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Europäischer Rentenmarkt etwas schwächer


19.09.14 15:00
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Am 15. September 2008 begann mit der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers eine Phase, in der es vor allem die Zentralbanker waren, die weltweit die Märkte bewegten, so die Analysten der Weberbank.

Ob nun Immobilien-, Wirtschafts- oder Eurokrise, letztlich sei es immer wieder die Geldpolitik gewesen, die maßgeblich die Kurse von Aktien in die eine Richtung und die Zinsen von Anleihen in die andere gelenkt habe. Von Amerika über Europa bis nach China und Japan seien Zinsen gesenkt und Geld gedruckt worden. Seit geraumer Zeit aber würden die Wirtschaftsentwicklung und folglich die Geldpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks auseinander driften. Während die US-Konjunktur das Tal der Tränen durchschritten habe, verlaufe der Pfad der Erholung in Europa serpentinenhaft auf und ab. Und auch in China laufe die Wirtschaft nicht rund.

So würden sich alle Augen in diesen Tagen wieder auf die Notenbankpolitik richten. Die EZB habe die Bedingungen, zu denen sich Banken im Rahmen des TLTRO-Programmes Geld leihen könnten, erleichtert und gleichzeitig den Strafzins für geparkte Liquidität auf 0,2 Prozent erhöht. Die Nachfrage zu den neuen Konditionen von 0,15 Prozent sei mit 82,6 Milliarden Euro aber deutlich hinter den Erwartungen geblieben, sodass die Wahrscheinlichkeit für ein Staatsanleihen-Kaufprogramm gestiegen sei.

Auf der anderen Seite werde die US-Notenbankpolitik restriktiver. Die FED habe dazu auch allen Grund, denn die US-Wirtschaft laufe zunehmend runder. Die jüngsten Daten würden auf ein Wirtschaftswachstum im laufenden Quartal von annualisiert 3,0 Prozent hindeuten. So habe sich zum Beispiel der Einzelhandel im Juli und August bereits erfreulich gezeigt und wichtige Umfragen unter Einkaufsmanagern und Verbrauchern würden eine sehr positive Stimmung ausweisen. Nur wolle sich die Erholung am US-Arbeitsmarkt noch nicht ganz den Vorstellungen der FED-Chefin Janet Yellen beugen, insbesondere im August, als der Stellenaufbau abgeflacht sei. Daher werde der Leitzins auch nach dem Ende der Anleihekäufe im Oktober "für eine beträchtliche Zeit" nahe Null Prozent bleiben. Die Analysten der Weberbank erwarten eine Leitzinserhöhung frühestens im zweiten Quartal 2015.

In China seien im August alle wichtigen Gradmesser für das Wirtschaftswachstum wie das Wachstum der Industrieproduktion überraschend stark gefallen. Die Regierung könnte punktuelle Maßnahmen ergreifen, wie sie es im Jahresverlauf bereits getan habe, um die Wirtschaft anzukurbeln, allerdings zeige sie sich diesbezüglich noch zurückhaltend. Die Notenbank habe ihrerseits als Sofortmaßnahme 500 Milliarden Yuan (63 Milliarden Euro) an die fünf größten Banken der Volksrepublik für drei Monate verliehen. Die Analysten der Weberbank erwarten derzeit, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr mit ungefähr 7,5 Prozent wachsen wird.

Nach starken Kursanstiegen seien die Aktien der Schwellenländer zuletzt gefallen. Aus Sicht der Analysten stelle das eine Korrektur innerhalb des Aufwärtstrends da. Die Liquidität, die die chinesische Notenbank zur Verfügung gestellt habe, sei als Signal zu deuten, dass die Zentralregierung einen Wirtschaftseinbruch in China nicht dulden werde. Die Analysten der Weberbank bleiben in Schwellenländeraktien, insbesondere in Asien und Lateinamerika, weiterhin investiert. Die europäischen Aktienmärkte hätten in einem schwierigen Umfeld wieder etwas Boden gutgemacht. Die bessere Geschäftsentwicklung, aber auch die Entfernung zu den Krisenherden in der Ukraine und im Nahen Osten seien jedoch die Gründe, warum sich US-Aktien derzeit stärker und generell schwankungsärmer zeigen würden.

Die europäischen Rentenmärkte hätten nach den rasanten Kurszuwächsen etwas schwächer tendiert. Eine 10-jährige Bundesanleihe habe wieder oberhalb der 1 Prozent-Marke rentiert. Unter anderem seien die längerfristigen Inflationserwartungen wieder angestiegen, was für gewöhnlich mit steigenden Renditen am Rentenmarkt einhergehe. Die Analysten würden mit den Kaufprogrammen der EZB wieder fallende Renditen im Staatsanleihen- und Pfandbriefsegment erwarten. Im Bereich der Schwellenländeranleihen seien die Renditen höher, sodass diese bei entsprechender Risikoneigung eine gute Beimischung darstellen würden.

Für die Kapitalmärkte positiv zu werten sei, dass die schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen gescheitert seien. Ein "Ja" hätte nicht nur die europäische Politik durcheinandergewirbelt, sondern auch die Aktien- und Rentenmärkte. In einer ersten Reaktion habe das Britische Pfund, das bei einem erfolgreichen Referendum sicher unter Druck geraten wäre, deutlich aufgewertet, und die Aktienmärkte hätten sich erleichtert gezeigt. (19.09.2014/alc/a/a)