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Eurobonds - eine Anleihe für alle?


12.04.17 10:20
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - 2016 tendierten die Risikoaufschläge für Anleihen aus den Peripheriestaaten der Eurozone insgesamt nach oben, obgleich wesentlich weniger stark als 2011/2012. Ob damit auch der Ruf nach Eurobonds wieder lauter wird, fragt sich Dr. Wolfgang Bauer, Anleihenexperte bei M&G Investments.

Der Aufschlag von 10-jährigen spanischen Staatsanleihen gegenüber 10-jährigen deutschen Staatsanleihen betrage aktuell etwa 1,3%, was nah am Mittelwert der letzten zehn Jahre liege. Die Renditedifferenz von 10-jährigen italienischen Anleihen liege nur einen halben Prozentpunkt höher (1,8%). In Portugal liege der Spread aktuell bei 3,7%. Die Spreads beider Länder lägen höher als der Mittelwert der letzten zehn Jahre. Der griechische Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen von 7,0% sei der höchste unter den Peripheriestaaten, liege aber unterhalb des historischen Mittelwerts. Die Lage in Griechenland sei dieser Kennzahl nach zu urteilen also durchaus entspannt - ein Satz, den man nicht oft lese.

Ein gemeinsamer 10-jähriger Eurobond ließe die Renditeaufschläge der Peripheriestaaten sofort verschwinden, aber welche Rendite könnten Anleger von den Eurobonds erwarten? Alle Länder der Eurozone, mit Ausnahme von Estland, hätten Staatsanleihen im Umlauf. Demzufolge könne man als vernünftigen Ausgangspunkt gewichtete 10-jährige Durchschnittsrenditen berechnen. Hier haben die Experten von M&G Investments zwei Gewichtungsfaktoren verwendet: BIP und Schuldenquote.

Die BIP-gewichtete Rendite berücksichtige die Wirtschaftskraft der Länder und damit ihre Fähigkeit, Steuergelder einzusammeln und Schulden zu tilgen. Deutschland erhalte aufgrund des hohen BIP eine hohe Gewichtung. In der Folge sinke die durchschnittliche Rendite auf 1,2%, was in etwa dem Niveau der aktuellen 10-jährigen Rendite der Slowakei entspreche. Wäre dies die tatsächliche Rendite der Eurobonds, würden sich die Finanzierungskosten für Deutschland auf 10-Jahres-Basis in etwa verdreifachen, während die Renditen für Peripheriestaaten deutlich sinken würden.

Demgegenüber reflektiere die schuldengewichtete Rendite den Verschuldungsgrad sowie die Bonität der Länder. Aufgrund der hohen Schuldenlast sei die Gewichtung von Italien hoch und drücke den Durchschnitt auf 1,6% nach oben, was der aktuellen 10-jährigen Rendite von Malta entspreche und vier Mal so hoch sei wie die 10-jährige Rendite von Deutschland.

Zugegeben, die BIP- und schuldengewichteten Schätzungen seien für hypothetische Eurobond-Renditen zu hoch, da sie eine Weiterentwicklung der Markttiefe und Verbesserung der Liquidität außer Acht lassen würden. Die Schaffung einer Kategorie gemeinsamer Eurobonds würde den fragmentierten europäischen Staatsanleihenmarkt fundamental verändern und ihn deutlich stärker standardisieren. Vor allem kleinere Länder, deren nationale Rentenmärkte vielleicht von vielen Anlegern außer Acht gelassen worden seien, würden in hohem Maße von der Partizipation an einem tiefen und liquiden Eurobond-Markt profitieren.

Die Probe aufs Exempel könnte jedenfalls noch lange auf sich warten lassen: Die Einführung von Eurobonds in naher Zukunft sei eher unwahrscheinlich. Abgesehen von dem potenziellen "Moral Hazard", den eine Schuldenlast nach dem Gegenseitigkeitsprinzip erzeugen würde, und den möglichen Konflikten mit dem Lissabon-Vertrag gebe es erhebliche politische Hindernisse in Deutschland. CDU/CSU hätten sich hier schon seit langem positioniert. Martin Schulz habe zwar in seiner Zeit als Präsident des Europäischen Parlaments die Idee von Eurobonds vertreten, doch als Kanzlerkandidat habe er das Thema nicht mehr angesprochen. Auch eine mögliche SPD-geführte Regierung dürfte dieses Thema also kaum vorantreiben. (Ausgabe vom 11.04.2017) (12.04.2017/alc/a/a)