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Europa droht eine Stagflation


29.03.22 09:15
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Der russische Überfall auf die Ukraine und der daraus resultierende kräftige Preisschub für Nahrungsmittel, Energie und auch wichtige Metalle haben vor allem der europäischen Wirtschaft kurzfristig einen herben Dämpfer verpasst, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Der Kostenschock sowie neue Lieferengpässe würden die Konjunktur bremsen und sollten die Inflation auch in den kommenden Monaten weiter in die Höhe treiben.

Europa drohe eine Stagflation, also die Kombination von Inflation und wirtschaftlicher Stagnation. Deutlich steigenden Preisen stehe eine wirtschaftliche Flaute gegenüber, deren Auslöser der kriegsbedingte Energieschock sei. Rohöl sei in der Spitze bis auf 124 US-Dollar je Barrel geklettert, die Benzinpreise und Preise für Diesel seien explodiert. Gold habe - in Euro gerechnet - ein historisches Allzeithoch am 7. März erreicht und bei 1.849 Euro je Feinunze notiert. Die Ukraine sei neben Russland Hauptlieferant von Mais, Weizen und Sonnenblumenöl und werde auch als "Kornkammer Europas" bezeichnet. Der russische Angriff auf die Ukraine treibe deshalb die Preise für Agrarprodukte dramatisch in die Höhe. Die Krise treffe die Ärmsten am schlimmsten. Einige ärmere Länder des "Globalen Südens" seien auf direkte Importe von Getreide auch aus der Ukraine angewiesen. Andere Länder würden zwar kein Getreide aus der Kriegsregion Ukraine importieren, aber auch bei ihnen würden die Getreidepreise durch die weltweite Verknappung enorm ansteigen - zulasten der Ärmsten.

Im Euroraum werde eine Preissteigerungsrate um 7% erwartet. Für das Gesamtjahr 2022 scheine ein Preisauftrieb von 6,1% in der Eurozone und 5,6% für Deutschland realistisch. 2023 sollte sich die Inflation bei wieder leicht sinkenden Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Energie bei um 2,5% einpendeln. Die Forderung Putins, dass Zahlungen für Gaslieferungen in Rubel zu leisten seien, habe das Risiko einer Unterbrechung der Lieferungen deutlich erhöht. Der unerwartet dramatische Einbruch des ifo-Index von 98,5 auf 90,8 zeige, dass die Energiekrise bereits jetzt massiv den Konjunkturausblick belaste. (Ausgabe April 2022) (29.03.2022/alc/a/a)