Europäische Rentenmärkte - es gibt noch viel zu tun


05.04.12 15:40
Dexia Asset Management

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - In den letzten vier Monaten hat sich die Stimmung an den Finanzmärkten deutlich verbessert - vor allem weil die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken billige Kredite zur Verfügung gestellt hat, so Koen Van de Maele, Global Head of Fixed Income bei Dexia Asset Management.

Im Rahmen zweier langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (LTROs) könnten sie sich insgesamt eine Billion Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Zins von einem Prozent leihen. Seien damit jetzt alle Probleme gelöst?

Noch im November 2011 sei zu befürchten gewesen, dass dem Finanzsystem die Liquidität ausgehe, weil die Probleme im Euroraum gedroht hätten, außer Kontrolle zu geraten. Seinerzeit sei die Reaktion der EZB zweifellos gerechtfertigt und notwendig gewesen. Heute scheine es aber fast, als hätten die Finanzmärkte die Bedeutung der Zentralbankmaßnahmen überschätzt.

Indem die EZB mit ihren massiven Liquiditätsspritzen für Ruhe an den Märkten gesorgt habe, habe sie sicherlich etwas Zeit erkauft. Aber noch immer gebe es kein Konzept gegen die strukturellen Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums. Einmal mehr sei die europäische Politik gefragt. Sie müsse endlich handeln und die wichtigen Probleme anpacken, insbesondere die zu hohe Verschuldung sowie die Produktivitäts- und Wettbewerbsunterschiede zwischen den Ländern der Währungsunion.

Provokant formuliert könnte man sagen, dass bisher lediglich der einfache Teil des Weges hinter uns liege. Der langwierige und schwierige Abbau der enormen Schuldenberge habe gerade erst begonnen. Die Schwierigkeiten Spaniens, sein Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, zeigen sehr genau, welche Probleme noch vor uns liegen, so die Experten von Dexia Asset Management. Auch für einige der kerneuropäischen Länder könnte es schwierig werden, die geplanten Maßnahmen zur Defizitbegrenzung umzusetzen, beispielsweise für Frankreich, wo im Mai Präsidentschaftswahlen anstünden.

Schon lange würden deutsche Bundesanleihen in turbulenten Marktphasen als sicherer Hafen gelten. Man müsse aber davon ausgehen, dass sich das ändern werde. Deutsche Staatsanleihen seien angesichts ihrer niedrigen Renditen und der in den nächsten Jahren zu erwartenden Inflation gegenwärtig extrem teuer. Es bilde sich allmählich eine Preisblase.

Noch wichtiger sei aber, dass Deutschland im unwahrscheinlichen (aber nicht völlig auszuschließenden) Fall eines Auseinanderbrechens des Euroraums hohe Verluste hinnehmen müsste - Stichwort Target-Salden. Der Grund dafür sei die Rolle der Bundesbank im Eurosystem. Ob man deutsche Anleihen noch immer als Absicherung gegen eine, wenn auch nicht sehr wahrscheinliche, Abschaffung des Euro betrachten könne, sei deshalb mehr als fraglich.

Im derzeitigen Marktumfeld bevorzugen die Experten von Dexia Asset Management deshalb andere Anleihearten: Erstrangiges Bankkapital und von Banken begebene Covered Bonds (die defensiv und nach wie vor attraktiv bewertet sind), stabile Industrieanleihen aus den Peripherieländern (etwa von Telefónica (ISIN ES0178430E18/ WKN 850775) oder Enel (ISIN IT0003128367/ WKN 928624), die in unterschiedlichen Ländern und Sektoren aktiv sind) und Qualitäts-Industrieanleihen mit BBB-Rating (wie Veolia (ISIN FR0000124141/ WKN 501451), Pemex oder Vale (ISIN BRVALEACNOR0/ WKN 897136)), die durch eine solide Kreditqualität überzeugen. (05.04.2012/alc/a/a)






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