gut etablierten ICMA-konformen grünen Anleihen zu zahlen.

Ein Gewinn für die Transition-Finanzierung

Hoffnung mache die jüngste Entscheidung der europäischen Wertpapieraufsicht (ESMA), dass European Green Bonds nicht unter die Ausschlusskriterien der Paris-Aligned Benchmark (PAB) fallen würden. Die ESMA habe zudem bestätigt, dass "grüne" Fonds weiterhin in grüne Anleihen außerhalb des EU-Rechtsrahmens investieren könnten. Dies sei begrüßenswert. Das langwierige regulatorische Gerangel habe jedoch gezeigt, wie schwierig es sei, ein Gleichgewicht zwischen der Aufsicht und den Bedürfnissen der Marktteilnehmer herzustellen. Die Entscheidung der ESMA schaffe hier Klarheit für Anleger und Emittenten. Der Fokus könne sich jetzt wieder auf das Wesentliche richten: die Beschleunigung einer CO2-armen Wirtschaft finanzieren und sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen fördern. (06.02.2025/alc/a/a)