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Europäische Anleihen: Flexibel gegen den Ertragsverfall


12.10.16 11:14
AB

München (www.anleihencheck.de) - Um der Ertrags-Erosion bei sicheren Staatsanleihen und bonitätsstarken Unternehmensanleihen in Europa auszuweichen, häufen sich bei Investoren die Barbestände, so die Experten von AB.

Gleichzeitig dränge eine nicht unerhebliche Anzahl von Anlegern in risikoreiche Segmente, um höheren Renditechancen hinterherzujagen. Häufig jedoch würden Anleger die dadurch entstehenden Wertschwankungen im Portfolio unterschätzen. Doch ein ausgewogener Mix europäischer Anleihen biete weiterhin ordentliche Ertragschancen, die weniger risikofreudigen Anlegern eine Alternative zum Geld unter der Matratze bieten würden.

Nicht einmal die Abkürzung klinge harmlos: CSPP. Im Rahmen ihres "Corporate Sector Purchase Programme" kaufe die Europäische Zentralbank (EZB) seit dem 8. Juni Unternehmensanleihen. Dabei beschränke sie sich auf Papiere aus dem Euroraum mit guter Bonität, also mit Investment Grade Rating. Woche für Woche erwerbe sie Anleihen im Volumen von 2 bis 3 Milliarden Euro und pumpe so Liquidität in den Markt - mit dem Ziel, die Inflation anzufeuern.

Während auf diesem Feld die Erfolge bislang eher bescheiden ausfallen würden, habe die künstlich aufgeblähte Nachfrage jedoch eine ganz andere Wirkung: Der Unternehmensanleihe-Markt bringe im Durchschnitt kaum noch mehr als 1 Prozent Rendite. Einige deutsche Unternehmen könnten sich bereits nahezu zinsfrei Geld für fünf Jahre leihen. Die meseien deutschen Bundesanleihen hätten inzwischen sogar eine negative Rendite.

Aus Sicht der Experten von AB wird sich an diesem Szenario auf absehbare Zeit wenig ändern. Zwar habe sich der Brexit-Beschluss bislang kaum auf die europäische Wirtschaft ausgewirkt und das Wachstum in der Eurozone sei niedrig, aber auf einem stabilen Niveau. Doch die äußerst geringe Inflation halte sich hartnäckig. In der EZB würden deshalb weiterhin die Tauben, also die Verfechter einer lockeren Geldpolitik, die Oberhand gegenüber den Falken behalten würden, die tendenziell Zinserhöhungen favorisieren würden. Die dadurch entstandene Zinsdürre habe bereits weitreichende Folgen in der Anlegerpsychologie ausgelöst: Entweder würden die vorhandenen Barbestände gar nicht mehr angelegt oder aber sie würden in risikoreichere Märkte, wie zum Beispiel Schwellenländeranleihen und Aktien, investiert.

Dabei seien sowohl das Geld unter der Matratze als auch die erhöhte Aktienquote nicht alternativlos. Ein möglicher Weg, diese Herausforderung erfolgreich zu meistern, bestehe darin, die Flexibilität im Anleiheportfolio zu erhöhen. Anstatt ausschließlich in Unternehmensanleihen mit guter Bonität bei einer Durchschnittsrendite von einem Prozent zu investieren, könne das Ausnutzen des gesamten Spektrums eine deutlich attraktivere Lösung sein. Mit einer hochflexiblen Investmentstrategie, die die relative Sicherheit von Staats- und Unternehmensanleihen aus dem Investment Grade Bereich um höher rentierliche High Yield Papiere ergänze, lasse sich im derzeitigen Marktumfeld weiterhin eine Anleiherendite von mehr als 2,5 Prozent erzielen. Eine solche Strategie weise ein mittelfristiges Risiko auf, dass sich dem des europäischen Investment Grade Unternehmensanleihe-Marktes annähere. Wichtig dabei sei jedoch die Flexibilität des Fondsmanagements, auch auf Papiere innerhalb und außerhalb des Indexes zugreifen zu können.

Des Weiteren sei eine Ausgewogenheit zwischen Anleihen aus dem Investment Grade und dem High Yield Bereich wichtig und letztlich erfordere dies einen dynamischen Ansatz, um das Portfolio kontinuierlich anzupassen. Nur auf diese Weise könne eine Portfoliostruktur gewahrt werden, die Chancen und Risiken in ein annehmbares Verhältnis auch für weniger risikobereite Anleger setze.

Der Druck auf europäische Anleihen erfordere einen differenzierten Ansatz, um noch ein akzeptables Niveau an Rendite zu erwirtschaften. Die Experten von AB sind der Meinung, dass Investoren mit einem flexiblen und dynamischen Ansatz die richtige Balance finden können, um auch in einem europäischen Anleiheportfolio weiterhin angemessene Erträge zu erwirtschaften. (12.10.2016/alc/a/a)